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Depression bei Erwachsenen: NICE-Leitlinie 2024

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Leitlinie teilt Depressionen zur besseren klinischen Anwendbarkeit in 'weniger schwer' (PHQ-9 < 16) und 'schwerer' (PHQ-9 ≥ 16) ein.
  • Bei weniger schweren Depressionen sind Antidepressiva nicht routinemäßig die Therapie der ersten Wahl.
  • SSRI gelten als Antidepressiva der ersten Wahl; trizyklische Antidepressiva (außer Lofepramin) sollten wegen ihrer Toxizität bei Überdosierung gemieden werden.
  • Die erste Verlaufskontrolle nach Start eines Antidepressivums sollte nach 2 Wochen erfolgen (nach 1 Woche bei 18- bis 25-Jährigen oder Suizidrisiko).
  • Zur Rezidivprophylaxe sollte die Therapie nach Remission für mindestens 6 Monate fortgeführt werden.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie definiert Depression entlang eines Kontinuums aus Symptomen, Dauer und funktionellen Einschränkungen. Zur besseren klinischen Anwendbarkeit und Steuerung der Therapie wird eine neue Einteilung basierend auf validierten Skalen (z. B. PHQ-9) vorgenommen:

  • Weniger schwere Depression: Umfasst unterschwellige und leichte Depressionen (PHQ-9 Score < 16).
  • Schwerere Depression: Umfasst mittelgradige und schwere Depressionen (PHQ-9 Score ≥ 16).

Diagnostik und Risikobewertung

Bei Verdacht auf eine Depression sollen zwei Screening-Fragen zum letzten Monat gestellt werden (Verlust von Interesse/Freude sowie Gefühl der Niedergeschlagenheit/Hoffnungslosigkeit).

Jeder Patient muss direkt nach Suizidgedanken und -absichten gefragt werden. Wichtig: Eine indizierte Depressionsbehandlung darf aufgrund eines Suizidrisikos nicht vorenthalten werden.

Therapie der weniger schweren Depression

Bei einer neuen Episode einer weniger schweren Depression (PHQ-9 < 16) sollen Antidepressiva nicht routinemäßig als Erstlinientherapie angeboten werden, es sei denn, dies ist die ausdrückliche und informierte Präferenz des Patienten.

TherapieoptionFormatBemerkung
Angeleitete SelbsthilfeDigital/Print + Betreuer6-8 Sitzungen, erfordert Eigenmotivation
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)Gruppe oder EinzelFokussiert auf Gedanken, Gefühle und Verhalten
Verhaltensaktivierung (BA)Gruppe oder EinzelFokus auf Verbindung zwischen Aktivität und Stimmung
Gruppen-SportprogrammGruppe>1x wöchentlich für 10 Wochen, aerobe Bewegung
Achtsamkeit & MeditationGruppeFokus auf das Hier und Jetzt, Atemübungen
Interpersonelle Psychotherapie (IPT)EinzelFokus auf zwischenmenschliche Beziehungen
SSRIMedikamentösNur auf Patientenwunsch, Wirkeintritt nach ca. 4 Wochen

Therapie der schwereren Depression

Bei einer schwereren Depression (PHQ-9 ≥ 16) sollten intensivere Therapien oder Kombinationen angeboten werden. Die Wahl erfolgt in gemeinsamer Entscheidungsfindung (Shared Decision Making).

TherapieoptionFormatBemerkung
KombinationstherapieKVT + AntidepressivumBietet sofortige Unterstützung bis das Medikament wirkt
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)EinzelMeist 16 Sitzungen
Verhaltensaktivierung (BA)Einzel12-16 Sitzungen
AntidepressivaMedikamentösSSRI als erste Wahl, regelmäßiges Monitoring
ProblemlösetherapieEinzel6-12 Sitzungen, zielorientiert
Interpersonelle Psychotherapie (IPT)Einzel16 Sitzungen

Pharmakotherapie: Antidepressiva

  • Auswahl: SSRI sind meist die erste Wahl aufgrund ihres guten Sicherheitsprofils. Trizyklische Antidepressiva (TZA) sind bei Überdosierung gefährlich (Ausnahme: Lofepramin).
  • Monitoring: Die erste Kontrolle auf Besserung und Nebenwirkungen erfolgt nach 2 Wochen. Bei Patienten im Alter von 18-25 Jahren oder bei Suizidrisiko muss die Kontrolle bereits nach 1 Woche erfolgen.
  • Dauer: Nach Remission der Symptome sollte die Therapie für mindestens 6 Monate fortgeführt werden, um Rückfälle zu vermeiden.
  • Absetzen: Antidepressiva müssen schrittweise ausgeschlichen werden ("Tapering"), um Absetzsymptome (z. B. Schwindel, elektrische Schlag-Gefühle, Unruhe, Schlafprobleme) zu minimieren. Die Geschwindigkeit richtet sich nach der Halbwertszeit des Medikaments und der Verträglichkeit für den Patienten.

Rezidivprophylaxe und weitere Therapielinien

Patienten mit hohem Rezidivrisiko (z. B. häufige Episoden in den letzten 2 Jahren, unvollständige Remission) sollten die medikamentöse Therapie beibehalten oder eine psychologische Therapie (z. B. Gruppen-KVT oder MBCT) zur Rückfallprävention erhalten.

Bei fehlendem Ansprechen nach 4 Wochen (Medikamente) bzw. 4-6 Wochen (Psychotherapie) sollten Adhärenz und Begleiterkrankungen geprüft werden. Optionen umfassen den Wechsel der Therapie, Dosissteigerung oder Kombinationstherapien (z. B. Augmentation mit Lithium oder Antipsychotika in der Sekundärversorgung). Die Elektrokrampftherapie (EKT) kann bei schwerer, lebensbedrohlicher Depression (z. B. Nahrungsverweigerung) erwogen werden.

💡Praxis-Tipp

Bestellen Sie Patienten im Alter von 18 bis 25 Jahren oder mit erhöhtem Suizidrisiko zwingend bereits 1 Woche nach Beginn einer Antidepressiva-Therapie zur ersten klinischen Verlaufskontrolle ein.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie definiert eine schwerere Depression ab einem PHQ-9 Score von 16 oder höher.
Nein, sie sollten nicht routinemäßig als erste Wahl angeboten werden. Sie kommen nur in Betracht, wenn dies die ausdrückliche und informierte Präferenz des Patienten ist.
Die Therapie sollte nach Remission der Symptome für mindestens 6 Monate fortgeführt werden, um das Risiko eines Rückfalls zu minimieren.
Lofepramin hat das beste Sicherheitsprofil unter den trizyklischen Antidepressiva. Andere TZA sollten bei Suizidrisiko aufgrund ihrer Toxizität gemieden werden.

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