Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew): StatPearls
Hintergrund
Die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die primär das Achsenskelett betrifft. Typische Merkmale sind chronische Rückenschmerzen, eine fortschreitende Versteifung der Wirbelsäule sowie die Beteiligung der Iliosakralgelenke und Enthesen.
Laut der StatPearls-Leitlinie manifestiert sich die Erkrankung bei etwa 80 % der Betroffenen vor dem 30. Lebensjahr. Es besteht eine starke Assoziation mit dem Vorhandensein des humanen Leukozytenantigens HLA-B27.
Neben den muskuloskelettalen Symptomen treten häufig extraartikuläre Manifestationen auf. Dazu gehören chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, akute anteriore Uveitis und Psoriasis. Zudem wird ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko beschrieben, das auf die systemische Entzündung zurückgeführt wird.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung:
Klinische Diagnostik
Es wird eine umfassende körperliche Untersuchung empfohlen, da die Erkrankung systemisch verläuft und mehrere Organsysteme betreffen kann. Ein zentrales Kriterium ist der entzündliche Rückenschmerz, der durch mindestens vier der folgenden fünf Merkmale definiert wird:
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Beginn der Symptomatik vor dem 40. Lebensjahr
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Schleichender Beginn der Beschwerden
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Besserung der Schmerzen durch Bewegung
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Keine Besserung durch Ruhe
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Nächtlicher Schmerz, der sich nach dem Aufstehen bessert
Laborchemisch zeigen sich bei 50 bis 70 % der Patienten erhöhte Entzündungsparameter (BSG und CRP). Die Leitlinie betont jedoch, dass normale Entzündungswerte eine Spondylitis ankylosans nicht ausschließen.
Bildgebung
Die konventionelle Röntgenuntersuchung gilt als primäre Bildgebungsmodalität. Typische radiologische Frühzeichen umfassen die "Quadratisierung" der Wirbelkörper sowie Romanus-Läsionen, während im Spätstadium eine "Bambuswirbelsäule" auftreten kann.
Für die Beurteilung der Sakroiliitis im Röntgenbild wird folgende standardisierte Einteilung verwendet:
| Grad | Radiologischer Befund |
|---|---|
| 0 | Normale Gelenkspaltweite, scharfe Gelenkränder |
| I | Verdächtige Veränderungen |
| II | Sklerosierung, vereinzelte Erosionen |
| III | Schwere Erosionen, Pseudodilatation des Gelenkspalts, partielle Ankylosierung |
| IV | Vollständige Ankylosierung |
Bei unauffälligem Röntgenbefund wird eine MRT-Untersuchung empfohlen. Diese kann frühe aktive entzündliche Läsionen wie Knochenmarködeme in den Iliosakralgelenken darstellen.
Medikamentöse Therapie
Als Erstlinientherapie wird die tägliche, langfristige Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) empfohlen. Das klinische Ansprechen auf NSAR sollte nach 4 bis 6 Wochen evaluiert werden.
Bei unzureichender Wirkung der NSAR wird der Einsatz von TNF-Inhibitoren (wie Adalimumab, Infliximab oder Etanercept) empfohlen. Deren Wirksamkeit sollte gemäß Leitlinie nach 12 Wochen beurteilt werden.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Es wird die Integration von regelmäßiger Bewegung, Haltungstraining und Physiotherapie in den Behandlungsplan empfohlen. Hydrotherapie wird aufgrund ihrer kardiovaskulären und schmerzlindernden Effekte besonders hervorgehoben.
Aufgrund der möglichen Lungenbeteiligung und der Gefahr einer restriktiven Ventilationsstörung wird eine strikte Raucherentwöhnung angeraten.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie wird vom Einsatz systemischer Glukokortikoide zur Behandlung der Spondylitis ankylosans abgeraten. Lokale Steroidinjektionen können jedoch in spezifischen Einzelfällen erwogen werden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie besteht bei Patienten mit Spondylitis ankylosans ein stark erhöhtes Risiko für vertebrale Frakturen und Subluxationen, insbesondere im Bereich der Halswirbelsäule. Es wird empfohlen, auch nach Bagatelltraumen einen hohen Verdacht auf Wirbelkörperfrakturen zu hegen, da diese Patienten besonders anfällig für neurologische Komplikationen sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie bessert sich der entzündliche Rückenschmerz durch Bewegung, jedoch nicht durch Ruhe. Mechanischer Rückenschmerz hingegen bessert sich typischerweise in Ruhe und tritt unabhängig vom Alter auf.
Die Leitlinie nennt chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (bei bis zu 50 % der Patienten), akute anteriore Uveitis und Psoriasis als häufige Begleiterkrankungen. Zudem besteht ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
Es wird empfohlen, das klinische Ansprechen auf TNF-Inhibitoren nach 12 Wochen zu überprüfen. Das Ansprechen auf die primäre NSAR-Therapie sollte bereits nach 4 bis 6 Wochen beurteilt werden.
Das MRT wird empfohlen, um subtile entzündliche Veränderungen wie Knochenmarködeme in den Iliosakralgelenken zu erkennen. Dies ist besonders wichtig, wenn konventionelle Röntgenbilder noch keine eindeutigen Veränderungen zeigen.
Nein, laut Leitlinie weisen nur etwa 50 bis 70 % der Patienten mit aktiver Erkrankung erhöhte Werte für BSG oder CRP auf. Normale Laborwerte schließen eine Spondylitis ankylosans daher nicht aus.
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Quelle: StatPearls: Ankylosing Spondylitis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.