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GINA (Global Initiative for Asthma)2024PneumologieAllergologieInnere Medizin

Asthma-Management: GINA-Leitlinie 2024 Zusammenfassung

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf GINA (Global Initiative for Asthma) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Jeder Asthmapatient muss eine ICS-haltige Therapie erhalten; eine SABA-Monotherapie wird aufgrund erhöhter Mortalität nicht mehr empfohlen.
  • Track 1 (bevorzugt) nutzt niedrigdosiertes ICS-Formoterol als bedarfsabhängigen Reliever über alle Therapiestufen hinweg (inklusive MART ab Stufe 3).
  • Die Diagnose erfordert eine typische Symptomanamnese sowie den Nachweis einer variablen exspiratorischen Atemflusslimitierung (z.B. Reversibilität >12 % und >200 ml).
  • Bei akuten Exazerbationen erfolgt die Therapie primär mit SABA, systemischen Kortikosteroiden (z.B. Prednisolon 40-50 mg) und kontrollierter Sauerstoffgabe.
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Hintergrund

Asthma ist eine chronische Atemwegserkrankung, die durch variable respiratorische Symptome und eine chronische Atemwegsentzündung gekennzeichnet ist. Die GINA-Strategie 2024 betont einen Paradigmenwechsel: Jeder Patient muss eine ICS-haltige Therapie (Inhalatives Kortikosteroid) erhalten. Eine reine Bedarfstherapie mit SABA (Short-Acting Beta2-Agonist) wird aufgrund des erhöhten Risikos für schwere Exazerbationen und asthmabedingte Todesfälle nicht mehr empfohlen.

Diagnosekriterien

Die Diagnose basiert auf zwei Säulen: einer typischen Anamnese und dem objektiven Nachweis einer variablen exspiratorischen Atemflusslimitierung.

KriteriumErwachseneKinder (6-11 Jahre)
Bronchodilatator-ReversibilitätFEV1 oder FVC steigt um ≥12 % UND ≥200 mlFEV1 steigt um ≥12 % des Sollwerts
PEF-Variabilität (über 2 Wochen)>10 %>13 %
Ansprechen auf ICS (nach 4 Wochen)FEV1/FVC steigt um ≥12 % UND ≥200 mlFEV1 steigt um ≥12 % des Sollwerts

Beurteilung der Asthmakontrolle

Die Asthmakontrolle wird anhand der Symptome der letzten 4 Wochen beurteilt. Bei 1-2 zutreffenden Kriterien gilt das Asthma als "teilweise kontrolliert", bei 3-4 als "unkontrolliert".

Symptom-Kriterium (letzte 4 Wochen)Ja / Nein
Tagsüber Symptome >2x/Woche?
Nächtliches Erwachen durch Asthma?
SABA-Bedarf >2x/Woche? (gilt nicht für ICS-Formoterol)
Aktivitätseinschränkung durch Asthma?

Risikofaktoren für Exazerbationen

Selbst bei guter Symptomkontrolle können folgende Faktoren das Risiko für Exazerbationen erhöhen:

  • Übergebrauch von SABA (≥3 Dosieraerosole pro Jahr)
  • Unzureichende ICS-Therapie (schlechte Adhärenz, falsche Inhalationstechnik)
  • Komorbiditäten wie Adipositas, chronische Rhinosinusitis oder GERD
  • Exposition gegenüber Allergenen oder Tabakrauch
  • Niedrige Lungenfunktion (FEV1 <60 % des Sollwerts)

Stufenschema: Erwachsene und Jugendliche (ab 12 Jahren)

GINA unterteilt die Therapie in zwei "Tracks". Track 1 ist der bevorzugte Weg, da er das Risiko schwerer Exazerbationen signifikant senkt und einfacher ist (ein Inhalator für Bedarf und Erhaltung).

