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Spondylodiszitis: Diagnostik & Therapie (AWMF-Leitlinie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die MRT der gesamten Wirbelsäule mit Kontrastmittel ist der Goldstandard in der bildgebenden Diagnostik.
  • Zur Basis-Labordiagnostik gehören CRP und Leukozyten. Die Bestimmung der BSG ist unspezifisch und soll nicht mehr angewendet werden.
  • Vor Beginn einer Antibiose sollen mindestens drei Blutkulturpaare abgenommen werden, auch bei afebrilen Patienten.
  • Bei Nachweis grampositiver Erreger (z.B. S. aureus) ist eine Echokardiographie zum Ausschluss einer Endokarditis obligat.
  • Operationsindikationen umfassen Sepsis, neurologische Defizite, intraspinale Empyeme und ausgeprägte Instabilitäten.
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Hintergrund

Die Spondylodiszitis ist eine Osteomyelitis der Wirbelsäule, definiert als Infektion der Bandscheibe und der angrenzenden Endplatten. Unbehandelt führt sie zur Destruktion des betroffenen Segmentes. Man unterscheidet unspezifische (pyogene) von spezifischen (z.B. Tuberkulose, Brucellose, Pilze) Formen. Am häufigsten ist die Lendenwirbelsäule (59 %) betroffen, gefolgt von der Brust- (30 %) und Halswirbelsäule (11 %).

ErregerTypische Infektionsroute
S. aureusHämatogen (häufigster Erreger)
Koagulasenegative StaphylokokkenHämatogen (Fremdmaterial), direkte Inokulation (postoperativ)
Enterobacterales (z.B. E. coli)Hämatogen (oft via Harnwegsinfekt)
Cutibacterium acnesDirekte Inokulation (postoperativ)

Klinische Präsentation

Die Symptomatik ist oft unspezifisch. Führend sind lokale Schmerzen (Ruhe- und Nachtschmerz). Fieber fehlt häufig. Zur Erfassung der Schmerzintensität soll die NRS (0-10) dokumentiert werden. Ein ausführlicher neurologischer Status ist zwingend erforderlich und im stationären Verlauf mindestens einmal täglich zu erheben.

Diagnostik

Labor und Erregernachweis

  • Basisdiagnostik: Erfassung von CRP und Leukozytenzahl. Die Bestimmung der BSG soll nicht angewendet werden.
  • Blutkulturen: Zum Erregernachweis sollen innerhalb von 24 Stunden mindestens 3 Blutkulturpaare (aerob/anaerob) abgenommen werden – auch bei afebrilen und antibiotisch anbehandelten Patienten.
  • Biopsie: Bei negativen Blutkulturen soll eine Biopsie (CT-gestützt oder offen) aus der Bandscheibe und den lytisch destruierten Endplatten erfolgen.
  • Fokussuche: Bei grampositiver Blutstrominfektion (z.B. S. aureus, Streptokokken) soll eine Echokardiographie durchgeführt werden, um eine Endokarditis auszuschließen.

Bildgebung

VerfahrenStellenwert und Empfehlung
MRTGoldstandard. Soll mit Kontrastmittel erfolgen. Die gesamte spinale Achse sollte zur Fokussuche dargestellt werden.
RöntgenBasisbefund (in 2 Ebenen im Stand). Zur alleinigen Diagnosestellung unzureichend.
CTZur präoperativen Planung oder als Alternative bei MRT-Kontraindikationen.
PET/CTErgänzendes Verfahren, wenn die MRT inkonklusiv oder kontraindiziert ist.

In der MRT lassen sich unspezifische und spezifische Formen oft differenzieren:

KriteriumUnspezifische SpondylodiszitisSpezifische Spondylodiszitis
DestruktionBandscheibe im VordergrundWirbelkörper im Vordergrund
KM-AufnahmeHomogen im WirbelkörperHeterogen im Wirbelkörper
Paraspinale AusdehnungUnscharf begrenztScharf begrenzt

Therapie

Die Therapieziele umfassen Infektionssanierung, Schmerzreduktion und den Erhalt der Stabilität. Eine empirische Antibiose sollte idealerweise erst nach der Materialgewinnung (Blutkultur/Biopsie) starten.

Konservative Therapie

Indiziert bei milder Symptomatik, fehlenden neurologischen Defiziten, geringer knöcherner Destruktion und wenn der Allgemeinzustand des Patienten keine Operation zulässt.

Operative Therapie

Eine operative Intervention ist indiziert bei:

  • Sepsis und Präsepsis
  • Relevanten neurologischen Defiziten
  • Intraspinalem Empyem
  • Ventralem, paravertebralem Abszess > 2,5 cm
  • Therapieversagen der konservativen Behandlung
  • Progressiven Instabilitäten und Deformitäten

Kriterien für eine stabilisierende Operation:

  • Segmentale Kyphosierung > 15°
  • Wirbelkörperkollaps > 50 %
  • Translation > 5 mm

Bei Vorliegen eines gravierenden neurologischen Ausfalls soll notfallmäßig eine MRT erfolgen und der Patient in ein spezialisiertes Zentrum verlegt werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf die Bestimmung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) – sie bietet keinen diagnostischen Mehrwert. Nehmen Sie stattdessen immer mindestens drei Blutkulturpaare vor Beginn der Antibiose ab, auch wenn der Patient fieberfrei ist.

Häufig gestellte Fragen

Die MRT der gesamten Wirbelsäule mit Kontrastmittel ist der Goldstandard. Röntgenaufnahmen reichen zur Diagnosestellung nicht aus.
Bei Sepsis, neurologischen Defiziten, intraspinalem Empyem, großen ventralen Abszessen (> 2,5 cm), Therapieversagen oder progressiver Instabilität (z.B. Kyphosierung > 15°).
CRP und Leukozytenzahl. Die Bestimmung der BSG wird in der Leitlinie explizit nicht mehr empfohlen.
Bei grampositiven Erregern (wie S. aureus oder Streptokokken) besteht ein hohes Risiko für eine begleitende Endokarditis, die als primärer Fokus ausgeschlossen werden muss.
Es sollen innerhalb von 24 Stunden mindestens 3 Blutkulturpaare (aerob/anaerob) abgenommen werden, idealerweise vor Beginn einer Antibiotikatherapie.

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