SIGN2013Psychiatrie

Schizophrenie: Pharmakotherapie und Frühintervention

Diese Leitlinie stammt aus 2013 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2013)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Schizophrenie ist eine relativ häufige psychische Erkrankung mit einem Lebenszeitrisiko von etwa einem Prozent. Sie manifestiert sich typischerweise bei jungen Erwachsenen in den Zwanzigern und ist durch positive Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen sowie negative Symptome wie sozialen Rückzug und Antriebslosigkeit gekennzeichnet.

Etwa drei Viertel der Personen, die die diagnostischen Kriterien für Schizophrenie erfüllen, erleiden einen Rückfall. Ein ungeplanter Abbruch der Behandlung stellt dabei ein erhebliches Risiko für eine erneute Exazerbation dar.

Betroffene haben eine kürzere Lebenserwartung als die Allgemeinbevölkerung, was primär auf kardiovaskuläre Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Krebs zurückzuführen ist. Zudem treten häufig Komorbiditäten wie Substanzmissbrauch und Depressionen auf, die den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen können.

Empfehlungen

Die schottische SIGN-Leitlinie 131 formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management der Schizophrenie:

Frühintervention und Zugang

Personen mit einer ersten psychotischen Episode sollten laut Leitlinie im Rahmen eines spezialisierten Frühinterventionsmodells behandelt werden. Dieses multidisziplinäre Konzept umfasst:

  • Aufsuchende Betreuung (Assertive Outreach)

  • Einbezug der Familie und Familieninterventionen

  • Zugang zu psychologischen Interventionen

  • Berufliche und schulische Fördermaßnahmen

  • Zugang zu antipsychotischer Medikation

Für Personen mit schweren psychischen Störungen, die stationäre Einrichtungen häufig nutzen und eine schlechte Anbindung an das Hilfesystem aufweisen, wird eine aufsuchende gemeindenahe Behandlung (Assertive Community Treatment) empfohlen.

Medikamentöse Akut- und Erhaltungstherapie

Bei einer akuten Exazerbation oder einem Rückfall wird empfohlen, Amisulprid, Olanzapin oder Risperidon als bevorzugte Medikamente in Betracht zu ziehen (Empfehlungsgrad A). Chlorpromazin und andere niedrigpotente Antipsychotika der ersten Generation stellen geeignete Alternativen dar.

Für die Erhaltungstherapie bei remittierter Schizophrenie wird eine kontinuierliche Behandlung mit Antipsychotika für mindestens zwei Jahre empfohlen (Empfehlungsgrad A). Nach der ersten psychotischen Episode sollte die Erhaltungstherapie für mindestens 18 Monate fortgeführt werden.

Bei einer behandlungsresistenten Schizophrenie, die auf zwei verschiedene Antipsychotika nicht ausreichend angesprochen hat, wird der Einsatz von Clozapin empfohlen (Empfehlungsgrad B).

Psychologische Therapien

Eine kognitive Verhaltenstherapie für Psychosen (CBTp) wird für alle Personen empfohlen, deren Symptome nicht ausreichend auf Medikamente ansprechen oder die unter anhaltenden Symptomen beziehungsweise Depressionen leiden (Empfehlungsgrad A). Die Leitlinie definiert 16 geplante Sitzungen als minimale effektive Dosis.

Zudem wird eine Familienintervention für alle Betroffenen empfohlen, die in engem Kontakt mit Familienmitgliedern stehen (Empfehlungsgrad A). Diese sollte mindestens zehn Sitzungen über einen Zeitraum von drei Monaten umfassen und folgende Elemente beinhalten:

  • Kommunikationstraining

  • Problemlösungsstrategien

  • Psychoedukation

Körperliches Monitoring

Aufgrund der metabolischen Nebenwirkungen von Antipsychotika wird ein strukturiertes körperliches Monitoring empfohlen. Die Leitlinie schlägt folgendes Überwachungsschema vor:

UntersuchungVor TherapiebeginnNach 1 MonatNach 3 MonatenJährlich
BMI / Gewicht / BauchumfangJaJaJaJa
BlutdruckJaKlinisch indiziertJaJa
Blutzucker (HbA1c/nüchtern)JaKlinisch indiziertJaJa
Blutfette (Lipide)JaKlinisch indiziertJaJa

Dosierung

Die Leitlinie nennt spezifische Dosierungsbereiche für die Erhaltungstherapie bei remittierter Schizophrenie. Es wird grundsätzlich empfohlen, die niedrigste effektive Dosis zu verwenden.

MedikamentDosisIndikation
Risperidon4-6 mg/TagErhaltungstherapie bei Remission
Chlorpromazin300-400 mg/TagErhaltungstherapie bei Remission
Clozapinindividuell nach PlasmaspiegelBehandlungsresistente Schizophrenie

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät ausdrücklich vom Stillen ab, wenn Frauen mit Clozapin behandelt werden. Zudem wird vor der routinemäßigen Verordnung multipler Antipsychotika (Polypharmazie) gewarnt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie weist nachdrücklich darauf hin, dass bei Frauen mit Schizophrenie ein stark erhöhtes Rückfallrisiko in der Postpartum-Phase besteht. Zudem wird betont, dass Schwangere unter Antipsychotika-Therapie als Hochrisikogruppe für Gestationsdiabetes gelten und entsprechend überwacht werden sollten. Ein vorzeitiger Wechsel des Antipsychotikums in der Akutphase sollte vermieden werden, da eine Beurteilung der Wirksamkeit oft erst nach vier Wochen möglich ist.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine medikamentöse Erhaltungstherapie für mindestens zwei Jahre nach einer akuten Episode. Nach der allerersten psychotischen Episode wird eine Dauer von mindestens 18 Monaten angeraten.

Es wird empfohlen, Amisulprid, Olanzapin oder Risperidon als bevorzugte Medikamente in Betracht zu ziehen. Alternativ können laut Leitlinie auch Chlorpromazin oder andere niedrigpotente Antipsychotika der ersten Generation eingesetzt werden.

Eine Behandlungsresistenz liegt laut Leitlinie meist dann vor, wenn die Symptome auf zwei verschiedene Antipsychotika nicht ausreichend ansprechen. In diesem Fall wird der Einsatz von Clozapin empfohlen.

Die Leitlinie definiert 16 geplante Sitzungen als minimale effektive Dosis für eine kognitive Verhaltenstherapie bei Psychosen (CBTp). Diese sollte bei unzureichendem Ansprechen auf Medikamente oder anhaltenden Symptomen angeboten werden.

Es wird ein regelmäßiges Monitoring von Gewicht, Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten empfohlen. Die Leitlinie rät dazu, lokale Überwachungsstrukturen direkt bei Beginn der Verschreibung zu etablieren.

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Quelle: SIGN 131: Management of schizophrenia (SIGN, 2013). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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