BfArM1997

Terfenadin & Astemizol: Proarrhythmische Risiken (BfArM)

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KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: BfArM (1997)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt in einer Sicherheitsinformation vor potenziell lebensbedrohlichen kardialen Nebenwirkungen der Antihistaminika Terfenadin und Astemizol. Diese Wirkstoffe der zweiten Generation werden häufig zur symptomatischen Behandlung allergischer Erkrankungen wie der Rhinokonjunktivitis eingesetzt.

Beide Substanzen zeichnen sich durch ein weitgehendes Fehlen sedierender Eigenschaften aus und sind in Deutschland im Rahmen der Selbstmedikation verfügbar. Aufgrund seltener, aber schwerwiegender kardiotoxischer Ereignisse wurde ein Stufenplanverfahren zur besseren Risikobewertung eingeleitet.

Der zugrundeliegende Mechanismus beruht auf einer Blockade myokardialer Kalium-Kanäle durch hohe Plasmakonzentrationen der Muttersubstanz. Dies führt zu Repolarisationsstörungen, die sich im EKG als QT-Zeit-Verlängerung manifestieren können.

Empfehlungen

Das BfArM formuliert klare Warnhinweise bezüglich der Anwendung von Terfenadin und Astemizol.

Kardiotoxische Risiken

Laut BfArM können beide Wirkstoffe die QT-Zeit verlängern und schwerwiegende Herzrhythmusstörungen auslösen. Zu den dokumentierten kardialen Ereignissen zählen:

  • Kammertachykardien vom Typ "Torsade de pointes"

  • Ventrikuläre Arrhythmien und Kammerflimmern

  • Synkopen und Herzstillstand

Meldepflicht und Aufklärung

Ärzte und Apotheker werden dringend gebeten, Verdachtsfälle der beschriebenen unerwünschten Wirkungen an das BfArM zu melden. Dabei sind Informationen zu bestehenden Kontraindikationen, möglichen Wechselwirkungen oder Überdosierungen von besonderem Interesse.

Zudem wird empfohlen, Anwender bei der Verordnung oder Abgabe aktiv über die bestehenden Anwendungsbeschränkungen aufzuklären.

Kontraindikationen

Das Risiko für kardiotoxische Nebenwirkungen steigt signifikant an, wenn der Metabolismus der Wirkstoffe über das Cytochrom-P-450-System (spezifisch CYP3A4) gestört ist.

Risikofaktor / InteraktionBeispiele und Erläuterungen
LeberfunktionsstörungenSchwere Einschränkungen der Leberfunktion
Bestehende QT-VerlängerungKongenitales QT-Syndrom, Hypokaliämie
Komedikation (QT-Zeit)Andere Arzneimittel, die die QT-Zeit verlängern
MakrolidantibiotikaErythromycin, Clarithromycin, Troleandomycin (CYP3A4-Hemmer)
Azol-AntimykotikaKetoconazol, Itraconazol (CYP3A4-Hemmer)

Bei Vorliegen dieser Faktoren oder bei einer Überdosierung akkumuliert die Muttersubstanz im Plasma, was die Blockade der Kalium-Kanäle begünstigt.

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💡Praxis-Tipp

Das BfArM weist darauf hin, dass die kardiotoxischen Effekte von Terfenadin und Astemizol stark von der Komedikation abhängen. Es wird betont, dass insbesondere die gleichzeitige Gabe von CYP3A4-Inhibitoren wie Makrolidantibiotika oder Azol-Antimykotika das Risiko für Torsade de pointes drastisch erhöht. Eine sorgfältige Überprüfung der Begleitmedikation ist daher vor der Abgabe unerlässlich.

Häufig gestellte Fragen

Laut BfArM blockieren hohe Plasmakonzentrationen der Muttersubstanz die myokardialen Kalium-Kanäle. Dies führt zu Repolarisationsstörungen und einer Verlängerung der QT-Zeit.

Das BfArM warnt vor der gleichzeitigen Anwendung von CYP3A4-Hemmern. Dazu zählen insbesondere Makrolidantibiotika wie Erythromycin und Azol-Antimykotika wie Ketoconazol.

Eine Überdosierung führt laut Sicherheitsinformation zu einem Anstieg der Muttersubstanz im Blut. Dies kann lebensbedrohliche Arrhythmien wie Torsade de pointes oder Kammerflimmern auslösen.

Personen mit schweren Leberfunktionsstörungen oder einer bereits bestehenden QT-Verlängerung gelten als besonders gefährdet. Auch eine bestehende Hypokaliämie stellt laut BfArM einen signifikanten Risikofaktor dar.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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