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National Institute for Health and Care Excellence (NICE)A2009PsychiatriePsychotherapieAllgemeinmedizin

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Patienten dürfen aufgrund ihrer Diagnose oder wegen Selbstverletzungen nicht von Versorgungsangeboten ausgeschlossen werden.
  • Psychologische Kurzinterventionen (unter 3 Monaten) sollen nicht spezifisch für die Borderline-Persönlichkeitsstörung eingesetzt werden.
  • Medikamente sind nicht zur spezifischen Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder ihrer Kernsymptome indiziert.
  • In Krisensituationen kann kurzfristig (maximal 1 Woche) der Off-Label-Einsatz von sedierenden Antihistaminika erwogen werden.
  • Stationäre Aufnahmen sollten vermieden und nur bei erheblichem Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung in Betracht gezogen werden.
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Hintergrund

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist durch signifikante Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in der Stimmung sowie durch impulsives Verhalten gekennzeichnet. Häufig treten Suizidgedanken, Selbstverletzungen und vorübergehende psychotische Symptome auf. Die NICE-Leitlinie betont als Grundprinzip, dass Patienten niemals aufgrund ihrer Diagnose oder wegen selbstverletzenden Verhaltens von der Gesundheits- oder Sozialversorgung ausgeschlossen werden dürfen. Ein optimistischer, hoffnungsvoller Therapieansatz ist essenziell.

Diagnostik und Überweisung

Die Erkennung und erste Einschätzung erfolgt oft in der Primärversorgung. Bei Verdacht sollte eine gezielte Überweisung erfolgen.

SituationMaßnahmeZielgruppe
Wiederholte Selbstverletzung oder emotionale InstabilitätÜberweisung zur DiagnostikErwachsene (Community Mental Health)
Verdacht auf BPS bei unter 18-JährigenÜberweisung an CAMHSKinder und Jugendliche
Akute Krise in der PrimärversorgungRisikoabschätzung, Coping-Strategien stärken, Follow-upBekannte BPS-Patienten

Psychologische Therapie

Die Psychotherapie ist ein zentraler Baustein der Behandlung. Die Auswahl sollte Präferenzen, Schweregrad und Motivation des Patienten berücksichtigen. Vor Beginn muss der Patient schriftliches Informationsmaterial erhalten.

  • Keine Kurzinterventionen: Psychologische Kurzinterventionen von unter 3 Monaten Dauer sollen nicht spezifisch für die BPS oder deren Einzelsymptome eingesetzt werden.
  • Strukturierte Programme: Erforderlich sind ein expliziter theoretischer Ansatz, eine strukturierte Behandlung und Supervision für die Therapeuten. Zweimal wöchentliche Sitzungen können erwogen werden.
  • Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT): Für Frauen, bei denen die Reduktion von rezidivierendem selbstverletzendem Verhalten Priorität hat, sollte ein umfassendes DBT-Programm in Betracht gezogen werden.

Medikamentöse Therapie

Die Leitlinie formuliert klare Einschränkungen für den Einsatz von Psychopharmaka bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Eine Polypharmazie ist zu vermeiden.

MedikamentenklasseEmpfehlungBemerkung
Spezifische BPS-MedikationNicht empfohlenMedikamente sollen nicht für BPS oder Einzelsymptome (z.B. Selbstverletzung, Instabilität) eingesetzt werden.
AntipsychotikaNicht empfohlenKeine mittel- oder langfristige Anwendung bei BPS.
Sedativa (z.B. Antihistaminika)Zurückhaltend erwägenNur kurzfristig (max. 1 Woche) in Krisen. Off-Label-Use erfordert Aufklärung.
Komorbiditäten-MedikationIndiziertBehandlung von z.B. Depression oder PTBS im Rahmen des BPS-Behandlungsprogramms.

Krisenmanagement

In Krisensituationen ist eine ruhige, nicht-bedrohliche Haltung essenziell. Die Gründe für die Krise sollten empathisch exploriert werden, ohne die Probleme des Patienten zu bagatellisieren.

  • Medikamente in der Krise: Falls nötig, ein einzelnes Medikament mit geringem Nebenwirkungs- und Abhängigkeitspotenzial (z.B. sedierende Antihistaminika) in der niedrigsten wirksamen Dosis wählen. Maximal 1 Woche anwenden.
  • Follow-up: Nach Abklingen der Krise muss der Krisenplan zeitnah gemeinsam mit dem Patienten aktualisiert werden.
  • Schlafstörungen: Zunächst Schlafhygiene optimieren. Bei medikamentösem Bedarf auf das Abhängigkeitspotenzial von Z-Drugs achten und Alternativen wie sedierende Antihistaminika erwägen.

Stationäre Behandlung

Stationäre Aufnahmen in psychiatrische Akutkliniken sollten vermieden und Alternativen (z.B. Home-Treatment oder Kriseninterventionsteams) vorgezogen werden.

Indikation zur AufnahmeBedingung
Erhebliches Risiko für Selbst-/FremdgefährdungAmbulant nicht mehr sicher führbar
ZwangseinweisungNach geltendem Unterbringungsrecht (Mental Health Act)

Bemerkung: Wenn in extremen Situationen eine Zwangsbehandlung unumgänglich ist, sollte schnellstmöglich wieder auf eine freiwillige Basis gewechselt werden.

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie Medikamente bei Borderline-Patienten äußerst restriktiv ein. Vermeiden Sie Polypharmazie und nutzen Sie in akuten Krisen bevorzugt sedierende Antihistaminika (Off-Label) für maximal eine Woche, anstatt vorschnell Benzodiazepine oder Antipsychotika zu verschreiben.

Häufig gestellte Fragen

Nein, Medikamente sollten nicht spezifisch für die BPS oder deren Kernsymptome eingesetzt werden. Behandelt werden primär Komorbiditäten oder akute Krisen (streng zeitlich befristet).
Es werden strukturierte Programme mit einem expliziten theoretischen Ansatz empfohlen. Für Frauen mit rezidivierendem selbstverletzendem Verhalten wird insbesondere die Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) empfohlen.
Nur bei erheblichem Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung, das ambulant nicht mehr beherrschbar ist, oder bei einer rechtlichen Unterbringung. Alternativen wie Home-Treatment sind stets vorzuziehen.
Mindestens 3 Monate. Psychologische Kurzinterventionen von unter 3 Monaten Dauer werden spezifisch für die BPS nicht empfohlen.

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