Sepsis und septischer Schock: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion, die durch eine fehlregulierte Wirtsantwort auf eine Infektion verursacht wird. Sie stellt weltweit ein massives Gesundheitsproblem dar und ist mit einer hohen Letalität verbunden.
Die frühzeitige Erkennung und ein adäquates Management in den ersten Stunden nach Entstehung einer Sepsis verbessern die klinischen Ergebnisse signifikant. Die "Surviving Sepsis Campaign" (SSC) Leitlinie von 2021 bietet evidenzbasierte Orientierungshilfen für die Behandlung erwachsener Sepsis-Patienten im Krankenhaus.
Dabei umfassen die Empfehlungen den gesamten klinischen Verlauf, von der initialen Reanimation über die antimikrobielle Therapie bis hin zur Langzeitbetreuung. Die Leitlinie betont jedoch, dass diese Empfehlungen die individuelle klinische Entscheidungsfindung nicht ersetzen können.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Warnhinweis der Leitlinie bezieht sich auf die Verzögerung der Vasopressoren-Therapie durch das Warten auf einen zentralvenösen Zugang. Es wird ausdrücklich empfohlen, Noradrenalin bei septischem Schock frühzeitig über einen sicheren peripheren Zugang zu starten, um den Ziel-MAP von 65 mmHg schnellstmöglich zu erreichen. Ein zentraler Venenkatheter kann im weiteren Verlauf nachgelegt werden, sobald die Akutsituation stabilisiert ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die intravenöse Gabe von mindestens 30 ml/kg kristalliner Lösung innerhalb der ersten 3 Stunden. Für die weitere Volumentherapie wird eine Steuerung anhand dynamischer Parameter empfohlen.
Laut Leitlinie ist Noradrenalin der Vasopressor der ersten Wahl. Bei unzureichendem Effekt kann Vasopressin ergänzt werden, um die Noradrenalin-Dosis zu reduzieren.
Bei einem septischen Schock oder einer sehr wahrscheinlichen Sepsis wird die Antibiotikagabe innerhalb von einer Stunde empfohlen. Bei einer möglichen Sepsis ohne Schock sollte die Gabe nach rascher Abklärung innerhalb von drei Stunden erfolgen.
Die Leitlinie empfiehlt den Beginn einer Insulintherapie erst ab einem Blutzuckerwert von 180 mg/dL (10 mmol/L). Niedrigere Zielwerte werden aufgrund des erhöhten Hypoglykämierisikos nicht empfohlen.
Es wird der Einsatz von intravenösen Kortikosteroiden, wie Hydrocortison in einer Dosis von 200 mg pro Tag, empfohlen. Dies gilt für Patienten mit septischem Schock, die einen anhaltenden Bedarf an Vasopressoren haben.
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Quelle: Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines for Management of Sepsis and Septic Shock 2021 (SCCM, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ESCMID: Surviving sepsis campaign: international guidelines for the management of severe sepsis and septic shock 2021
StatPearls: Bacterial Sepsis
S3-Leitlinie Sepsis - Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge (AWMF 079-001, 2025)
StatPearls: Septic Shock (Nursing)
ESICM guidelines on acute respiratory distress syndrome: definition, phenotyping and respiratory support strategies
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