S3-Leitlinie Pankreaskarzinom (2024): Update & Übersicht
📋Auf einen Blick
- •Ein generelles Screening für asymptomatische Personen ohne familiäres oder genetisches Risiko wird nicht empfohlen.
- •Der Verzicht auf Tabak und übermäßigen Alkohol sowie regelmäßige Bewegung senken das Erkrankungsrisiko.
- •Eine diagnostische Laparoskopie ist bei resektablen Tumoren >3 cm, Aszites oder CA 19-9 >500 U/ml indiziert.
- •Die palliative Erstlinientherapie wurde um NALIRIFOX erweitert (aktuell Off-Label-Use).
- •Eine frühzeitige Einbindung der Palliativversorgung und ein regelmäßiges Screening auf Mangelernährung sollen erfolgen.
Hintergrund
Das exokrine Pankreaskarzinom (zu >95 % Adenokarzinome) gehört zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 11 %. In Deutschland erkranken jährlich etwa 20.230 Menschen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren (Männer) bzw. 76 Jahren (Frauen). Die S3-Leitlinie wird als Living Guideline kontinuierlich aktualisiert.
Risikofaktoren und Prävention
Es gibt keine spezifische Diätempfehlung zur Reduktion des Pankreaskarzinomrisikos. Zur Prävention wird jedoch empfohlen:
- Verzicht auf jeglichen Tabakkonsum
- Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum
- Regelmäßige körperliche Bewegung
Bestimmte Vorerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, chronische Pankreatitis) sowie Adipositas können das Risiko erhöhen.
Screening und Überwachung
Ein Screening bei asymptomatischen Personen der Normalbevölkerung wird nicht empfohlen. Auch ein leicht erhöhtes Risiko durch sporadische Erkrankungen (Diabetes mellitus, Gallensteine, NASH) rechtfertigt kein Screening.
Surveillance-Untersuchungen (mittels MRT/MRCP und/oder Endosonographie) sollen ausschließlich definierten Hochrisikogruppen angeboten werden:
| Risikogruppe | Beginn des Screenings |
|---|---|
| Familiäres Pankreaskarzinom | Ab 50-55 Jahren (oder 10 Jahre vor jüngstem Fall in der Familie) |
| Pathogene Keimbahnvariante (mit pos. Familienanamnese) | Ab 50-55 Jahren (oder 10 Jahre vor jüngstem Fall in der Familie) |
| CDKN2A-Variante / Peutz-Jeghers-Syndrom | Ab 40 Jahren (oder 10 Jahre vor jüngstem Fall in der Familie) |
| Hereditäre chronische Pankreatitis | 20 Jahre nach Krankheitsbeginn (spätestens ab 40 Jahren) |
Chirurgische Therapie
Vor einer geplanten Resektion sollte eine diagnostische Laparoskopie durchgeführt werden, wenn ein erhöhtes Risiko für eine Mikrometastasierung besteht. Dies ist der Fall bei:
- Tumoren >3 cm
- Vorliegen von Aszites
- CA 19-9 >500 U/ml (ohne Vorliegen einer Cholestase)
Palliative Therapie
Die Systemtherapie des fortgeschrittenen oder metastasierten Pankreaskarzinoms wurde um neue Optionen erweitert (jeweils nach individueller Kostenübernahme, da aktuell Off-Label-Use):
- Erstlinientherapie: Erweiterung um die Möglichkeit einer Therapie mit NALIRIFOX.
- Molekulare Subgruppen: Bei Nachweis einer KRAS G12C-Mutation kann nach Ausschöpfen aller anderen therapeutischen Optionen ein selektiver KRAS G12C-Inhibitor eingesetzt werden.
Supportive Therapie und Palliativversorgung
- Palliativversorgung: Frühzeitige Information und Angebot einer Palliativversorgung unabhängig vom Krankheitsstadium. Ein Bedarfsassessment durch ein Spezialisiertes Palliativversorgungs-Team (SPV) soll erfolgen.
- Ernährung: Regelmäßiges Screening auf Mangelernährung mit etablierten Instrumenten. Bei Bedarf Beratung durch Ernährungsfachkräfte sowie ggf. enterale/parenterale Ernährung.
- Antikoagulation: Eine primärprophylaktische Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin (NMH) kann bei ambulanten Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom unter Nutzen-Risiko-Abwägung erwogen werden.
- Nachsorge: Angebot einer postoperativen Anschlussheilbehandlung und strukturierten Nachbetreuung.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei asymptomatischen Patienten ohne genetisches oder familiäres Risiko kein Pankreaskarzinom-Screening durch, auch nicht bei Vorliegen von Diabetes mellitus oder Gallensteinen.