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Katarakt-OP bei Erwachsenen: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Indikation zur Katarakt-Operation darf nicht alleinig auf Basis der Sehschärfe (Visus) eingeschränkt werden.
  • Zur Biometrie wird primär die optische Messung empfohlen; die Formelwahl richtet sich nach der Achslänge.
  • Multifokale Intraokularlinsen (IOL) und retrobulbäre Anästhesieverfahren sollen nicht angeboten werden.
  • Zur Endophthalmitis-Prophylaxe wird intrakamerales Cefuroxim empfohlen.
  • Eine routinemäßige Kontrolle am ersten postoperativen Tag ist bei unkomplizierten Verläufen nicht indiziert.
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Hintergrund

Die Katarakt (Grauer Star) führt durch Trübung der Augenlinse zu einer fortschreitenden Sehverschlechterung und Einschränkung der Lebensqualität. Die Katarakt-Operation ist ein hochgradig standardisierter und häufiger Eingriff. Die vorliegende NICE-Leitlinie definiert evidenzbasierte Standards für den gesamten Behandlungspfad bei Erwachsenen ab 18 Jahren.

Indikation und Überweisung

Die Entscheidung zur Operation basiert auf einer gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) mit dem Patienten.

  • Keine Visus-Grenzen: Der Zugang zur Katarakt-Operation darf nicht auf Basis der reinen Sehschärfe eingeschränkt werden.
  • Entscheidungskriterien: Ausschlaggebend sind die Auswirkungen auf die Lebensqualität, das Sehvermögen im Alltag sowie die individuellen Risiken und der Wunsch des Patienten.

Präoperative Diagnostik und Biometrie

Standardmäßig soll die optische Biometrie zur Messung der Achslänge verwendet werden. Ultraschall-Biometrie ist nur indiziert, wenn optische Verfahren nicht möglich sind oder keine genauen Messwerte liefern. Die Hornhautkrümmung wird mittels Keratometrie bestimmt.

Biometrie-Formeln nach Achslänge

Für Patienten ohne vorherige refraktive Hornhautchirurgie gelten folgende Empfehlungen zur Berechnung der Intraokularlinse (IOL):

AchslängeEmpfohlene FormelAlternative
< 22,00 mmHaigis oder Hoffer Q-
22,00 - 26,00 mmBarrett Universal IISRK/T (falls Barrett nicht installiert)
> 26,00 mmHaigis oder SRK/T-

Bei Zustand nach refraktiver Hornhautchirurgie ist die veränderte Relation zwischen anteriorer und posteriorer Hornhautkrümmung zu berücksichtigen. Standard-Biometrie oder rein historische Daten reichen hier nicht aus.

Intraokularlinsen (IOL) und Refraktion

  • Multifokallinsen: Sollen für die Katarakt-Chirurgie nicht angeboten werden.
  • Monovision: Kann Patienten angeboten werden, die bereits präoperativ eine Anisometropie oder Monovision aufweisen und diese beibehalten möchten.
  • Astigmatismus: Zur Reduktion eines postoperativen Astigmatismus können "On-axis"-Inzisionen oder limbal-relaxierende Inzisionen (LRI) erwogen werden.

Anästhesie

VerfahrenEmpfehlungBemerkung
Sub-Tenon / TopischEmpfohlenMit oder ohne intrakamerale Gabe
PeribulbärErwägenNur wenn sub-Tenon/topisch kontraindiziert
RetrobulbärNicht empfohlenDarf nicht angeboten werden

Zusatzmaßnahmen: Eine Sedierung durch einen erfahrenen Anästhesisten kann bei hoher Angst, muskuloskelettalen Problemen oder langer OP-Dauer erwogen werden. Hyaluronidase kann als Zusatz zur sub-Tenon-Anästhesie zur Akinesie des Auges genutzt werden.

Komplikationsmanagement und Prophylaxe

  • Endophthalmitis: Standardmäßige präoperative Antiseptika und intrakamerales Cefuroxim während der OP verwenden. Um Verdünnungsfehler zu vermeiden, sollen kommerziell oder apothekenüblich hergestellte Lösungen genutzt werden.
  • Floppy-Iris-Syndrom: Intrakamerales Phenylephrin zur Pupillenerweiterung bei Risikopatienten erwägen.
  • Kapselspannringe: Nicht bei unkomplizierter Routine-OP verwenden. Bei Pseudoexfoliationssyndrom erwägen.
  • Zystoides Makulaödem (CMO): Topische Steroide in Kombination mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAID) zur Prophylaxe (besonders bei erhöhtem Risiko wie Diabetes oder Uveitis) und zur Therapie erwägen.

Patientensicherheit: Vermeidung falscher Linsen

Um die Implantation einer falschen Linse (Never Event) zu verhindern, gelten strenge Sicherheitsvorgaben:

  • Biometrie-Ergebnisse dürfen niemals händisch übertragen werden.
  • Nutzung einer modifizierten WHO-Sicherheitscheckliste zur Verifizierung von Identität, Auge und Linse.
  • Vor der Anästhesie darf sich immer nur eine IOL (die für den Patienten bestimmte) im OP-Saal befinden, plus identische Ersatzlinsen und Alternativen für Komplikationen.

Postoperative Nachsorge

  • Keine routinemäßige persönliche Vorstellung am ersten postoperativen Tag nach unkomplizierter Operation.
  • Bei Entlassung mit noch wirksamer Anästhesie ist ein Augenschutz anzubringen.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie für die Linsenberechnung des zweiten Auges 50 % des Vorhersagefehlers (Prediction Error) des ersten Auges. Übertragen Sie Biometrie-Daten niemals händisch, um Linsenverwechslungen konsequent zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, den Zugang zur Operation alleinig auf Basis der Sehschärfe zu beschränken.
Bei einer Achslänge zwischen 22,00 und 26,00 mm wird primär die Barrett Universal II Formel empfohlen, alternativ SRK/T.
Nein, laut NICE-Leitlinie sollen multifokale Intraokularlinsen nicht routinemäßig angeboten werden.
Die retrobulbäre Anästhesie soll für Katarakt-Operationen nicht mehr angeboten werden. Bevorzugt werden sub-Tenon oder topische Verfahren.
Nein, nach einer unkomplizierten Katarakt-Operation soll keine routinemäßige persönliche Kontrolle am ersten Tag erfolgen.

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