Ovarialkarzinom: S3-Leitlinie (AWMF/DKG)
📋Auf einen Blick
- •Ein generelles Screening auf Ovarialkarzinom mittels CA 125 und transvaginalem Ultraschall wird nicht empfohlen, da es die Mortalität nicht senkt.
- •Auch bei Hochrisikogruppen soll kein Screening durchgeführt werden; stattdessen ist eine genetische Beratung und Testung anzubieten.
- •Bei unklaren abdominellen Symptomen (Völlegefühl, Blähungen) bei Frauen über 50 Jahren sollte zügig eine gynäkologische Untersuchung und Sonographie erfolgen.
- •Allen Patientinnen mit Ovarialkarzinom soll eine genetische Testung (z. B. auf BRCA1/2-Mutationen) angeboten werden.
Hintergrund
Das Ovarialkarzinom ist nach dem Mammakarzinom die häufigste tödliche gynäkologische Krebserkrankung. Etwa 1 von 72 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens. Da die Erkrankung lange asymptomatisch verläuft, werden ca. 75 % der Fälle erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Das relative 5-Jahres-Überleben liegt über alle Stadien hinweg bei etwa 43 %.
Früherkennung und Screening
Ein generelles Screening auf Ovarialkarzinom wird von der Leitlinie klar abgelehnt, da randomisierte Studien keine Reduktion der Mortalität nachweisen konnten.
| Zielgruppe | Empfehlung zum Screening | Empfehlungsgrad | Begründung |
|---|---|---|---|
| Normalbevölkerung | Soll nicht durchgeführt werden | A | Keine Senkung der Mortalität, Risiko durch falsch-positive Befunde |
| Risikopopulationen | Soll nicht durchgeführt werden | A | Keine Senkung der Mortalität nachweisbar |
Hinweis: Angehörigen von Risikopopulationen soll stattdessen eine multidisziplinäre Beratung und genetische Testung angeboten werden.
Symptomatik
Patientinnen weisen oft lange Zeit nur unspezifische Symptome auf. Weitergehende Untersuchungen sollten eingeleitet werden, wenn folgende Symptome wiederholt und anhaltend auftreten (insbesondere bei Frauen > 50 Jahre):
- Völlegefühl
- Blähungen
- Unklare abdominelle Schmerzen oder Beschwerden
- Zunahme der Miktionsfrequenz
Diagnostik
Bei Verdacht auf eine ovarielle Raumforderung soll als erste Maßnahme eine gynäkologische Spiegel- und Tastuntersuchung sowie eine Transvaginalsonographie (TVS) erfolgen.
| Diagnostik-Schritt | Methode | Stellenwert / Bemerkung |
|---|---|---|
| Primärdiagnostik | Gynäkologische Untersuchung + TVS | Soll als erste Maßnahme durchgeführt werden |
| Staging | CT, MRT, PET/CT | Gleichwertig für lokales Staging, besser für Abdomen/Lymphknoten |
| Operabilitätsprüfung | Bildgebung | Keine apparative Maßnahme kann ein operatives Staging ersetzen |
Rezidivdiagnostik
Das Vorgehen in der Rezidivdiagnostik richtet sich nach der Symptomatik der Patientin:
- Asymptomatische Patientinnen: Ein früher präsymptomatischer Beginn einer Rezidivbehandlung (nur aufgrund eines CA 125-Anstiegs) ist nicht mit einem verbesserten Überleben verbunden (Empfehlungsgrad B).
- Symptomatische Patientinnen: Bei Auftreten von Symptomen kann eine weiterführende apparative Diagnostik (CT, PET/CT, MRT) eingeleitet werden (Empfehlungsgrad 0).
Genetik und familiäres Risiko
Ein etablierter Risikofaktor ist die familiäre Häufung (z. B. HBOC- oder Lynch-Syndrom). Klinische Parameter wie Alter oder Familienanamnese reichen nicht aus, um eine Mutation sicher auszuschließen.
- Patientinnen mit der Diagnose eines Ovarialkarzinoms sollen über das Risiko einer hereditären Erkrankung aufgeklärt und eine genetische Testung (z. B. BRCA1/2) angeboten bekommen (Empfehlungsgrad A).
- Bei Nachweis einer pathogenen Mutation bei der Indexperson ist eine Testung gesunder Angehöriger indiziert.
Patientinnenaufklärung
Die ärztliche Aufklärung soll umfassend und empathisch erfolgen. Die Prinzipien der patientenzentrierten Kommunikation (z. B. aktives Zuhören, Vermeidung von Fachvokabular, Einbeziehung von Angehörigen) sind anzuwenden. Den Patientinnen sollte zudem psychoonkologische Unterstützung angeboten werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie auf ein routinemäßiges Ovarialkarzinom-Screening mittels CA 125 und Ultraschall, da dies die Mortalität nicht senkt. Bieten Sie stattdessen jeder erkrankten Patientin eine genetische Testung (z.B. BRCA1/2) an.