Obstruktive Schlafapnoe (OSA): Schlafpositionstherapie
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist ein Addendum zum Auftrag E20-07. Er überprüft das Potenzial der Schlafpositionstherapie bei milder bis mittelgradiger lageabhängiger obstruktiver Schlafapnoe (POSA).
Ziel der Untersuchung war es festzustellen, ob neuere Studien die bisherige positive Potenzialbewertung infrage stellen oder den Nutzen bereits hinreichend belegen. Hierfür wurden systematische Literaturrecherchen nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) durchgeführt.
Die Zielpopulation umfasst erwachsene Personen mit einer milden bis mittelgradigen POSA. Dies entspricht einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von 5 bis unter 30 Ereignissen pro Stunde in Kombination mit einer typischen klinischen Symptomatik.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert basierend auf der Evidenzsynthese folgende zentrale Erkenntnisse zur Schlafpositionstherapie:
Bewertung der aktuellen Studienlage
Laut Bericht wurden neue Studien identifiziert, deren Ergebnisse jedoch nicht ausreichen, um einen Nutzen hinreichend zu belegen oder das bisherige Potenzial zu widerlegen. Die identifizierten Studien weisen methodische Einschränkungen, kurze Beobachtungszeiten oder abweichende Zielpopulationen auf.
Vergleich mit der PAP-Therapie
Der Bericht analysiert eine neuere Studie (Mok 2020), welche die Schlafpositionstherapie mit der automatisierten Überdruckbeatmung (APAP) vergleicht. Es wird darauf hingewiesen, dass die Schlafpositionstherapie die Nichtunterlegenheit bezüglich der Tagesschläfrigkeit nicht nachweisen konnte.
| Endpunkt | Schlafpositionstherapie | PAP-Therapie | Signifikanter Unterschied |
|---|---|---|---|
| Tagesschläfrigkeit (ESS) | Unterlegen | Überlegen | Ja (zugunsten PAP) |
| Schlafqualität (PSQI) | Vergleichbar | Vergleichbar | Nein |
| Depressions-Skala (DASS-21) | Unterlegen | Überlegen | Ja (zugunsten PAP) |
| Vitalität (SF-36) | Unterlegen | Überlegen | Ja (zugunsten PAP) |
Adhärenz und Geräteausführung
Der Bericht merkt an, dass in der untersuchten Vergleichsstudie eine geringe Therapieadhärenz von knapp 45 Prozent unter der Schlafpositionstherapie beobachtet wurde. Dies wird potenziell auf die abweichende Anbringung des verwendeten Geräts im Nacken statt auf der Brust zurückgeführt.
Fazit und weiteres Vorgehen
Das IQWiG kommt zu dem Schluss, dass die Methode weiterhin Potenzial als Behandlungsalternative besitzt.
Zur endgültigen Klärung wird Folgendes festgehalten:
-
Ein möglicher Nutzen und Schaden muss zwingend in einer Erprobungsstudie geprüft werden.
-
Die bisherigen und zeitnah erwartbaren Studienergebnisse ersetzen diese Erprobungsstudie nicht.
-
Die Fallzahlplanung der Erprobungsstudie kann nach Abschluss aktuell laufender Studien gegebenenfalls angepasst werden.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht weist darauf hin, dass die Therapieadhärenz bei der Schlafpositionstherapie stark von der Art des verwendeten Geräts abhängen kann. Es wird beschrieben, dass im Nacken getragene Sensoren in Studien zu einer deutlich geringeren Adhärenz führten als Geräte, die mit einem Gurt auf Brusthöhe fixiert werden. Bei der Auswahl entsprechender Hilfsmittel wird eine Berücksichtigung dieses Aspekts der Patientenakzeptanz nahegelegt.
Häufig gestellte Fragen
Der Bericht definiert die Zielpopulation als Personen mit einer milden bis mittelgradigen lageabhängigen obstruktiven Schlafapnoe (POSA). Dies entspricht einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von 5 bis unter 30 Ereignissen pro Stunde. Bei schwerer Schlafapnoe gilt weiterhin die PAP-Therapie als Standard.
Laut dem IQWiG-Bericht konnte in einer neueren Studie die Nichtunterlegenheit der Schlafpositionstherapie gegenüber der PAP-Therapie bezüglich der Tagesschläfrigkeit nicht nachgewiesen werden. Die PAP-Therapie zeigte in dieser Untersuchung zudem Vorteile bei der Vitalität und bei depressiven Symptomen.
Der Bericht zitiert Studiendaten, in denen milde gerätespezifische unerwünschte Ereignisse gemeldet wurden. Dazu zählen primär Juckreiz oder Rötungen am Hals durch die Haltebänder sowie in Einzelfällen ausstrahlende Nackenschmerzen durch die Vibrationseinheit.
Das IQWiG stellt fest, dass der Nutzen der Methode durch die aktuelle Studienlage noch nicht hinreichend belegt ist. Es wird die Durchführung einer groß angelegten Erprobungsstudie als notwendig erachtet, um Nutzen und Schaden abschließend zu bewerten.
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Quelle: IQWiG E20-10: Schlafpositionstherapie bei obstruktiver Schlafapnoe - Addendum zum Auftrag E20-07 (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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