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National Institute for Health and Care Excellence (NICE)A2022PsychiatrieAllgemeinmedizin

Depression bei Erwachsenen: NICE-Leitlinie (NG222)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Neue Einteilung der Schweregrade in "weniger schwer" (PHQ-9 < 16) und "schwerer" (PHQ-9 ≥ 16).
  • Antidepressiva sind bei weniger schwerer Depression nicht routinemäßig als Erstlinientherapie empfohlen.
  • Bei schwererer Depression ist eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) und Antidepressiva eine primäre Option.
  • Engmaschiges Monitoring beim Absetzen von Antidepressiva ist erforderlich, um Absetzsymptome schrittweise zu minimieren.
  • Bei jungen Erwachsenen (18-25 Jahre) oder Suizidrisiko muss die erste Kontrolle bereits 1 Woche nach Therapiestart erfolgen.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie definiert die Schwere einer Depression als Kontinuum aus Symptomen, Dauer und funktioneller Beeinträchtigung. Zur besseren klinischen Anwendbarkeit wird die Depression in zwei neue Hauptkategorien unterteilt, wobei validierte Skalen wie der PHQ-9 zur Orientierung dienen:

SchweregradPHQ-9 ScoreTraditionelle Kategorien
Weniger schwere Depression< 16Subklinische und leichte Depression
Schwerere Depression≥ 16Mittelschwere und schwere Depression

Diagnostik und Risikobewertung

Bei Verdacht auf eine Depression (insbesondere bei chronischen Erkrankungen oder Vorgeschichte) sollten zwei Screening-Fragen gestellt werden:

  • Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, depressiv oder hoffnungslos?
  • Hatten Sie im letzten Monat häufig wenig Interesse oder Freude an Ihren Aktivitäten?

Suizidrisiko: Jeder Patient muss direkt nach Suizidgedanken und -absichten gefragt werden. Bei akutem Risiko:

  • Behandlung der Depression nicht aufgrund des Suizidrisikos zurückhalten.
  • Bei Verschreibung von Antidepressiva die Toxizität bei Überdosierung beachten (Trizyklische Antidepressiva [TCA] meiden, Ausnahme: Lofepramin).
  • Ggf. Überweisung in die fachpsychiatrische Notfallversorgung.

Therapie der weniger schweren Depression

Antidepressiva sollen nicht routinemäßig als Erstlinientherapie angeboten werden, es sei denn, dies ist die ausdrückliche Präferenz des Patienten.

TherapieoptionFormatBemerkung
Angeleitete SelbsthilfeDigital/Print + Betreuer6-8 Sitzungen, CBT- oder BA-basiert
Gruppen-CBT / Gruppen-BAGruppe (ca. 8 Personen)8 Sitzungen, Fokus auf Verhaltensänderung
Individuelle CBT / BAEinzeltherapie8 Sitzungen, zielorientiert
Gruppen-SporttherapieGruppe>1x/Woche für 10 Wochen, aerobes Training
Achtsamkeit / MeditationGruppe8 Sitzungen, Fokus auf das Hier und Jetzt
Interpersonelle Therapie (IPT)Einzeltherapie8-16 Sitzungen, Fokus auf Beziehungen
SSRI (Antidepressiva)MedikamentösNur bei informierter Patientenpräferenz

Therapie der schwereren Depression

Hierbei sollten intensivere Therapien oder Kombinationen angeboten werden.

TherapieoptionFormatBemerkung
KombinationstherapieCBT + AntidepressivumKombiniert schnelle medikamentöse Wirkung mit langfristigen CBT-Effekten
Individuelle CBT / BAEinzeltherapie12-16 Sitzungen
AntidepressivaMedikamentösSSRI oder SNRI als erste Wahl
ProblemlösetherapieEinzeltherapie6-12 Sitzungen
IPT / STPP / BeratungEinzeltherapie12-16 Sitzungen

Pharmakotherapie: Antidepressiva

Einleitung und Monitoring

  • Wirkungseintritt: Patienten darüber aufklären, dass die Wirkung meist erst nach bis zu 4 Wochen eintritt.
  • Erstes Follow-up: Regulär nach 2 Wochen.
  • Engmaschiges Follow-up: Nach 1 Woche bei Patienten im Alter von 18-25 Jahren oder bei erhöhtem Suizidrisiko.
  • Dauer: Mindestens 6 Monate nach Remission der Symptome fortführen.

Absetzen von Antidepressiva

Das abrupte Absetzen führt häufig zu Absetzsymptomen (z. B. Schwindel, "Stromschlag"-Gefühle, Unruhe, Schlafstörungen).

  • Dosis schrittweise reduzieren ("Tapering").
  • Bei sehr niedrigen Dosen ggf. auf flüssige Präparate umstellen.
  • Bei schweren Absetzsymptomen: Ursprüngliche Dosis wieder ansetzen und danach langsamer reduzieren.

Augmentation und weitere Verfahren

Bei unzureichendem Ansprechen (nach 4 Wochen Medikation oder 4-6 Wochen Psychotherapie) können Strategien wie Dosissteigerung, Wechsel oder Augmentation erwogen werden.

Wirkstoff / VerfahrenIndikationMonitoring / Bemerkung
LithiumAugmentationSpiegelkontrolle (Ziel: ≥0,4 mmol/L), Nieren-/Schilddrüsenwerte, Calcium, EKG
AntipsychotikaAugmentation / Psychotische Depr.Gewicht, BZ/HbA1c, Lipide, EKG, Prolaktin
EKTSchwere, lebensbedrohliche DepressionWenn schnelle Response nötig (z. B. Nahrungsverweigerung) oder Therapieresistenz

Rückfallprävention

Patienten mit hohem Rückfallrisiko (häufige Episoden, Restsymptome, schwere Episoden) sollten die Antidepressiva-Dosis beibehalten, die zur Remission geführt hat. Alternativ oder ergänzend kann eine Gruppen-CBT oder MBCT (Mindfulness-Based Cognitive Therapy) zur Rückfallprävention (meist 8 Sitzungen) angeboten werden.

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie bei einer weniger schweren Depression (PHQ-9 < 16) nicht routinemäßig Antidepressiva als Erstlinientherapie. Klären Sie Patienten beim Absetzen von Antidepressiva aktiv über mögliche Absetzsymptome auf und reduzieren Sie die Dosis schrittweise (Tapering).

Häufig gestellte Fragen

Regulär nach 2 Wochen. Bei jungen Erwachsenen (18-25 Jahre) oder bei erhöhtem Suizidrisiko muss die Kontrolle bereits nach 1 Woche erfolgen.
Die Einteilung erfolgt in "weniger schwer" (PHQ-9 Score < 16) und "schwerer" (PHQ-9 Score ≥ 16).
Die Therapie sollte für mindestens 6 Monate nach Remission der Symptome fortgeführt werden, um einen Rückfall zu vermeiden.
Häufige Absetzsymptome sind Schwindel, "Stromschlag"-Gefühle (Brain Zaps), Unruhe, Schlafprobleme, Schwitzen und gastrointestinale Beschwerden.
Nein, sie sollten nicht routinemäßig als Erstlinientherapie angeboten werden, es sei denn, es ist die ausdrückliche Präferenz des Patienten. Bevorzugt werden psychologische Interventionen oder angeleitete Selbsthilfe.

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