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Infectious Diseases Society of America (IDSA)2006InfektiologieTropical Medicine

Reisemedizin: IDSA-Leitlinie zu Prophylaxe & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Basis jeder reisemedizinischen Beratung ist eine individuelle Risikoabschätzung aus Reisenden- und Reisefaktoren.
  • Die Hepatitis-A-Impfung wird für alle Reisenden empfohlen; Auffrischungen nach der Grundimmunisierung sind nicht nötig.
  • Bei Reisediarrhö wird eine Selbsttherapie mit Loperamid und ggf. einem Fluorchinolon oder Azithromycin empfohlen.
  • Zur Malaria-Prophylaxe gehört konsequenter Mückenschutz (20-50 % DEET) sowie eine risikoadaptierte Chemoprophylaxe.
  • Bei Flügen über 6-8 Stunden sollten Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe (z.B. Hydratation, Bewegung) ergriffen werden.
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Hintergrund

Die Reisemedizin ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das sich mit der Prävention von Infektionskrankheiten, der persönlichen Sicherheit und der Vermeidung von Umweltrisiken auf Reisen befasst. Die Basis jeder reisemedizinischen Beratung ist eine individuelle Risikoabschätzung (A-II).

Präexpositionelle Risikoabschätzung

Die Beratung sollte die Gesundheit des Reisenden mit den spezifischen Reisedetails abgleichen:

Reisenden-FaktorenReise-Faktoren
Alter und GrunderkrankungenReisezeitraum und Saison
Aktuelle MedikationGenaue Reiseroute und Dauer
Bisheriger ImpfstatusGeplante Aktivitäten

Impfungen

Der Impfstatus sollte bei jeder Reisevorbereitung überprüft und aktualisiert werden.

ImpfungIndikationEmpfehlungsgrad
Standardimpfungen (Tetanus, Diphtherie, Pertussis, MMR, etc.)Routine-Update nach nationalem SchemaA-I
Hepatitis AErwägung für alle Reisenden (keine Booster nach 2-Dosen-Serie nötig)A-III (Booster-Verzicht: A-II)
GelbfieberReisen in Endemiegebiete (Afrika/Südamerika) oder bei EinreisevorschriftA-III
Spezifische Reiseimpfungen (Tollwut, FSME, Typhus, Jap. Enzephalitis)Basierend auf individueller RisikoabschätzungA-III
Meningokokken (A/C/Y/W-135)Bei Risiko oder Pflicht (z.B. Hajj/Umrah in Saudi-Arabien)Keine Angabe

Reisediarrhö

Die Reisediarrhö ist die häufigste Erkrankung bei Reisenden. Eine generelle medikamentöse Prophylaxe wird für die meisten Reisenden nicht empfohlen (A-III).

MaßnahmeEmpfehlungEvidenz
PräventionAufklärung über Nahrungsmittel- und TrinkwasserhygieneA-III
Basis-SelbsttherapieAusreichende HydratationA-I
Symptomatische TherapieLoperamid (nur wenn Fieber <38,5°C und kein makroskopisches Blut im Stuhl)A-I
Antibiotische SelbsttherapieKurzer Kurs (Einmaldosis bis 3 Tage) eines FluorchinolonsA-I
Alternative AntibioseAzithromycin (insb. bei Campylobacter-Resistenzen im Zielland)B-II
KombinationstherapieLoperamid + Antibiotikum bei mittelschwerer DiarrhöB-III

Malaria-Prophylaxe

Malaria ist eine der schwersten reiseassoziierten Infektionen. Die Prävention stützt sich auf Mückenschutz und Chemoprophylaxe.

  • Mückenschutz: Tragen schützender Kleidung, Schlafen unter Moskitonetzen (bevorzugt mit Permethrin imprägniert) (A-I).
  • Repellents: Präparate mit 20-50 % DEET bieten ausreichenden Schutz (B-II).
  • Chemoprophylaxe: Auswahl nach genauer Risikoabschätzung (Reiseroute, Plasmodium-Spezies, Resistenzen, Reisezeit).

Umwelt- und Reiserisiken

Reisende sollten über die gesundheitlichen Auswirkungen von Flügen, Höhe und Klima aufgeklärt werden.

RisikoMaßnahmeEmpfehlungsgrad
Tiefe Venenthrombose (DVT)Bei Reisen >6-8h: Keine einengende Kleidung, Wadenübungen, HydratationA-III
DVT bei Hochrisiko-PatientenUnterschenkel-Kompressionsstrümpfe ODER Niedermolekulares Heparin (NMH)Strümpfe: B-II / NMH: B-I
Höhenkrankheit (2500-3500 m)Stufenweiser Aufstieg zur AkklimatisierungKeine Angabe
Höhenkrankheit (Prophylaxe)Acetazolamid bei schnellem AufstiegB-I

Post-Reise-Betreuung

Ärzte müssen in der Lage sein, die wichtigsten Syndrome bei Reiserückkehrern (Fieber, Diarrhö, Atemwegserkrankungen, Hautausschlag) zu erkennen und entsprechend zu behandeln oder zeitnah zu überweisen (A-III).

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie Reisenden ein Notfallmedikament zur Selbsttherapie der Reisediarrhö (z.B. ein Fluorchinolon oder Azithromycin) und klären Sie über die Kontraindikationen von Loperamid (Fieber >38,5°C, blutiger Stuhl) auf.

Häufig gestellte Fragen

Nach der vollständigen 2-Dosen-Grundimmunisierung werden aktuell keine weiteren Auffrischimpfungen (Booster) empfohlen.
Repellents mit einem DEET-Anteil von 20 bis 50 % gelten als ausreichend schützend.
Mit ausreichender Hydratation, Loperamid (sofern kein hohes Fieber oder blutiger Stuhl vorliegt) und ggf. einer Kurztherapie mit einem Fluorchinolon oder Azithromycin.
Ab 6-8 Stunden Reisezeit: Bewegung der Wadenmuskulatur, lockere Kleidung und Hydratation. Bei hohem Risiko zusätzlich Kompressionsstrümpfe oder niedermolekulares Heparin.

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