Unterkieferprotrusionsschiene bei Schlafapnoe: IQWiG
Hintergrund
Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine schlafbezogene Atmungsstörung, die durch wiederholte Atemstillstände und eine daraus resultierende ausgeprägte Tagesschläfrigkeit gekennzeichnet ist. Zur Behandlung der leichten bis mittelgradigen Form werden unter anderem Unterkieferprotrusionsschienen (UPS) eingesetzt, welche die Atemwege während des Schlafes mechanisch offenhalten sollen.
Der vorliegende Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2020 untersucht den patientenrelevanten Nutzen dieser Therapieform basierend auf einer systematischen Literaturrecherche.
Dabei wurde die Anwendung der UPS bei Erwachsenen in zwei zentralen Fragestellungen evaluiert: einerseits im Vergleich zu keiner Behandlung beziehungsweise einer Placebobehandlung und andererseits im direkten Vergleich zur etablierten Überdruckbeatmung (PAP-Therapie).
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert basierend auf der systematischen Auswertung folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit der Unterkieferprotrusionsschiene (UPS):
Vergleich mit Placebo oder keiner Behandlung
Laut Bericht zeigt sich für die Anwendung der UPS ein klarer Vorteil hinsichtlich des Leitsymptoms der obstruktiven Schlafapnoe.
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Für die Reduktion der Tagesschläfrigkeit ergibt sich ein Hinweis auf einen Nutzen der UPS im Vergleich zu keiner Behandlung oder einer Placeboschiene.
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Bezüglich der Fatigue besteht ein Anhaltspunkt für einen Nutzen im Vergleich zu einer Placebobehandlung.
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Für andere patientenrelevante Endpunkte wie gesundheitsbezogene Lebensqualität, psychische Symptome oder Kopfschmerzen lässt sich kein Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden ableiten.
Vergleich mit der PAP-Therapie
Im direkten Vergleich mit der positiven Atemwegsdruck-Therapie (PAP) wird die UPS als valide Alternative bei leichter bis mittelgradiger OSA bewertet.
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Für die Tagesschläfrigkeit ergibt sich ein Hinweis auf eine Nichtunterlegenheit der UPS gegenüber der PAP-Therapie.
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Bei weiteren Endpunkten wie Schlafqualität, kognitiver Leistungsfähigkeit und depressiver Symptomatik zeigt sich kein relevanter Nachteil der Schienentherapie.
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Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse oder vermehrte Therapieabbrüche sind unter der UPS im Vergleich zur PAP-Therapie nicht belegt.
Übersicht der Endpunktbewertung
| Endpunkt | UPS vs. Placebo/Keine Therapie | UPS vs. PAP-Therapie |
|---|---|---|
| Tagesschläfrigkeit | Hinweis auf Nutzen | Hinweis auf Nichtunterlegenheit |
| Fatigue | Anhaltspunkt für Nutzen | Kein relevanter Unterschied belegt |
| Lebensqualität & Psyche | Kein Anhaltspunkt für Nutzen/Schaden | Kein Anhaltspunkt für höheren Nutzen/Schaden |
| Mortalität & Kardiovaskulär | Keine Daten verfügbar | Keine verwertbaren Daten verfügbar |
Es wird in der Auswertung explizit darauf hingewiesen, dass für harte Endpunkte wie die Gesamtmortalität oder die kardiovaskuläre Morbidität in den eingeschlossenen Studien keine verwertbaren Daten vorlagen.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht ist die Unterkieferprotrusionsschiene hinsichtlich der Reduktion der Tagesschläfrigkeit der etablierten PAP-Therapie nicht unterlegen. Es wird deutlich, dass die Schienentherapie bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe eine evidenzbasierte Alternative darstellt, was insbesondere bei mangelnder Toleranz einer Überdruckbeatmung von klinischer Relevanz ist.
Häufig gestellte Fragen
Der IQWiG-Bericht zeigt, dass die Unterkieferprotrusionsschiene bei leichter bis mittelgradiger Schlafapnoe hinsichtlich der Tagesschläfrigkeit der PAP-Therapie nicht unterlegen ist. Bei anderen patientenrelevanten Endpunkten ergaben sich ebenfalls keine relevanten Nachteile der Schiene.
Ja, laut der systematischen Auswertung gibt es einen klaren Hinweis auf einen Nutzen der Schiene zur Reduktion der Tagesschläfrigkeit im Vergleich zu keiner Behandlung. Auch für das Symptom Fatigue ergab sich ein Anhaltspunkt für einen Nutzen.
Nein, der Bericht stellt fest, dass in den untersuchten Studien keine verwertbaren Daten zur Gesamtmortalität oder zur kardiovaskulären Morbidität vorlagen. Aussagen zu diesen harten Endpunkten sind daher auf Basis dieses Berichts nicht möglich.
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Quelle: IQWiG N18-03: Unterkieferprotrusionsschiene bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe bei Erwachsenen (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.