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Malaria: Leitlinie zu Diagnostik und Therapie (RKI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Malaria tropica (P. falciparum) ist die gefährlichste Form und erfordert eine sofortige, meist stationäre Therapie.
  • Goldstandard der Diagnostik ist die mikroskopische Untersuchung (Dicker Tropfen und Blutausstrich).
  • Bei jeder unklaren fieberhaften Erkrankung nach einem Tropenaufenthalt muss differenzialdiagnostisch an Malaria gedacht werden.
  • Ein negativer Malaria-Schnelltest schließt eine Infektion nicht sicher aus.
  • Der direkte oder indirekte Erregernachweis ist namentlich meldepflichtig.
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Hintergrund

Malaria wird durch Protozoen der Gattung Plasmodium verursacht und durch den Stich der weiblichen Anopheles-Mücke übertragen. Die Erkrankung ist weltweit eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten. Die Intensität der Manifestation hängt vom Grad der Immunität ab; Nichtimmune (wie Reisende) sind am stärksten gefährdet.

Erreger und Klinik

Das klinische Bild beginnt oft uncharakteristisch mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und wird häufig als grippaler Infekt fehlinterpretiert.

ErkrankungErregerInkubationszeitFieberrhythmusBesonderheiten
Malaria tropicaP. falciparum7–15 TageunregelmäßigGefährlichste Form (Letalität bis 20% unbehandelt). Thrombopenie, ZNS-Beteiligung, Nierenversagen möglich.
Malaria tertianaP. vivax, P. ovale12–18 Tage48 StundenPlötzlicher Schüttelfrost, Fieber bis 40°C. Bildung von Hypnozoiten (Ruheformen in der Leber) möglich.
Malaria quartanaP. malariae18–40 Tage72 StundenKeine Hypnozoiten, aber Rückfälle bis zu 40 Jahre nach Erstinfektion möglich.
P.-knowlesi-MalariaP. knowlesiunbekannttäglichKommt nur in Südostasien vor (Reservoir in Affen).

Diagnostik

Bei jeder unklaren fieberhaften Erkrankung nach einem Tropenaufenthalt muss unverzüglich eine Labordiagnostik veranlasst werden. Eine regelrecht durchgeführte Prophylaxe schließt eine Malaria nicht aus!

  • Mikroskopie (Goldstandard): Untersuchung des Dicken Tropfens (Anreicherung) und dünnen Blutausstrichs (Speziesdifferenzierung). Bei negativem Befund und klinischem Verdacht täglich wiederholen.
  • Antigennachweis (Schnelltest): Sinnvolle Ergänzung, aber unzureichende Speziesdifferenzierung. Falsch negative Ergebnisse bei sehr niedriger (< 200/µl) oder sehr hoher (> 10%) Parasitämie möglich.
  • PCR & Serologie: Für die Akutdiagnostik ungeeignet.

Therapie

Die Behandlung einer Malaria tropica sollte unbedingt stationär und möglichst in einer Einrichtung mit tropenmedizinischer Erfahrung erfolgen.

FormTherapie der WahlBemerkung
Unkomplizierte M. tropicaAtovaquon+Proguanil ODER Artemether+Lumefantrin ODER Dihydroartemisinin+PiperaquinGleich gut geeignet.
Komplizierte M. tropicai.v. ArtesunatIntensivmedizinisch. Alternativ: i.v. Chinin + Doxycyclin/Clindamycin.
Malaria tertianaArtemether+Lumefantrin ODER Atovaquon+ProguanilZwingend: Anschlussbehandlung mit Primaquin zur Eradikation der Hypnozoiten (vorher G-6-PD-Mangel ausschließen!).
Malaria quartanaChloroquinKeine Primaquin-Anschlussbehandlung erforderlich.
P.-knowlesi-MalariaWie Malaria tropica-

Prävention und Meldepflicht

Die Prophylaxe stützt sich auf die Expositionsprophylaxe (Moskitonetze, Repellents, Kleidung) und je nach Reiseziel auf eine Chemoprophylaxe. Für Schwangere und Kinder gelten besondere Einschränkungen bei der Medikamentenwahl (z.B. ist Doxycyclin in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert).

Gemäß § 7 Abs. 1 IfSG ist der direkte oder indirekte Nachweis von Plasmodium spp., soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich an das Gesundheitsamt zu melden.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei klinischem Verdacht niemals auf einen einzelnen negativen Malaria-Schnelltest oder Blutausstrich. Wiederholen Sie die mikroskopische Untersuchung (Dicker Tropfen) bei anhaltendem Verdacht täglich.

Häufig gestellte Fragen

90% aller importierten Malariaerkrankungen treten innerhalb des ersten Monats nach Rückkehr aus den Tropen auf.
Nein, eine regelrecht durchgeführte Malariaprophylaxe bietet keinen absoluten Schutz und schließt eine Erkrankung nicht sicher aus.
Um die in der Leber verbleibenden Ruheformen (Hypnozoiten) von P. vivax und P. ovale zu eradizieren und späte Rückfälle zu verhindern. Vorher muss ein G-6-PD-Mangel ausgeschlossen werden.
Nein, im Anfangsstadium ist die Serologie immer negativ. Sie eignet sich nur für gutachterliche Fragen oder bei Blutspendern.

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