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Leitlinienprogramm Onkologie / DKG / Deutsche Krebshilfe / AWMF2024OnkologieGynäkologieChirurgie

Ovarialkarzinom: S3-Leitlinie (AWMF/DKG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Leitlinienprogramm Onkologie / DKG / Deutsche Krebshilfe / AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein generelles Screening auf Ovarialkarzinom mittels CA 125 und transvaginalem Ultraschall wird nicht empfohlen, da es die Mortalität nicht senkt.
  • Auch bei Hochrisikogruppen soll kein Screening durchgeführt werden; stattdessen ist eine genetische Beratung und Testung anzubieten.
  • Bei unklaren abdominellen Symptomen (Völlegefühl, Blähungen) bei Frauen über 50 Jahren sollte zügig eine gynäkologische Untersuchung und Sonographie erfolgen.
  • Allen Patientinnen mit Ovarialkarzinom soll eine genetische Testung (z. B. auf BRCA1/2-Mutationen) angeboten werden.
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Hintergrund

Das Ovarialkarzinom ist nach dem Mammakarzinom die häufigste tödliche gynäkologische Krebserkrankung. Etwa 1 von 72 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens. Da die Erkrankung lange asymptomatisch verläuft, werden ca. 75 % der Fälle erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Das relative 5-Jahres-Überleben liegt über alle Stadien hinweg bei etwa 43 %.

Früherkennung und Screening

Ein generelles Screening auf Ovarialkarzinom wird von der Leitlinie klar abgelehnt, da randomisierte Studien keine Reduktion der Mortalität nachweisen konnten.

ZielgruppeEmpfehlung zum ScreeningEmpfehlungsgradBegründung
NormalbevölkerungSoll nicht durchgeführt werdenAKeine Senkung der Mortalität, Risiko durch falsch-positive Befunde
RisikopopulationenSoll nicht durchgeführt werdenAKeine Senkung der Mortalität nachweisbar

Hinweis: Angehörigen von Risikopopulationen soll stattdessen eine multidisziplinäre Beratung und genetische Testung angeboten werden.

Symptomatik

Patientinnen weisen oft lange Zeit nur unspezifische Symptome auf. Weitergehende Untersuchungen sollten eingeleitet werden, wenn folgende Symptome wiederholt und anhaltend auftreten (insbesondere bei Frauen > 50 Jahre):

  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • Unklare abdominelle Schmerzen oder Beschwerden
  • Zunahme der Miktionsfrequenz

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine ovarielle Raumforderung soll als erste Maßnahme eine gynäkologische Spiegel- und Tastuntersuchung sowie eine Transvaginalsonographie (TVS) erfolgen.

Diagnostik-SchrittMethodeStellenwert / Bemerkung
PrimärdiagnostikGynäkologische Untersuchung + TVSSoll als erste Maßnahme durchgeführt werden
StagingCT, MRT, PET/CTGleichwertig für lokales Staging, besser für Abdomen/Lymphknoten
OperabilitätsprüfungBildgebungKeine apparative Maßnahme kann ein operatives Staging ersetzen

Rezidivdiagnostik

Das Vorgehen in der Rezidivdiagnostik richtet sich nach der Symptomatik der Patientin:

  • Asymptomatische Patientinnen: Ein früher präsymptomatischer Beginn einer Rezidivbehandlung (nur aufgrund eines CA 125-Anstiegs) ist nicht mit einem verbesserten Überleben verbunden (Empfehlungsgrad B).
  • Symptomatische Patientinnen: Bei Auftreten von Symptomen kann eine weiterführende apparative Diagnostik (CT, PET/CT, MRT) eingeleitet werden (Empfehlungsgrad 0).

Genetik und familiäres Risiko

Ein etablierter Risikofaktor ist die familiäre Häufung (z. B. HBOC- oder Lynch-Syndrom). Klinische Parameter wie Alter oder Familienanamnese reichen nicht aus, um eine Mutation sicher auszuschließen.

  • Patientinnen mit der Diagnose eines Ovarialkarzinoms sollen über das Risiko einer hereditären Erkrankung aufgeklärt und eine genetische Testung (z. B. BRCA1/2) angeboten bekommen (Empfehlungsgrad A).
  • Bei Nachweis einer pathogenen Mutation bei der Indexperson ist eine Testung gesunder Angehöriger indiziert.

Patientinnenaufklärung

Die ärztliche Aufklärung soll umfassend und empathisch erfolgen. Die Prinzipien der patientenzentrierten Kommunikation (z. B. aktives Zuhören, Vermeidung von Fachvokabular, Einbeziehung von Angehörigen) sind anzuwenden. Den Patientinnen sollte zudem psychoonkologische Unterstützung angeboten werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf ein routinemäßiges Ovarialkarzinom-Screening mittels CA 125 und Ultraschall, da dies die Mortalität nicht senkt. Bieten Sie stattdessen jeder erkrankten Patientin eine genetische Testung (z.B. BRCA1/2) an.

Häufig gestellte Fragen

Nein, weder für die Normalbevölkerung noch für Risikogruppen, da es die Mortalität nicht senkt (Empfehlungsgrad A).
Unspezifische Symptome wie Völlegefühl, Blähungen, unklare Bauchschmerzen und häufiges Wasserlassen, besonders bei Frauen über 50 Jahren.
Eine gynäkologische Spiegel- und Tastuntersuchung sowie als erste apparative Maßnahme eine Transvaginalsonographie.
Allen Patientinnen mit der Diagnose eines Ovarialkarzinoms soll eine genetische Testung (z. B. auf BRCA1/2) angeboten werden.
Nein, ein präsymptomatischer Beginn einer Rezidivbehandlung bei asymptomatischen Patientinnen verbessert das Überleben nicht.

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