Asthma-Diagnostik & Therapie: GINA-Leitlinie 2023
📋Auf einen Blick
- •Asthma ist eine heterogene Erkrankung, definiert durch variable respiratorische Symptome und eine variable exspiratorische Atemwegsobstruktion.
- •Die Diagnose erfordert den objektiven Nachweis einer reversiblen Atemflusslimitierung, idealerweise vor Beginn einer ICS-Therapie.
- •Ein positiver Bronchodilatator-Reversibilitätstest bei Erwachsenen erfordert einen FEV1-Anstieg von >12 % und >200 ml.
- •Die GINA-Strategie 2023 empfiehlt als bevorzugten Ansatz (Track 1) eine bedarfsgesteuerte antiinflammatorische Reliever-Therapie (AIR) mit ICS-Formoterol.
Hintergrund
Asthma ist eine häufige, chronische Atemwegserkrankung, die durch variable respiratorische Symptome (Giemen, Atemnot, Engegefühl in der Brust und/oder Husten) sowie eine variable exspiratorische Atemflusslimitierung gekennzeichnet ist. Die GINA-Leitlinie 2023 betont, dass Asthma eine heterogene Erkrankung mit verschiedenen zugrundeliegenden Krankheitsprozessen ist.
Häufige klinische Phänotypen umfassen:
- Allergisches Asthma: Beginnt oft in der Kindheit, assoziiert mit allergischen Erkrankungen (Ekzem, allergische Rhinitis). Zeigt meist ein gutes Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide (ICS).
- Nicht-allergisches Asthma: Das Sputum kann neutrophil, eosinophil oder paucigranulozytär sein. Oft zeigt sich ein geringeres Kurzzeit-Ansprechen auf ICS.
- Late-onset Asthma (Erwachsenenalter): Tritt häufiger bei Frauen auf, ist oft nicht-allergisch und benötigt teils höhere ICS-Dosen.
- Asthma mit persistierender Atemflusslimitierung: Entsteht durch Atemwegswand-Remodeling bei langjährigem Asthma.
- Asthma mit Adipositas: Ausgeprägte Symptome bei oft nur geringer eosinophiler Entzündung.
Diagnostik
Die Diagnose sollte zwingend vor Beginn einer ICS-Therapie gesichert werden, da die Variabilität der Lungenfunktion unter Behandlung abnimmt. Die Diagnose basiert auf zwei Säulen: der Anamnese typischer Symptome und dem objektiven Nachweis der variablen Atemflusslimitierung.
| Diagnosekriterium | Erwachsene | Kinder (6-11 Jahre) |
|---|---|---|
| Bronchodilatator-Reversibilität | FEV1-Anstieg >12 % UND >200 ml | FEV1-Anstieg >12 % des Sollwerts |
| PEF-Variabilität (2 Wochen) | Durchschnittlich >10 % | Durchschnittlich >13 % |
| Therapieversuch (4 Wochen ICS) | FEV1-Anstieg >12 % UND >200 ml | Nicht explizit spezifiziert |
| Belastungstest | FEV1-Abfall >10 % UND >200 ml | FEV1-Abfall >12 % des Sollwerts |
Hinweis: Der Bronchodilatator-Test erfolgt 10-15 Minuten nach Inhalation von 200-400 mcg Salbutamol oder Äquivalent.
Differentialdiagnosen
Abhängig vom Alter müssen verschiedene alternative Ursachen für die respiratorischen Symptome ausgeschlossen werden:
| Altersgruppe | Mögliche Differentialdiagnosen | Typische Symptome/Hinweise |
|---|---|---|
| 6-11 Jahre | Eingeatmeter Fremdkörper | Plötzlicher Beginn, einseitiges Giemen |
| Bronchiektasen / Mukoviszidose | Rezidivierende Infekte, produktiver Husten | |
| Angeborene Herzfehler | Herzgeräusche | |
| 12-39 Jahre | Induzierbare Larynxobstruktion | Inspiratorischer Stridor, Dyspnoe |
| Hyperventilation | Schwindel, Parästhesien, Seufzen | |
| Chronisches Hustensyndrom | Niesen, Juckreiz, verstopfte Nase |
Therapie-Updates (GINA 2023)
Die GINA-Strategie 2023 führt den Begriff Anti-inflammatory reliever (AIR) ein. Dies beschreibt die bedarfsweise Nutzung von ICS-Formoterol oder ICS-SABA zur gleichzeitigen Symptomlinderung und Entzündungshemmung.
- Track 1 (Bevorzugt): Nutzt bedarfsweises ICS-Formoterol als Reliever. Dies reduziert das Risiko schwerer Exazerbationen signifikant im Vergleich zu reinen SABA-Relievern.
- Track 2 (Alternativ): Nutzt SABA oder (neu in 2023) ICS-SABA als Reliever, kombiniert mit einer festen ICS-Erhaltungstherapie.
Wichtig: Bei Patienten, die bereits ICS erhalten und deren Diagnose nie objektiviert wurde, muss die Diagnose überprüft werden. Dies kann ein stufenweises Reduzieren (Step-down) der ICS-Dosis unter engmaschiger Kontrolle erfordern, um die zugrundeliegende Variabilität der Lungenfunktion zu demaskieren.
💡Praxis-Tipp
Sichern Sie die Asthma-Diagnose durch Lungenfunktionstests (Spirometrie) idealerweise ab, bevor Sie eine ICS-Therapie einleiten, da die diagnostisch wegweisende Variabilität unter Therapie abnimmt.