Präventive Chemotherapie (NTDs): Dosierung & Indikation
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie von 2012 definiert die präventive Chemotherapie (PC) als einmalige Verabreichung qualitätsgesicherter Medikamente. Dies dient als Public-Health-Instrument gegen ausgewählte vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs).
Zu den primären Zielerkrankungen gehören die lymphatische Filariose, Onchozerkose, bodenübertragene Helminthiosen und Schistosomiasis. Das Hauptziel ist die Morbiditätskontrolle in Risikopopulationen und die schrittweise Elimination dieser Erkrankungen.
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer integrierten und koordinierten Bereitstellung der Medikamente. Dadurch sollen Programmeffizienzen maximiert und das Risiko von Arzneimittelresistenzen minimiert werden.
Empfehlungen
Indikationsstellung und Schwellenwerte
Laut Leitlinie richtet sich die Frequenz der präventiven Chemotherapie nach der Prävalenz der jeweiligen Infektion im Implementierungsgebiet. Es wird empfohlen, die Risikostufe anhand einer Stichprobenpopulation zu ermitteln.
Für die einzelnen Erkrankungen definiert die Leitlinie folgende Interventionsschwellen:
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Bei lymphatischer Filariose (Prävalenz >1 %) wird eine jährliche Behandlung der Gesamtpopulation empfohlen.
-
Bei Onchozerkose (Prävalenz >40 % oder >20 % tastbare Knoten) ist ebenfalls eine jährliche Therapie der Gesamtpopulation indiziert.
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Bei bodenübertragenen Helminthiosen (STH) mit einer Prävalenz über 50 % wird eine zweimal jährliche Behandlung von Vorschul- und Schulkindern empfohlen.
Beantragung und Dokumentation
Die Leitlinie beschreibt die Nutzung des "Joint Application Package" für die Beantragung von Medikamenten. Es wird darauf hingewiesen, dass die Anträge bis zum 15. August des Vorjahres der geplanten Implementierung eingereicht werden müssen.
Das Paket umfasst laut WHO drei Hauptkomponenten:
-
Das "Joint Request for Selected PC Medicines" (JRSM) zur Beantragung der benötigten Tablettenmengen.
-
Das "Joint Reporting Form" (JRF) zur Dokumentation der im Vorjahr durchgeführten Interventionen.
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Einen detaillierten jährlichen Arbeitsplan (Annual Work Plan).
Integrierte Therapieansätze
Es wird empfohlen, bei Koendemie mehrerer Erkrankungen eine koordinierte Beschaffung und Verabreichung der Medikamente durchzuführen. Die Leitlinie hebt hervor, dass viele der eingesetzten Anthelminthika ein breites Wirkspektrum aufweisen.
Dadurch können laut Leitlinie mehrere Krankheiten gleichzeitig behandelt werden. Die Auswahl der Medikamentenkombinationen richtet sich dabei nach dem spezifischen Endemie-Status der jeweiligen Region.
Dosierung
Die Leitlinie gibt folgende durchschnittliche Tablettenmengen für die Kalkulation der präventiven Chemotherapie an:
| Medikament | Wirkstoffgehalt | Durchschnittliche Tablettenanzahl pro Person | Zielgruppe/Indikation |
|---|---|---|---|
| Ivermectin | 3 mg | 2,8 | Onchozerkose, lymphatische Filariose |
| Albendazol | 400 mg | 1,0 | Lymphatische Filariose, STH |
| Mebendazol | 500 mg | 1,0 | STH |
| Diethylcarbamazin (DEC) | 100 mg | 2,5 | Lymphatische Filariose |
| Praziquantel | 600 mg | 2,5 (Schulkinder) bis 3,0 (Erwachsene) | Schistosomiasis |
Es wird darauf hingewiesen, dass Diethylcarbamazin (DEC) in Gebieten, in denen die Onchozerkose endemisch ist, nicht verabreicht werden darf. In diesen Fällen wird stattdessen Ivermectin empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert eine klare Kontraindikation für den Einsatz von Diethylcarbamazin (DEC) in bestimmten Regionen. Es wird betont, dass DEC nicht in Ländern oder Gebieten verabreicht werden darf, in denen die Onchozerkose (Flussblindheit) endemisch ist.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist nachdrücklich auf die strikte Einhaltung der Fristen für die Medikamentenbestellung hin. Es wird betont, dass Anträge zwingend bis zum 15. August des Vorjahres eingereicht werden müssen, da die Produktion und Lieferung der Medikamente bis zu acht Monate in Anspruch nehmen kann. Eine verspätete Einreichung gefährdet laut WHO die rechtzeitige Durchführung der geplanten Massenbehandlungen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie vermittelt die WHO Spenden für Diethylcarbamazin, Albendazol, Mebendazol und Praziquantel. Zusätzlich wird in Zusammenarbeit mit Partnern Ivermectin für entsprechende Eliminierungsprogramme bereitgestellt.
Die Leitlinie empfiehlt bei einer Prävalenz von über 50 % eine jährliche Behandlung von Schulkindern und Risikogruppen unter den Erwachsenen. Liegt die Prävalenz zwischen 10 % und 50 %, wird eine Behandlung alle zwei Jahre als ausreichend erachtet.
Gemäß der WHO-Leitlinie richtet sich die präventive Chemotherapie bei STH primär an Vorschulkinder (1-4 Jahre) und Schulkinder (5-14 Jahre). Bei einer Prävalenz von über 50 % wird für diese Gruppen eine zweimal jährliche Behandlung empfohlen.
Die Leitlinie warnt davor, Diethylcarbamazin in Gebieten einzusetzen, in denen Onchozerkose endemisch ist. In solchen koendemischen Gebieten wird stattdessen die Kombination aus Ivermectin und Albendazol empfohlen.
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Quelle: Joint request for selected preventive chemotherapy medicines and joint reporting form: a user guide (WHO, 2012). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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