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Sturzprävention im Alter: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Sturzrisiko-Scoring-Tools sollen nicht mehr zur Vorhersage des individuellen Sturzrisikos verwendet werden.
  • Im stationären und pflegerischen Bereich erhalten alle Patienten ein umfassendes Sturz-Assessment.
  • Im ambulanten Bereich ist ein umfassendes Assessment bei Frailty, Verletzungsfolgen, Bewusstseinsverlust oder rezidivierenden Stürzen indiziert.
  • Psychotrope Medikamente erhöhen das Sturzrisiko signifikant und sollten im Rahmen eines strukturierten Reviews kritisch geprüft und ggf. ausgeschlichen werden.
  • Körperliche Aktivität soll auch im Krankenhaus gefördert werden; Bettruhe zur reinen Sturzvermeidung wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (2025) zur Beurteilung und Prävention von Stürzen richtet sich an Personen ab 65 Jahren sowie an Personen zwischen 50 und 64 Jahren mit erhöhtem Sturzrisiko (z. B. bei Demenz, Parkinson oder Frailty). Ein zentraler Paradigmenwechsel der neuen Leitlinie ist die explizite Empfehlung, keine Sturzrisiko-Scoring-Tools mehr zur Vorhersage des individuellen Sturzrisikos zu verwenden, da diese eine unzureichende Genauigkeit aufweisen.

Indikation zum umfassenden Sturz-Assessment

Die Indikation für ein umfassendes Assessment unterscheidet sich je nach Setting. Im stationären Bereich (Krankenhaus und Pflegeheim) soll allen Personen ein umfassendes Sturz-Assessment angeboten werden. Im ambulanten Bereich erfolgt eine gezielte Selektion:

Kriterium (Ambulanter Bereich)Maßnahme
Sturz im letzten Jahr + FrailtyUmfassendes Assessment
Sturz im letzten Jahr + Verletzung/medizinische BehandlungUmfassendes Assessment
Sturz im letzten Jahr + BewusstseinsverlustUmfassendes Assessment
Sturz im letzten Jahr + Unfähigkeit, selbstständig aufzustehenUmfassendes Assessment
Mindestens 2 Stürze im letzten JahrUmfassendes Assessment
Sturz im letzten Jahr + Gang-/Gleichgewichtsstörung (ohne obige Kriterien)Sturzpräventions-Training & Wohnraumanpassung
Kein Sturz oder 1 Sturz ohne Gang-/GleichgewichtsstörungAllgemeine Beratung zu körperlicher Aktivität

Komponenten des umfassenden Sturz-Assessments

Das Assessment zielt darauf ab, individuelle und modifizierbare Risikofaktoren zu identifizieren. Es umfasst unter anderem:

KategorieSpezifische Untersuchungen
KardiovaskulärBlutdruckmessung (liegend und stehend), Abklärung von Schwindel (ggf. Dix-Hallpike-Manöver bei Vertigo)
Neurologisch & KognitivNeurologische Untersuchung, Kognition, Stimmung, Delir-Screening (im stationären Setting)
BewegungsapparatGang, Gleichgewicht, Mobilität, Muskelkraft, Fußstatus und Schuhwerk
MedikationStrukturiertes Medikamenten-Review (Fokus auf psychotrope Substanzen), Alkoholanamnese
AllgemeinSeh- und Hörvermögen, Urininkontinenz, Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Osteoporose-Risiko

Interventionen und Therapie

Die Interventionen müssen individuell auf die identifizierten Risikofaktoren zugeschnitten sein.

Ambulantes Setting

  • Medikamenten-Review: Überprüfung und ggf. Anpassung der Medikation. Bei psychotropen Medikamenten (Antidepressiva, Antipsychotika, Anxiolytika) soll das erhöhte Sturzrisiko besprochen und ein schrittweises Ausschleichen geplant werden.
  • Wohnraumanpassung: Durchführung eines Home Hazard Assessments mit einem validierten Tool, idealerweise durch einen Ergotherapeuten.
  • Körperliches Training: Angebot eines progressiven, maßgeschneiderten Trainingsprogramms mit Fokus auf Gleichgewicht, Koordination und Kraft.
  • Spezifische medizinische Interventionen: Überweisung zur Katarakt-Operation bei entsprechender Sehminderung. Bei unklaren Stürzen Abklärung einer kardioinhibitorischen Karotissinus-Hypersensibilität und ggf. Herzschrittmacher-Implantation.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Erwägen bei ausgeprägter Sturzangst, die sich durch körperliches Training nicht bessert.

Stationäres Setting (Krankenhaus und Pflegeheim)

MaßnahmeBemerkung
AktivitätsförderungPatienten ermutigen, aktiv zu bleiben. Keine Einschränkung der Mobilität zur reinen Sturzvermeidung.
UmgebungsanpassungAufklärung über die Nutzung von Bettbedienungen, Rufanlagen und Hilfsmitteln.
MedikationStrukturiertes Review, insbesondere Reduktion psychotroper Medikamente.
EntlassungsmanagementFrühzeitige Einbindung ambulanter Dienste zur Adressierung häuslicher Risikofaktoren.

Hinweis zu Vitamin D: Es gibt keine ausreichende Evidenz für die Gabe von Vitamin D spezifisch zur Sturzprävention. Die Einnahme soll sich nach den allgemeinen Richtlinien zur Erhaltung der Knochen- und Muskelgesundheit richten.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf isolierte Sturzrisiko-Scores. Fragen Sie stattdessen aktiv nach Stürzen im letzten Jahr und fokussieren Sie sich auf modifizierbare Risikofaktoren wie psychotrope Medikamente und orthostatische Hypotonie.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Leitlinie rät explizit von der Nutzung solcher Tools zur Vorhersage des Sturzrisikos ab, da sie ungenau sind.
Personen mit Stürzen im letzten Jahr, die zusätzlich Frailty aufweisen, sich verletzt haben, das Bewusstsein verloren haben, nicht selbstständig aufstehen konnten oder mindestens zweimal gestürzt sind.
Es gibt keine ausreichende Evidenz für Vitamin D spezifisch zur Sturzprävention. Es sollte nur nach den allgemeinen Richtlinien zur Knochen- und Muskelgesundheit substituiert werden.
Sie sollten im Rahmen eines strukturierten Medikamenten-Reviews überprüft, mit dem Patienten besprochen und nach Möglichkeit schrittweise ausgeschlichen werden, da sie das Sturzrisiko erhöhen.

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