Akutes Atemnotsyndrom (ARDS): Beatmung und Therapie
Hintergrund
Die ESICM-Leitlinie 2023 aktualisiert die Empfehlungen zum Management des akuten Atemnotsyndroms (ARDS) und der akuten hypoxämischen respiratorischen Insuffizienz (AHRF) bei Erwachsenen. Dabei werden auch spezifische Aspekte von COVID-19-assoziiertem ARDS berücksichtigt.
Das ARDS ist durch eine erhöhte Permeabilität der alveolokapillären Membran, ein verringertes belüftetes Lungenvolumen und eine Hypoxämie gekennzeichnet. Da die aktuelle Berlin-Definition für die Diagnose einen PEEP von mindestens 5 cmH2O voraussetzt, bezieht das Dokument auch Patienten mit AHRF ohne PEEP in die Betrachtung ein.
Zusätzlich wird das Konzept der ARDS-Phänotypisierung, wie beispielsweise hyper- versus hypoinflammatorische Verläufe, diskutiert. Diese Sub-Phänotypen könnten in Zukunft für personalisierte Therapieansätze wichtig sein, rechtfertigen aktuell jedoch noch keine routinemäßigen Behandlungsempfehlungen.
💡Praxis-Tipp
Bei der Anwendung von CPAP oder NIV bei Patienten mit akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz wird ein engmaschiges Monitoring auf klinische Zeichen der Atemnot und starke inspiratorische Anstrengungen empfohlen, um eine patienten-selbst-induzierte Lungenschädigung (P-SILI) zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt HFNO bei Patienten mit akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz, die nicht auf einem kardiogenen Lungenödem oder einer COPD-Exazerbation beruht. Ziel ist es, das Risiko einer Intubation zu senken.
Es wird empfohlen, die Bauchlagerung bei intubierten Patienten mit moderatem bis schwerem ARDS für mindestens 16 aufeinanderfolgende Stunden pro Tag durchzuführen. Dies sollte frühzeitig nach einer initialen Stabilisierungsphase begonnen werden.
Laut Leitlinie wird eine lungenprotektive Beatmung mit niedrigen Tidalvolumina von 4 bis 8 ml/kg des idealen Körpergewichts empfohlen. Dies gilt sowohl für klassisches als auch für COVID-19-assoziiertes ARDS.
Von verlängerten Hochdruck-Rekrutierungsmanövern wird aufgrund des Risikos für Barotraumata und Herzstillstand abgeraten. Auch der routinemäßige Einsatz kurzer Hochdruck-Rekrutierungsmanöver wird nicht empfohlen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: ESICM guidelines on acute respiratory distress syndrome: definition, phenotyping and respiratory support strategies (ESICM, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: High versus low positive end-expiratory pressure (PEEP) levels for mechanically ventilated adult patients with acute lung injury and acute respiratory distress syndrome
Cochrane Review: Oxygen targets in the intensive care unit during mechanical ventilation for acute respiratory distress syndrome: a rapid review
StatPearls: Acute Respiratory Distress Syndrome
StatPearls: Venovenous ECMO for Refractory Hypoxemia
Cochrane Review: Pharmacological agents for adults with acute respiratory distress syndrome
StatPearls: Mechanical Ventilation
Cochrane Review: Care bundles for improving outcomes in patients with COVID-19 or related conditions in intensive care - a rapid scoping review
ESCMID: Surviving sepsis campaign: international guidelines for the management of severe sepsis and septic shock 2021
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen