Zervixkarzinom: Epidemiologie & Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Inzidenz des Zervixkarzinoms in Deutschland ist dank Früherkennungsprogrammen stark gesunken (4.380 Neuerkrankungen im Jahr 2016).
- •Das mittlere Erkrankungsalter für invasive Karzinome liegt bei 55 Jahren, für präinvasive Vorstufen etwa 20 Jahre früher.
- •Die relative 5-Jahres-Überlebensrate ist stark stadienabhängig und sinkt von 95 % im UICC-Stadium I auf 21 % im Stadium IV.
- •Die HPV-Impfung zeigt in internationalen Studien bereits eine signifikante Reduktion von HSIL-Läsionen und HPV-Infektionen.
Hintergrund
Das Zervixkarzinom ist weltweit das vierthäufigste Malignom der Frau. In Deutschland ist die Inzidenz in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken, was primär auf das 1971 eingeführte gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm (zytologischer Abstrich) zurückzuführen ist. Aktuell ist das Zervixkarzinom die dreizehnthäufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland.
Epidemiologische Daten
Die Inzidenz höherer Tumorstadien (ab FIGO-Stadium IIB) und die Mortalität sind seit 1980 zurückgegangen, stagnieren jedoch in den letzten zehn Jahren.
- Neuerkrankungen (2016): 4.380 Fälle
- Sterbefälle (2016): 1.562 Fälle
- Mittleres Erkrankungsalter: 55 Jahre (in den letzten 25 Jahren um 15 Jahre gesunken)
- Präinvasive Vorstufen: Der Altersgipfel liegt im Mittel 20 Jahre früher als beim invasiven Karzinom
Stadienverteilung und Überleben
Die Prognose des Zervixkarzinoms ist stark vom Tumorstadium bei Erstdiagnose abhängig. Die Verteilung der UICC-Stadien bei Erstdiagnose (Daten von 2013-2014) zeigte folgenden Anteil: UICC I (44 %), UICC II (13 %), UICC III (23 %) und UICC IV (20 %).
| UICC-Stadium | Relative 5-Jahres-Überlebensrate | Relative 10-Jahres-Überlebensrate |
|---|---|---|
| Stadium 0 | 100 % | 100 % |
| Stadium I | 95 % | 93 % |
| Stadium II | 75 % | 71 % |
| Stadium III | 58 % | 51 % |
| Stadium IV | 21 % | 16 % |
Einfluss der HPV-Impfung
Die Entwicklung und Einführung der HPV-Impfstoffe (seit 2007 für Mädchen, seit 2018 auch für Jungen von 9 bis 14 Jahren von der STIKO empfohlen) lässt eine weitere Senkung der Inzidenz und Mortalität erwarten. Internationale Daten belegen bereits erste Erfolge:
- Australien: Rückgang der HSIL-Läsionen von 0,85 % auf 0,22 % bei Frauen unter 18 Jahren nach Einführung der Impfung.
- Metaanalyse: 64 % Reduktion der Inzidenz von Infektionen mit HPV 16 und 18 bei Frauen zwischen 13 und 19 Jahren.
💡Praxis-Tipp
Beachten Sie, dass der Altersgipfel für präinvasive Vorstufen etwa 20 Jahre vor dem invasiven Karzinom liegt. Klären Sie junge Patientinnen und Eltern aktiv über die STIKO-Empfehlung zur HPV-Impfung auf, da diese nachweislich das Risiko für hochgradige Dysplasien senkt.