ClariMedClariMed
WHO2025

Lepra-Management-System (DHIS2): WHO-Leitlinie 2025

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das DHIS2-System ermöglicht die fallbasierte digitale Erfassung, Kontaktverfolgung und das Management von Lepra-Patienten.
  • Lepra-Fälle werden klinisch in Paucibazillär (PB) und Multibazillär (MB) klassifiziert.
  • Die Beurteilung der Nervenfunktion und die Berechnung des EHF-Scores (Eye-Hand-Foot) sind zentrale Bestandteile der Verlaufsbeobachtung.
  • Enge Kontaktpersonen ohne Kontraindikationen können eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) mit Single-Dose-Rifampicin erhalten.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das Global Leprosy Programme (GLP) der WHO hat ein fallbasiertes Management-System auf Basis von DHIS2 eingeführt. Ziel ist die effektive Überwachung und Kontrolle von Lepra (Morbus Hansen) durch einen strukturierten Ansatz, der Geolokalisation, Fallmanagement, Kontaktverfolgung und die Überwachung von Behandlungsabbrüchen oder unerwünschten Ereignissen umfasst.

Klinische Klassifikation

Die Einteilung der Lepra-Fälle erfolgt anhand der Läsionen, der Nervenbeteiligung und des bakteriologischen Befunds:

KlassifikationKriterien
Paucibazillär (PB)1 bis 5 Hautläsionen und kein Nachweis von Bazillen im Hautabstrich.
Multibazillär (MB)>5 Hautläsionen oder Nervenbeteiligung (reine Neuritis oder Hautläsionen plus Neuritis) oder positiver Nachweis von Bazillen im Hautabstrich (unabhängig von der Anzahl der Läsionen).

Diagnostik und Beurteilung von Behinderungen

Die Diagnostik stützt sich auf Anamnese, klinische Untersuchung, Spalthautabstrich (Slit Skin Smear) und Hautbiopsien. Ein zentraler Bestandteil ist die Nervenfunktionsprüfung zur Ermittlung des EHF-Scores (Eye-Hand-Foot) und des WHO-Behinderungsgrades.

WHO-BehinderungsgradDefinition (Augen, Hände, Füße)
Grad 0Keine sichtbaren Deformitäten oder Schäden, keine schwere Sehbehinderung.
Grad 1Sensibilitätsverlust, aber keine sichtbaren Deformitäten.
Grad 2 (Hände/Füße)Sichtbare Deformität oder Schädigung vorhanden.
Grad 2 (Augen)Schwere Sehbehinderung (Visus < 6/60; Fingerzählen auf 6 Meter nicht möglich), Lagophthalmus, Iridozyklitis, Hornhauttrübungen.

Therapie und Reaktionsmanagement

Die Behandlung erfolgt primär durch eine Multidrug-Therapie (MDT). Bei PB-Fällen umfasst ein vollständiger Kurs 6 Dosen innerhalb von 9 Monaten, bei MB-Fällen 12 Dosen innerhalb von 18 Monaten.

Im Verlauf können Lepra-Reaktionen (Typ 1 / Reversal-Reaktion, Typ 2 / Erythema nodosum leprosum, Neuritis) auftreten. Zur medikamentösen Behandlung dieser Reaktionen werden eingesetzt:

  • Prednisolon
  • Clofazimin
  • Thalidomid

Kontaktverfolgung und Postexpositionsprophylaxe (PEP)

Kontaktpersonen sind definiert als Personen, die sich über einen längeren Zeitraum in unmittelbarer Nähe eines unbehandelten Lepra-Patienten (Indexfall) aufhalten (typischerweise ≥ 20 Stunden pro Woche für mindestens 3 Monate im Jahr).

Enge Kontaktpersonen (> 2 Jahre alt) sind für eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) mit Single-Dose-Rifampicin (SDR) qualifiziert, sofern keine Ausschlusskriterien vorliegen.

Ausschlusskriterien für PEP (SDR)
Mögliche Anzeichen/Symptome von Lepra
Mögliche Anzeichen/Symptome oder bestätigte Tuberkulose (TB)
Anamnese von Leber- oder Nierenerkrankungen
Schwangerschaft (SDR kann nach der Entbindung gegeben werden)
Rifampicin-Einnahme in den letzten 2 Jahren (z.B. wegen TB, Lepra oder als Prophylaxe)
Bekannte Allergie gegen Rifampicin
Weigerung, SDR einzunehmen

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jedem Follow-up-Termin eine Nervenfunktionsprüfung durch und dokumentieren Sie den WHO-Behinderungsgrad (Grad 0-2) für Augen, Hände und Füße, um den EHF-Score präzise zu berechnen. Prüfen Sie enge Kontaktpersonen systematisch auf PEP-Ausschlusskriterien wie eine Rifampicin-Gabe in den letzten zwei Jahren.

Häufig gestellte Fragen

Ein MB-Fall liegt vor bei >5 Hautläsionen, bei Nervenbeteiligung (Neuritis) oder wenn im Spalthautabstrich Bazillen nachgewiesen werden.
Bei Paucibazillären (PB) Fällen nach 6 MDT-Dosen innerhalb von 9 Monaten. Bei Multibazillären (MB) Fällen nach 12 MDT-Dosen innerhalb von 18 Monaten.
Personen über 2 Jahre, die sich über mindestens 3 Monate für 20 Stunden oder mehr pro Woche in der Nähe eines unbehandelten Indexfalls aufgehalten haben.
Zu den Ausschlusskriterien zählen unter anderem Schwangerschaft, Leber-/Nierenerkrankungen, Verdacht auf Tuberkulose oder Lepra sowie eine Rifampicin-Einnahme in den letzten zwei Jahren.

Verwandte Leitlinien