Reiseimpfungen: Indikationen, Dosierung & Empfehlungen
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie "International travel and health: Module 4" aus dem Jahr 2025 fasst die aktuellen Empfehlungen zu impfpräventablen Erkrankungen im Kontext von internationalen Reisen zusammen. Ziel ist es, Reisende vor Infektionen zu schützen und die grenzüberschreitende Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.
Laut Leitlinie gibt es kein einheitliches Impfschema für alle Reisenden. Die Indikationsstellung erfordert eine individuelle Risikobewertung basierend auf dem Reiseziel, der Art und Dauer der Reise sowie dem Gesundheitszustand der reisenden Person.
Es wird empfohlen, reisemedizinische Beratungen idealerweise mindestens sechs Monate vor Abreise durchzuführen. Auch bei kurzfristigen Reisen sollte eine Konsultation erfolgen, um zumindest einen partiellen Impfschutz aufzubauen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die reisemedizinische Praxis:
Allgemeine Impfprinzipien
Die Leitlinie unterteilt Impfungen für Reisende in drei Hauptkategorien:
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Routineimpfungen, die vor der Reise auf den aktuellen Stand gebracht werden sollten (z. B. Tetanus, Diphtherie, Masern)
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Reiseindizierte Impfungen, die aufgrund spezifischer Risiken im Zielland empfohlen werden (z. B. Tollwut, Typhus, Japanische Enzephalitis)
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Verpflichtende Impfungen, die für die Einreise in bestimmte Länder zwingend erforderlich sind
Verpflichtende Impfungen
Gemäß den Internationalen Gesundheitsvorschriften kann eine Gelbfieberimpfung für die Einreise in bestimmte Länder verlangt werden. Dies gilt insbesondere bei Einreise aus oder Transit durch Endemiegebiete.
Für Pilger, die zur Hajj oder Umrah nach Saudi-Arabien reisen, ist eine Impfung gegen Meningokokken (ACWY) obligatorisch. Einige poliofreie Länder verlangen zudem einen Nachweis über eine kürzlich erfolgte Polio-Impfung bei Einreise aus Endemiegebieten.
Spezielle Personengruppen
Bei Schwangeren und Stillenden wird empfohlen, den Nutzen einer Impfung gegen das potenzielle Risiko abzuwägen. Totimpfstoffe gelten laut Leitlinie im Allgemeinen als sicher, während Lebendimpfstoffe (wie Gelbfieber oder Masern) meist kontraindiziert sind.
Für ältere Reisende (ab 60 Jahren) wird eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vor der Gabe von Lebendimpfstoffen empfohlen. Dies betrifft insbesondere die Gelbfieberimpfung, da hier ein erhöhtes Risiko für schwere unerwünschte Ereignisse beschrieben wird.
Dosierung
Die Leitlinie gibt unter anderem folgende Dosierungsschemata für spezifische Reiseimpfungen an:
| Impfstoff | Dosierungsschema | Indikation / Besonderheiten |
|---|---|---|
| Gelbfieber (Lebendimpfstoff) | 1 Dosis (0,5 ml) | Bietet lebenslangen Schutz, Auffrischung nicht erforderlich |
| Tollwut (PrEP, inaktiviert) | 2 Dosen an Tag 0 und 7 (i.m. oder i.d.) | Für Reisende in Hochrisikogebiete (Level 2-4) |
| Typhus (TCV, Konjugat) | 1 Dosis (i.m.) | Für Reisende ab 6 Monaten in Endemiegebiete |
| Typhus (Ty21a, oral) | 3-4 Kapseln (jeden 2. Tag) | Auffrischung nach 1-7 Jahren empfohlen |
| Dengue (TAK-003, Lebend) | 2 Dosen im Abstand von 3 Monaten (s.c.) | Für Reisende mit dokumentierter früherer Infektion oder in Hochendemiegebiete |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende allgemeine und spezifische Kontraindikationen:
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Schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie) auf eine vorherige Dosis oder einen Impfstoffbestandteil stellen eine absolute Kontraindikation dar.
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Lebendimpfstoffe (z. B. Masern, Mumps, Röteln, Varizellen, Gelbfieber) sind bei Schwangeren und stark immunsupprimierten Personen im Allgemeinen kontraindiziert.
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Die Gelbfieberimpfung ist bei Säuglingen unter 6 Monaten, Personen mit Thymus-Erkrankungen und schwerer Immunschwäche kontraindiziert.
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Der Dengue-Impfstoff TAK-003 sollte bei Schwangeren, Stillenden und immunsupprimierten Personen vermieden werden.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Praxisaspekt der Leitlinie betrifft die Gelbfieberimpfung bei älteren Reisenden. Es wird betont, dass bei Personen ab 60 Jahren, die zuvor noch nicht gegen Gelbfieber geimpft wurden, eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte. Der Grund hierfür ist ein erhöhtes Risiko für seltene, aber potenziell lebensbedrohliche viszerotrope oder neurotrope unerwünschte Ereignisse in dieser Altersgruppe.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie bietet eine einzige Dosis des Gelbfieberimpfstoffs eine lebenslange Immunität. Ein Zertifikat über die Gelbfieberimpfung ist für die gesamte Lebensdauer der geimpften Person gültig, Auffrischungen sind nicht erforderlich.
Die Leitlinie empfiehlt für die PrEP ein zeitsparendes Schema mit zwei Dosen. Diese werden an den Tagen 0 und 7 entweder intramuskulär oder intradermal verabreicht.
Es wird empfohlen, Totimpfstoffe bei entsprechender Indikation auch in der Schwangerschaft zu verabreichen. Lebendimpfstoffe sind hingegen meist kontraindiziert, wobei bei hohem Expositionsrisiko (z. B. Gelbfieber-Endemiegebiet) eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte.
Gemäß der Leitlinie verlangt Saudi-Arabien von Pilgern einen Nachweis über eine aktuelle Impfung gegen Meningokokken mit einem quadrivalenten Impfstoff (ACWY). Zudem wird eine saisonale Influenza-Impfung dringend angeraten oder teilweise gefordert.
Die Leitlinie empfiehlt, die Beratung möglichst frühzeitig, idealerweise mindestens sechs Monate vor der Abreise, durchzuführen. Dies ermöglicht den rechtzeitigen Abschluss von mehrteiligen Impfschemata.
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Quelle: International travel and health: module 4: vaccine-preventable diseases and vaccines (WHO, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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