PCOS: Letrozol zur Ovulationsinduktion und Therapie
Hintergrund
Das polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS) ist die häufigste Ursache für unregelmäßige oder fehlende Monatsblutungen. Es betrifft weltweit etwa 5 bis 20 % der Frauen im gebärfähigen Alter und führt häufig zu einer verminderten Fruchtbarkeit durch das Ausbleiben des Eisprungs.
Zur Behandlung der anovulatorischen Infertilität bei PCOS werden traditionell selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs) wie Clomifencitrat eingesetzt. Seit 2001 werden zunehmend Aromatasehemmer wie Letrozol zur Ovulationsinduktion verwendet.
Ein aktueller systematischer Cochrane Review (2022) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Letrozol im Vergleich zu anderen Behandlungen. Der Fokus liegt dabei auf der Ovulationsinduktion mit anschließendem zeitlich geplantem Geschlechtsverkehr oder intrauteriner Insemination.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse von 41 randomisierten kontrollierten Studien folgende Kernaussagen:
Letrozol im Vergleich zu SERMs (Clomifen)
Die Auswertung zeigt, dass Letrozol im Vergleich zu SERMs (mit oder ohne Zusatztherapien) signifikante Vorteile bei der Ovulationsinduktion bietet.
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Die Lebendgeburtenrate ist unter Letrozol signifikant höher (hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
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Die klinische Schwangerschaftsrate wird durch Letrozol ebenfalls signifikant verbessert (hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
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Die Rate an Fehlgeburten pro Schwangerschaft unterscheidet sich nicht signifikant zwischen den Gruppen.
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Die Rate an Mehrlingsschwangerschaften ist unter Letrozol und SERMs vergleichbar gering.
Sicherheit und ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS)
Das ovarielle Hyperstimulationssyndrom ist eine seltene, aber ernsthafte Komplikation der hormonellen Stimulation.
Laut Review gibt es hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, dass die OHSS-Raten bei der Verwendung von Letrozol und SERMs ähnlich niedrig sind. In beiden Gruppen lag das Risiko bei etwa 0,5 %.
Letrozol im Vergleich zum laparoskopischen ovariellen Drilling (LOD)
Der Review vergleicht Letrozol auch mit dem chirurgischen Verfahren des laparoskopischen ovariellen Drillings.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Lebendgeburtenrate unter Letrozol höher sein könnte als nach einem LOD (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Bezüglich der Schwangerschafts- und Fehlgeburtenraten bleibt die Evidenz aufgrund der geringen Studienqualität ungewiss.
Dosierung
Der Review beschreibt folgende in den Studien verwendete Dosierungsschemata zur Ovulationsinduktion:
| Wirkstoff | Dosierung | Anwendungsdauer | Indikation |
|---|---|---|---|
| Letrozol (Aromatasehemmer) | 2,5 - 7,5 mg/Tag | 5 Tage (meist ab Zyklustag 3) | Ovulationsinduktion bei PCOS |
| Clomifencitrat (SERM) | 50 - 150 mg/Tag | 5 Tage (meist ab Zyklustag 3) | Ovulationsinduktion bei PCOS |
Kontraindikationen
Der Review weist auf folgende sicherheitsrelevante Aspekte hin:
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Off-Label-Use: Letrozol ist von der FDA (und vielen anderen Behörden) nicht offiziell für die Ovulationsinduktion zugelassen und wird für diese Indikation Off-Label eingesetzt.
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Ausschluss einer Schwangerschaft: Aufgrund der kurzen Halbwertszeit sollte Letrozol vor der Implantation vollständig abgebaut sein. In der klinischen Praxis wird empfohlen, vor Beginn der Letrozol-Gabe eine bestehende Schwangerschaft durch Bestimmung des ß-hCG-Wertes im Blut sicher auszuschließen.
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Fehlbildungen: Große Studien zeigten keine erhöhten Raten an leichten oder schweren angeborenen Fehlbildungen bei Neugeborenen nach einer Ovulationsinduktion mit Letrozol im Vergleich zu Clomifen.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Cochrane Review ist Letrozol dem traditionell verwendeten Clomifencitrat hinsichtlich der Lebendgeburten- und Schwangerschaftsraten bei Frauen mit anovulatorischem PCOS signifikant überlegen. Es wird in der Praxis empfohlen, vor jedem Behandlungszyklus mit Letrozol eine bestehende Schwangerschaft laborchemisch auszuschließen, da der Wirkstoff für diese Indikation Off-Label eingesetzt wird.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt mit hoher Evidenz, dass Letrozol im Vergleich zu Clomifen zu signifikant höheren Lebendgeburten- und Schwangerschaftsraten führt. Die Raten für Fehlgeburten und Mehrlingsschwangerschaften sind bei beiden Wirkstoffen vergleichbar.
Das Risiko für ein ovarielles Hyperstimulationssyndrom ist unter Letrozol sehr gering. Laut Meta-Analyse liegt die Rate bei etwa 0,5 % und unterscheidet sich nicht signifikant von der Behandlung mit Clomifen.
In den untersuchten Studien wurde Letrozol typischerweise in einer Dosierung von 2,5 mg bis 7,5 mg pro Tag eingesetzt. Die Einnahme erfolgt in der Regel über 5 Tage, meist beginnend am dritten Zyklustag.
Große im Review zitierte Studien zeigten keine erhöhten Raten an angeborenen Fehlbildungen oder kardialen Anomalien nach einer Ovulationsinduktion mit Letrozol im Vergleich zu Clomifen. Dennoch wird ein sicherer Ausschluss einer Schwangerschaft vor Therapiebeginn angeraten.
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Quelle: Cochrane Review: Aromatase inhibitors (letrozole) for ovulation induction in infertile women with polycystic ovary syndrome (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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