Ovarielles Drilling bei PCOS: Cochrane Review
Hintergrund
Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) betrifft etwa 8 bis 13 % der Frauen im reproduktionsfähigen Alter. Während Letrozol laut neueren Leitlinien die Erstlinientherapie zur Ovulationsinduktion darstellt, wird Clomifencitrat (CC) weiterhin häufig eingesetzt.
Etwa 20 % der behandelten Frauen entwickeln eine Clomifen-Resistenz. Als medikamentöse Alternativen stehen in diesen Fällen Gonadotropine oder andere ovulationsauslösende Wirkstoffe zur Verfügung.
Diese medikamentösen Behandlungen bergen jedoch Risiken wie Mehrlingsschwangerschaften oder ein ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS). Als operative Alternative wird das laparoskopische ovarielle Drilling (LOD) evaluiert, welches wiederum allgemeine Operationsrisiken wie Infektionen oder Adhäsionen mit sich bringt.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2020 evaluiert die Wirksamkeit und Sicherheit des laparoskopischen ovariellen Drillings (LOD) bei anovulatorischem PCOS mit Clomifen-Resistenz.
Vergleich: LOD versus medikamentöse Induktion
Der Review vergleicht die operativen und medikamentösen Ansätze anhand verschiedener klinischer Endpunkte:
| Endpunkt | Effekt von LOD im Vergleich zur Medikation | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Lebendgeburtenrate | Möglicherweise leicht verringert oder kein Unterschied | Niedrig |
| Mehrlingsschwangerschaften | Wahrscheinlich reduziert | Moderat |
| Klinische Schwangerschaft | Wahrscheinlich kein relevanter Unterschied | Niedrig |
| Fehlgeburten | Ungewissheit über den Effekt | Niedrig |
| OHSS-Risiko | Möglicherweise reduziert | Niedrig |
Detaillierte Ergebnisse zu den Endpunkten
Die Auswertung der eingeschlossenen Studien liefert folgende Kernerkenntnisse:
-
Lebendgeburten: Die gepoolten Daten deuten darauf hin, dass LOD die Lebendgeburtenrate im Vergleich zur rein medikamentösen Therapie leicht senken könnte. Bei ausschließlicher Betrachtung von Studien mit geringem Verzerrungsrisiko bleibt jedoch unklar, ob ein tatsächlicher Unterschied besteht.
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Mehrlingsschwangerschaften: Es wird eine wahrscheinliche Reduktion der Mehrlingsschwangerschaften durch das LOD beschrieben (moderate Evidenzqualität).
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Ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS): Das OHSS trat in den Studien sehr selten auf. Die Datenlage legt nahe, dass ein LOD dieses Risiko weiter senken kann.
Operationstechniken und weitere Vergleiche
Bezüglich der Operationstechnik (unilaterales versus bilaterales LOD) reicht die Evidenzqualität laut Review nicht aus, um Schlussfolgerungen zu Lebendgeburten, klinischen Schwangerschaften oder Fehlgeburten zu ziehen.
Auch für weitere Vergleiche, wie LOD in Kombination mit IVF versus IVF allein oder verschiedene thermische Dosierungen, besteht aufgrund sehr niedriger Evidenzqualität eine hohe Ungewissheit.
💡Praxis-Tipp
Bei Patientinnen mit PCOS und Clomifen-Resistenz stellt das laparoskopische ovarielle Drilling (LOD) eine Option dar, um das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften und ein ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS) zu senken. Es wird jedoch im Review darauf hingewiesen, dass die Lebendgeburtenrate im Vergleich zur rein medikamentösen Therapie möglicherweise leicht verringert ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review wird Letrozol in neueren Leitlinien als Erstlinientherapie empfohlen, auch wenn die Anwendung formal Off-Label erfolgt. Clomifencitrat wird in der Praxis jedoch weiterhin häufig eingesetzt.
Der Review zeigt, dass das laparoskopische ovarielle Drilling (LOD) das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften wahrscheinlich reduziert. Zudem kann es das ohnehin seltene Risiko eines ovariellen Überstimulationssyndroms (OHSS) weiter senken.
Die Datenlage deutet darauf hin, dass die Lebendgeburtenrate nach einem LOD im Vergleich zur medikamentösen Therapie möglicherweise leicht sinkt. Bei Studien mit hoher methodischer Qualität ist ein Unterschied jedoch nicht eindeutig belegt.
Laut Review ist die aktuelle Evidenzqualität zu gering, um eine Überlegenheit einer der beiden chirurgischen Techniken festzustellen. Es können keine sicheren Schlüsse zu Schwangerschafts- oder Fehlgeburtenraten gezogen werden.
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Quelle: Cochrane Review: Laparoscopic ovarian drilling for ovulation induction in women with anovulatory polycystic ovary syndrome (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.