Psychotherapie bei Demenz und MCI: Therapieempfehlungen
Hintergrund
Depressionen und Angstzustände treten bei Menschen mit Demenz und leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) sehr häufig auf. Pharmakologische Behandlungen sind in dieser Patientengruppe oft wenig wirksam und mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.
Daher empfehlen klinische Leitlinien in der Regel psychologische Behandlungsmaßnahmen als Therapie der ersten Wahl. Dieser Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit verschiedener psychologischer Ansätze zur Reduktion von Depressions- und Angstsymptomen.
Zu den untersuchten Interventionen gehören kognitive Verhaltenstherapien (CBT), unterstützende und beratende Gesprächstherapien sowie achtsamkeitsbasierte und interpersonelle Ansätze. Die Evidenz basiert auf 29 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 2599 Teilnehmenden.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die Evidenz zu verschiedenen psychologischen Interventionen zusammen. Die nachfolgende Tabelle vergleicht die Effekte der beiden am besten untersuchten Therapieformen im Vergleich zur Standardversorgung am Ende der Behandlung:
| Interventionstyp | Effekt auf Depression | Effekt auf Lebensqualität | Effekt auf Alltagsaktivitäten (ADL) |
|---|---|---|---|
| Kognitive Verhaltenstherapien (CBT, BA, PST) | Leichte Reduktion (moderate Evidenz) | Leichte Verbesserung (moderate Evidenz) | Leichte Verbesserung (moderate Evidenz) |
| Unterstützende und beratende Therapien | Kein Effekt (niedrige Evidenz) | Leichte Verbesserung (moderate Evidenz) | Sehr unsicher / Kein klarer Effekt |
Kognitive Verhaltenstherapien (CBT, BA, PST)
Laut Review zeigen CBT-basierte Behandlungen im Vergleich zur Standardversorgung folgende spezifische Effekte:
-
Wahrscheinliche, leichte Reduktion depressiver Symptome am Ende der Behandlung (moderate Evidenz)
-
Mögliche Erhöhung der Remissionsraten von Depressionen (niedrige Evidenz)
-
Wahrscheinliche, leichte Verbesserung der Lebensqualität und der Alltagsaktivitäten (moderate Evidenz)
Die Auswirkungen von CBT-basierten Therapien auf Angstsymptome sowie auf neuropsychiatrische Symptome sind laut den Autoren sehr unsicher.
Unterstützende und beratende Interventionen
Für unterstützende und beratende Therapien liefert der Review folgende Erkenntnisse:
-
Wahrscheinlich ein kleiner positiver Effekt auf die Lebensqualität der Betroffenen (moderate Evidenz)
-
Möglicherweise kein Effekt auf depressive Symptome am Ende der Behandlung (niedrige Evidenz)
-
Sehr unsichere Datenlage bezüglich der Auswirkungen auf Angstzustände
Weitere psychologische Ansätze
Zu achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie (MBCT) und interpersoneller Therapie (IPT) liegen nur sehr wenige Daten vor. Der Review kann aufgrund der sehr niedrigen Evidenz keine Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit dieser Interventionen ziehen.
Unerwünschte Wirkungen und Langzeiteffekte
Aufgrund mangelnder Berichterstattung in den Primärstudien können die Autoren nicht beurteilen, ob die psychologischen Behandlungen unerwünschte Wirkungen haben. Auch die Persistenz der positiven Effekte über einen längeren Zeitraum bleibt laut Review ungewiss.
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass kognitive Verhaltenstherapien bei Demenz und MCI trotz der geringen Effektstärken ermutigend sind, insbesondere da medikamentöse Therapien oft unwirksam sind und Schadenspotenzial bergen. Es wird hervorgehoben, dass die stärkste Evidenz für Menschen mit leichter Demenz im ambulanten Setting vorliegt.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass kognitive Verhaltenstherapien depressive Symptome bei Demenz und MCI wahrscheinlich leicht reduzieren. Unterstützende Gesprächstherapien haben hingegen vermutlich keinen signifikanten Effekt auf die Depression.
Laut Review verbessern sowohl CBT-basierte Ansätze als auch unterstützende und beratende Interventionen wahrscheinlich die Lebensqualität der Betroffenen. Die Evidenz für diesen positiven Effekt wird als moderat eingestuft.
Die Auswirkungen von psychologischen Behandlungen auf Angstsymptome bei Demenz und MCI sind laut Review sehr unsicher. Es gibt derzeit nicht genügend qualitativ hochwertige Evidenz, um hierzu eine verlässliche Aussage zu treffen.
Der Review stellt fest, dass Informationen zu unerwünschten Wirkungen in den eingeschlossenen Studien kaum berichtet wurden. Daher kann derzeit keine sichere Aussage über mögliche negative Effekte der psychologischen Interventionen getroffen werden.
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Quelle: Cochrane Review: Psychological treatments for depression and anxiety in dementia and mild cognitive impairment (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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