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PRISCUS 2.0 Liste: PIM im Alter (Leitlinie 2022)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf PRISCUS/FORTA - Geriatrische Arzneimitteltherapie Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die PRISCUS 2.0 Liste umfasst 177 Wirkstoffe, die für Patienten ab 65 Jahren als potenziell inadäquat (PIM) gelten.
  • PIM erhöhen das Risiko für Krankenhauseinweisungen, Stürze, Frakturen und kognitive Beeinträchtigungen.
  • Besondere Vorsicht gilt bei Multimorbidität, Polypharmazie und eingeschränkter Nierenfunktion (GFR <60).
  • Bei unvermeidbarer PIM-Gabe gelten: niedrigste wirksame Dosis, kürzestmögliche Dauer und engmaschiges Monitoring.
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Hintergrund

Die PRISCUS 2.0 Liste (2022) umfasst 177 Wirkstoffe, die bei älteren Patienten (≥65 Jahre) als potenziell inadäquate Medikation (PIM) eingestuft werden. Die Liste wurde in einem Delphi-Konsensusverfahren von einem interdisziplinären Expertengremium erstellt.

Wichtig: Die Einnahme von PIM erhöht bei Senioren signifikant das Risiko für:

  • Krankenhauseinweisungen
  • Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW)
  • Stürze und Frakturen
  • Kognitive Beeinträchtigungen

Analgetika und Antirheumatika

Besonders bei den nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und bestimmten Opioiden ist im Alter Vorsicht geboten.

WirkstoffBegründungAlternative
IndometacinHohes GI-Blutungsrisiko, ZNS-NebenwirkungenParacetamol, schwache Opioide
AcemetacinHohes GI-BlutungsrisikoParacetamol, Metamizol
KetoprofenErhöhtes GI- und kardiovaskuläres RisikoTopische NSAR, Paracetamol
PiroxicamLange HWZ, GI-BlutungenIbuprofen (niedrig dosiert, kurz)
MeloxicamErhöhtes GI-RisikoTopische NSAR
Etoricoxib >60mgKardiovaskuläres RisikoCelecoxib 200mg
PhenylbutazonAgranulozytose, GI-BlutungenVermeiden
PethidinNeurotoxischer Metabolit, KrampfanfälleMorphin, Hydromorphon
PentazocinHalluzinationen, VerwirrtheitMorphin

Psychopharmaka

Psychopharmaka bergen im Alter ein hohes Risiko für Stürze, Sedierung und anticholinerge Nebenwirkungen. Alle Benzodiazepine bergen bei einer Einnahme von >4 Wochen die Gefahr von Abhängigkeit und Stürzen.

WirkstoffklasseWirkstoff (Beispiele)BegründungAlternative
AntidepressivaAmitriptylin, Imipramin, ClomipraminStark anticholinerg, Sedierung, SturzrisikoSSRI (Sertralin, Citalopram)
AntidepressivaDoxepin >25mg, TrimipraminAnticholinerge Wirkung, stark sedierendMirtazapin, SSRI
AntipsychotikaHaloperidol >2mgExtrapyramidal, QT-VerlängerungRisperidon ≤2mg, Quetiapin
AntipsychotikaOlanzapin >10mgMetabolisches Risiko, SedierungQuetiapin, Aripiprazol
BenzodiazepineDiazepam, Flurazepam, Nitrazepam(Sehr) lange HWZ, Akkumulation, HangoverLorazepam, Oxazepam (kurzzeitig)
Z-SubstanzenZolpidem >5mg, Zopiclon >3.75mgSturzrisiko, VerwirrtheitMax. Dosis beachten, kurzzeitig

Kardiovaskuläre Medikamente

WirkstoffBegründungAlternative
Clonidin, MethyldopaOrthostatische Hypotonie, ZNS-Effekte, SedierungACE-Hemmer, ARB, Kalziumantagonisten
Doxazosin, PrazosinHypotonie, StürzeTamsulosin (bei BPH), andere Antihypertensiva
Nifedipin unretardiertReflextachykardie, HypotonieRetardierte Kalziumantagonisten
Sotalol, Flecainid, PropafenonProarrhythmogen, QT-VerlängerungBetablocker ohne Klasse-III-Wirkung, Amiodaron
Digoxin >0.125mg/TagIntoxikation, enge therapeutische BreiteMax. 0.125mg, Spiegelkontrolle

Anticholinergika und Gastrointestinaltrakt

Indikation / WirkstoffBegründungAlternative
Oxybutynin (Urologikum)Stark anticholinerg, kognitive StörungenTrospiumchlorid, Mirabegron
Diphenhydramin, DimenhydrinatStark anticholinerg, sedierendCetirizin, Loratadin, Domperidon
Metoclopramid >3x10mgExtrapyramidal, SpätdyskinesienDomperidon (max. 30mg/Tag, kurz)
PPI >8 WochenB12-Mangel, Frakturen, InfektionenNiedrigste wirksame Dosis, ausschleichen

Antidiabetika und Weitere Wirkstoffe

WirkstoffBegründungAlternative
GlibenclamidLange HWZ, schwere HypoglykämienGliclazid, DPP-4-Hemmer
Glimepirid >2mgHypoglykämierisikoNiedrigere Dosis, DPP-4-Hemmer
PioglitazonHerzinsuffizienz, FrakturenMetformin, DPP-4-Hemmer
Baclofen, TizanidinSedierung, Verwirrtheit, HypotoniePhysiotherapie
Nitrofurantoin (bei GFR <60)Unwirksam, NeuropathieFosfomycin, Pivmecillinam

Anwendungshinweise und Risikogruppen

Besondere Vorsicht und eine kritische Indikationsprüfung sind bei folgenden Risikogruppen geboten:

  • Multimorbidität (≥3 Erkrankungen)
  • Polypharmazie (≥5 Medikamente)
  • Eingeschränkte Nierenfunktion (GFR <60)
  • Kognitive Einschränkung
  • Sturzanamnese

Regeln bei unvermeidbarer Anwendung von PIM:

  1. Niedrigste wirksame Dosis wählen
  2. Kürzestmögliche Therapiedauer anstreben
  3. Engmaschiges Monitoring durchführen
  4. Interaktionen prüfen
  5. Nierenfunktion berücksichtigen

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie bei älteren Patienten mit Sturzanamnese oder kognitiven Einschränkungen gezielt die Medikation auf anticholinerge Substanzen (z.B. Amitriptylin, Dimenhydrinat) und langwirksame Benzodiazepine. Setzen Sie diese wenn möglich ab oder stellen Sie auf empfohlene Alternativen um.

Häufig gestellte Fragen

Die PRISCUS 2.0 Liste gilt für ältere Patienten ab einem Alter von 65 Jahren.
NSAR wie Indometacin, Acemetacin und Piroxicam sowie die Opioide Pethidin und Pentazocin gelten als potenziell inadäquat. Paracetamol oder topische NSAR werden oft als Alternative empfohlen.
Amitriptylin wirkt stark anticholinerg, führt zu Sedierung und erhöht das Sturzrisiko erheblich. Als Alternativen werden SSRI wie Sertralin oder Citalopram empfohlen.
Zu den Hauptrisikogruppen zählen Patienten mit Multimorbidität (≥3 Erkrankungen), Polypharmazie (≥5 Medikamente), eingeschränkter Nierenfunktion (GFR <60), kognitiven Einschränkungen oder einer Sturzanamnese.
PPI sollten ohne zwingende Indikation nicht länger als 8 Wochen verabreicht werden, da sie das Risiko für B12-Mangel, Frakturen und Infektionen erhöhen.

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