Schistosomiasis & STH: WHO-Leitlinie 2024
📋Auf einen Blick
- •Das Hauptziel bis 2030 ist die Elimination als oeffentliches Gesundheitsproblem (EPHP).
- •EPHP-Kriterien: < 2 % Praevalenz mittelschwerer/schwerer STH-Infektionen und < 1 % schwerer SCH-Infektionen.
- •Die medikamentoese Praeventivtherapie (PC) erfolgt mit Benzimidazolen (STH) und Praziquantel (SCH).
- •Die Behandlungsfrequenz richtet sich nach der Basis-Praevalenz (z. B. PC 1-2x jaehrlich ab 20 % STH- bzw. 10 % SCH-Praevalenz).
- •WASH-Interventionen und Schneckenkontrolle sind essenziell fuer die langfristige Unterbrechung der Transmission.
Hintergrund
Die Infektionen mit bodenuebertragenen Helminthen (STH) und Schistosomen (SCH) verursachen weltweit erhebliche Morbiditaet. Das Hauptziel der WHO-Roadmap bis 2030 ist die Elimination dieser Erkrankungen als oeffentliches Gesundheitsproblem (EPHP).
| Erkrankung | Erreger | Hauptsymptome / Morbiditaet |
|---|---|---|
| STH | Ascaris lumbricoides, Trichuris trichiura, Hakenwuermer | Anaemie, Mangelernaehrung, Wachstumsstoerungen, kognitive Beeintraechtigungen |
| SCH | Schistosoma haematobium, S. mansoni, S. japonicum | Haematurie, genitale Schistosomiasis, Leberfibrose, portale Hypertension |
Risikogruppen
Die hoechste Morbiditaet weisen folgende Zielgruppen auf, die im Fokus der Praeventivtherapie (PC) stehen:
- Vorschulkinder (2-4 Jahre)
- Schulkinder (5-14 Jahre)
- Frauen im reproduktiven Alter (15-49 Jahre)
- Berufsgruppen mit hohem Expositionsrisiko (z. B. Fischer, Landwirte, Minenarbeiter)
Diagnostik und Infektionsintensitaet
Die Standarddiagnostik erfolgt mikroskopisch mittels Kato-Katz-Technik (Stuhl) fuer STH und intestinale SCH sowie Urinfiltration fuer urogenitale SCH. Die Morbiditaet korreliert stark mit der Wurmlast.
| Spezies | Leichte Infektion | Mittelschwere Infektion | Schwere Infektion |
|---|---|---|---|
| Ascaris lumbricoides | 1-4.999 epg | 5.000-49.999 epg | >= 50.000 epg |
| Trichuris trichiura | 1-999 epg | 1.000-9.999 epg | >= 10.000 epg |
| Hakenwuermer | 1-1.999 epg | 2.000-3.999 epg | >= 4.000 epg |
| S. mansoni / S. japonicum | 1-99 epg | 100-399 epg | >= 400 epg |
| S. haematobium | 1-49 Eier/10 ml Urin | N/A | >= 50 Eier/10 ml Urin |
(epg = Eier pro Gramm Stuhl)
Therapie und Schwellenwerte (Baseline)
Die medikamentoese Kontrolle basiert auf der Massenverabreichung (PC) von Benzimidazolen (Albendazol/Mebendazol) fuer STH und Praziquantel fuer SCH. Die Frequenz richtet sich nach der initialen Praevalenz:
| Erkrankung | Praevalenz < 10 % | Praevalenz 10-19 % | Praevalenz 20-49 % | Praevalenz >= 50 % |
|---|---|---|---|---|
| STH | Keine PC | Keine PC | PC 1x jaehrlich | PC 2x jaehrlich |
| SCH | Keine PC | PC 1x jaehrlich | PC 1x jaehrlich | PC 1x jaehrlich (ggf. 2x) |
Kernaussagen zur Therapie:
- Bei STH werden nur die Risikogruppen behandelt, um Resistenzen zu vermeiden.
- Bei SCH muss die gesamte Bevoelkerung (ab 2 Jahren) behandelt werden.
- Eine effektive Therapieabdeckung (Coverage) liegt bei >= 75 % der Zielpopulation.
Monitoring und Evaluation
Ein Impact-Assessment sollte typischerweise nach 5 Jahren regelmaessiger Praeventivtherapie erfolgen (bei SCH-Hotspots bereits nach 2 Jahren).
- Zeitpunkt: Das Assessment muss unmittelbar vor der naechsten geplanten Medikamentenausgabe stattfinden, um die maximale Reinfektionsrate zu erfassen.
- EPHP-Ziele: Das Programm gilt als erfolgreich, wenn die Praevalenz mittelschwerer/schwerer STH-Infektionen auf < 2 % und schwerer SCH-Infektionen auf < 1 % gesenkt wurde.
- Begleitmassnahmen: Langfristige Erfolge erfordern zwingend sektoruebergreifende Ansaetze wie WASH (Wasser, Sanitaerversorgung, Hygiene), Schneckenkontrolle und One-Health-Konzepte.
💡Praxis-Tipp
Fuehren Sie Impact-Assessments idealerweise unmittelbar vor der naechsten geplanten Medikamentenausgabe durch, um den maximalen Reinfektionsgrad und den wahren Programmeffekt zu messen.