Peritonealdialyse vs. Hämodialyse: Mortalität & Evidenz
Hintergrund
Chronisches Nierenversagen erfordert eine Nierenersatztherapie, um das Überleben der Betroffenen zu sichern. Zu den etablierten Verfahren gehören die Peritonealdialyse (PD) und die Hämodialyse (HD).
Die Wahl des optimalen Dialyseverfahrens ist eine zentrale klinische Entscheidung. Bisherige Daten stützen sich jedoch überwiegend auf Beobachtungsstudien, was die Beurteilung von Vor- und Nachteilen erschwert.
Dieser Artikel fasst die Ergebnisse eines aktuellen Cochrane Reviews (2024) zusammen. Die Meta-Analyse untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit beider Verfahren bei Personen, die eine Langzeitdialyse beginnen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review wertete Daten aus 84 Studien aus, darunter überwiegend Beobachtungsstudien und lediglich zwei randomisierte kontrollierte Studien (RCTs). Die Autoren formulieren basierend auf der Evidenzlage folgende Kernaussagen:
Restnierenfunktion (RKF)
Der Erhalt der Restnierenfunktion ist ein wichtiger Prognosefaktor bei der Dialyse. Laut Review hat die PD im Vergleich zur HD einen ungewissen Effekt auf die Restnierenfunktion nach 6, 12 und 24 Monaten (sehr niedrige Evidenz).
Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die PD das Risiko für einen vollständigen Verlust der Restnierenfunktion senken könnte (RR 0.55, niedrige Evidenz).
Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse
Die Meta-Analyse zeigt für Erwachsene überwiegend unsichere Effekte bezüglich der Sterblichkeit.
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Der Effekt auf die Gesamtmortalität ist in der Gesamtschau aller Studien ungewiss (sehr niedrige Evidenz).
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In einer Subgruppenanalyse der zwei RCTs zeigte sich, dass PD das Risiko für die Gesamtmortalität möglicherweise senkt (RR 0.53, moderate Evidenz).
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Für kardiovaskuläre und infektionsbedingte Todesfälle bleibt der Effekt ungewiss.
Auch bei Kindern gibt es laut Review kaum oder keine Unterschiede zwischen HD und PD hinsichtlich der Gesamt- und kardiovaskulären Mortalität.
Infektionen und Hospitalisierung
Bezüglich des Risikos für Bakteriämien und Blutstrominfektionen liefert der Review gemischte Ergebnisse.
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Der Effekt auf die Anzahl der betroffenen Personen ist ungewiss.
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Die PD reduziert möglicherweise die absolute Anzahl der Bakteriämie-Episoden (RR 0.44, niedrige Evidenz).
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Die Auswirkungen auf allgemeine Hospitalisierungsraten bleiben unklar.
Übersicht der klinischen Endpunkte
Die folgende Tabelle fasst die Vergleiche der Endpunkte (PD vs. HD) zusammen:
| Endpunkt | Effekt der Peritonealdialyse (vs. Hämodialyse) | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Verlust der Restnierenfunktion | Mögliche Risikoreduktion (RR 0.55) | Niedrig |
| Gesamtmortalität (alle Studien) | Ungewisser Effekt | Sehr niedrig |
| Gesamtmortalität (nur RCTs) | Mögliche Risikoreduktion (RR 0.53) | Moderat |
| Bakteriämie-Episoden | Mögliche Risikoreduktion (RR 0.44) | Niedrig |
| Kardiovaskuläre Ereignisse | Ungewisser Effekt | Sehr niedrig bis niedrig |
Klinische Entscheidungsfindung
Aufgrund der insgesamt niedrigen bis sehr niedrigen Evidenzqualität betonen die Autoren die Wichtigkeit einer individuellen Therapieentscheidung.
Es wird geschlussfolgert, dass die Wahl des Dialyseverfahrens in einem Prozess der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision-Making) erfolgen sollte. Dabei sind spezifische klinische und soziale Faktoren sowie die Präferenzen der Betroffenen maßgeblich zu berücksichtigen.
💡Praxis-Tipp
Da die aktuelle Studienlage keine eindeutige Überlegenheit eines Dialyseverfahrens belegt, unterstreicht der Review die Bedeutung des Shared Decision-Making. Die Leitlinienautoren betonen, dass die Wahl zwischen Peritonealdialyse und Hämodialyse primär an den individuellen Lebensumständen, den Therapiezielen und den Präferenzen der Betroffenen ausgerichtet werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist der Effekt der Peritonealdialyse auf die Restnierenfunktion im Vergleich zur Hämodialyse nach 12 bis 24 Monaten ungewiss. Es gibt jedoch Hinweise von niedriger Evidenz, dass die Peritonealdialyse das Risiko für einen kompletten Verlust der Restnierenfunktion senken könnte.
Die Meta-Analyse zeigt in der Gesamtschau aller Beobachtungsstudien einen ungewissen Effekt auf die Gesamtmortalität. Werden jedoch ausschließlich randomisierte kontrollierte Studien betrachtet, senkt die Peritonealdialyse möglicherweise das Sterblichkeitsrisiko (moderate Evidenz).
Der Review liefert hierzu keine eindeutigen Ergebnisse bezüglich der Anzahl betroffener Personen. Es wird jedoch berichtet, dass die Peritonealdialyse die absolute Anzahl von Bakteriämie-Episoden im Vergleich zur Hämodialyse möglicherweise reduziert.
Die Autoren des Reviews schlussfolgern, dass die Wahl stark individualisiert erfolgen sollte. Es wird ein Prozess der gemeinsamen Entscheidungsfindung empfohlen, der klinische Parameter, soziale Aspekte und persönliche Präferenzen einbezieht.
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Quelle: Cochrane Review: Peritoneal dialysis versus haemodialysis for people commencing dialysis (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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