Track 1 (Bevorzugt): ICS-Formoterol als Reliever

StufeErhaltungstherapieBedarfstherapie (Reliever)
Stufe 1 & 2Keine (nur bei Bedarf)Niedrigdosiertes ICS-Formoterol
Stufe 3Niedrigdosiertes ICS-Formoterol (MART)Niedrigdosiertes ICS-Formoterol
Stufe 4Mitteldosiertes ICS-Formoterol (MART)Niedrigdosiertes ICS-Formoterol
Stufe 5LAMA add-on, Überweisung zum Spezialisten (Biologika)Niedrigdosiertes ICS-Formoterol

Track 2 (Alternativ): SABA oder ICS-SABA als Reliever

Hinweis: Setzt eine hohe Adhärenz zur täglichen ICS-Therapie voraus.

StufeErhaltungstherapieBedarfstherapie (Reliever)
Stufe 1ICS-Einnahme zeitgleich mit SABASABA oder ICS-SABA
Stufe 2Tägliches niedrigdosiertes ICSSABA oder ICS-SABA
Stufe 3Niedrigdosiertes ICS-LABASABA oder ICS-SABA
Stufe 4Mittel-/Hochdosiertes ICS-LABASABA oder ICS-SABA
Stufe 5LAMA add-on, Überweisung zum SpezialistenSABA oder ICS-SABA

Stufenschema: Kinder (6-11 Jahre)

Auch bei Kindern ist eine reine SABA-Therapie obsolet.

StufeBevorzugte TherapieReliever
Stufe 1Niedrigdosiertes ICS zeitgleich mit SABASABA
Stufe 2Tägliches niedrigdosiertes ICSSABA
Stufe 3Niedrigdosiertes ICS-LABA ODER mitteldosiertes ICS ODER sehr niedrigdosiertes ICS-Formoterol (MART)SABA (oder ICS-Formoterol bei MART)
Stufe 4Mitteldosiertes ICS-LABA ODER niedrigdosiertes ICS-Formoterol (MART)SABA (oder ICS-Formoterol bei MART)
Stufe 5Überweisung zum Spezialisten (Phänotypisierung, Biologika)SABA (oder ICS-Formoterol bei MART)

Management von Exazerbationen

Eine Exazerbation erfordert eine rasche Beurteilung und Therapieanpassung.

MaßnahmeDosierung / ZielwertBemerkung
SABA4-10 Hübe via pMDI + SpacerAlle 20 Minuten für 1 Stunde wiederholen
Systemische KortikosteroideErwachsene: 40-50 mg Prednisolon (5-7 Tage)<br>Kinder: 1-2 mg/kg, max. 40 mg (3-5 Tage)Ausschleichen bei <2 Wochen Gabe nicht nötig
SauerstoffZiel-Sättigung: 93-95 % (Erwachsene), 94-98 % (Kinder)Kontrollierte Gabe

Kriterien für eine sofortige Verlegung auf die Intensivstation: Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder eine "Silent Chest" (fehlendes Atemgeräusch).

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie Erwachsenen und Jugendlichen bevorzugt die MART-Therapie (Track 1) mit ICS-Formoterol. Dies erhöht die Compliance, da Patienten ihren Reliever gleichzeitig als antientzündliche Therapie nutzen, und senkt das Exazerbationsrisiko signifikant.

Häufig gestellte Fragen

Nein. GINA empfiehlt für alle Patienten eine ICS-haltige Therapie, um das Risiko schwerer Exazerbationen und asthmabedingter Todesfälle zu senken.
MART steht für Maintenance-and-Reliever Therapy. Hierbei wird ein einziger Inhalator (ICS-Formoterol) sowohl für die tägliche Erhaltungstherapie als auch als bedarfsabhängiger Reliever genutzt.
Mit wiederholten SABA-Gaben (4-10 Hübe alle 20 Min. für 1h), systemischen Kortikosteroiden (z.B. 40-50 mg Prednisolon für Erwachsene) und ggf. Sauerstoff (Ziel-Sättigung 93-95 %).
Bei Erwachsenen, wenn die FEV1 oder FVC nach Bronchodilatator-Gabe um mindestens 12 % UND absolut um mindestens 200 ml ansteigt.

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