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Entscheidungsfindung & Advance Care Planning: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die mentale Kapazität eines Patienten muss stets vorausgesetzt werden, bis das Gegenteil bewiesen ist.
  • Eine fehlende Entscheidungsfähigkeit ist immer entscheidungsspezifisch und zeitbezogen zu beurteilen.
  • Unvernünftige Entscheidungen allein sind kein Beweis für eine fehlende mentale Kapazität.
  • Advance Care Planning (ACP) sollte allen Personen mit Risiko für einen Kapazitätsverlust angeboten werden.
  • Entscheidungen für nicht-einwilligungsfähige Patienten müssen zwingend in deren bestem Interesse (Best Interests) getroffen werden.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (NG108) adressiert die Entscheidungsfindung bei Personen ab 16 Jahren, die aktuell oder zukünftig nicht einwilligungsfähig sein könnten. Sie basiert auf dem Mental Capacity Act 2005 und zielt darauf ab, Patienten bei der eigenen Entscheidungsfindung zu unterstützen und sicherzustellen, dass nicht-einwilligungsfähige Personen im Zentrum des Entscheidungsprozesses bleiben.

Die 5 Kernprinzipien der Entscheidungsfindung

Jeder Behandler, der an Entscheidungen für Personen mit potenziell fehlender Kapazität beteiligt ist, muss folgende Prinzipien beachten:

PrinzipBeschreibung
1. Vermutung der KapazitätEine Person gilt als einwilligungsfähig, bis das Gegenteil bewiesen ist.
2. UnterstützungEine Person gilt erst dann als nicht entscheidungsfähig, wenn alle praktikablen Schritte zur Unterstützung erfolglos blieben.
3. Unvernünftige EntscheidungenEine Person darf nicht allein deshalb als nicht entscheidungsfähig gelten, weil sie eine unvernünftige Entscheidung trifft.
4. Bestes InteresseHandlungen oder Entscheidungen für nicht-einwilligungsfähige Personen müssen in deren bestem Interesse erfolgen.
5. Geringste EinschränkungVor einer Entscheidung muss geprüft werden, ob das Ziel auf einem Weg erreicht werden kann, der die Rechte und Freiheiten der Person weniger einschränkt.

Advance Care Planning (ACP)

Advance Care Planning ist ein freiwilliger Prozess zur Planung zukünftiger Pflege- und Behandlungsbedürfnisse. Es ermöglicht Patienten, ihre Autonomie bestmöglich auszuüben.

  • Zeitpunkt: Ein Gespräch über ACP sollte zum geeignetsten Zeitpunkt nach der Diagnose einer lebenslimitierenden oder chronischen Erkrankung angeboten werden.
  • Einbezug: Wenn der Patient zustimmt, sollten Angehörige, Freunde oder Fürsprecher (Advocates) in die Diskussionen einbezogen werden.
  • Dokumentation: Wünsche, Überzeugungen und Präferenzen müssen in einem zugänglichen Dokument festgehalten und bei Behandlungsüberprüfungen regelmäßig aktualisiert werden.
  • Joint Crisis Planning: Sollte Personen mit einer diagnostizierten psychischen Störung und einem bewerteten Rückfallrisiko angeboten werden.

Beurteilung der mentalen Kapazität

Die Beurteilung der mentalen Kapazität ist entscheidungsspezifisch und zeitbezogen. Ein Mangel an Kapazität kann nicht allein aus dem Zustand oder Verhalten einer Person abgeleitet werden.

Kriterium für fehlende KapazitätErklärung
UrsacheEs liegt eine Beeinträchtigung oder Störung der Funktion von Geist oder Gehirn vor.
VerstehenDie Person ist unfähig, die für die spezifische Entscheidung relevanten Informationen zu verstehen.
BehaltenDie Person ist unfähig, diese Informationen lange genug zu behalten, um die Entscheidung zu treffen.
AbwägenDie Person ist unfähig, die Informationen im Entscheidungsprozess zu nutzen oder abzuwägen.
KommunikationDie Person ist unfähig, ihre Entscheidung mitzuteilen (z.B. durch Sprechen, Gebärden oder andere Hilfsmittel).

Best Interests Decision-Making

Wenn eine Person nicht über die Kapazität verfügt, eine Entscheidung zu treffen, muss der identifizierte Entscheidungsträger (z.B. Arzt, Bevollmächtigter) im besten Interesse der Person handeln.

  • Einbezug des Patienten: Es müssen alle zumutbaren Schritte unternommen werden, um die Ansichten der Person einzuholen.
  • Konsultation: Sofern es nicht dem besten Interesse widerspricht, müssen Angehörige, Freunde, Bevollmächtigte oder Anwälte konsultiert werden, um die Werte, Gefühle und Überzeugungen des Patienten zu ermitteln.
  • Dokumentation: Die abgewogenen Optionen, die Wünsche des Patienten und die Begründung für die getroffene Entscheidung müssen klar dokumentiert werden. Stimmt die Entscheidung nicht mit den Wünschen des Patienten überein, muss dies explizit begründet werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei der Kapazitätsbeurteilung alle verfügbaren Kommunikationshilfen und beziehen Sie Angehörige ein, bevor Sie eine fehlende Entscheidungsfähigkeit feststellen. Dokumentieren Sie bei Best-Interests-Entscheidungen immer, warum eine weniger einschränkende Alternative nicht gewählt wurde.

Häufig gestellte Fragen

Wenn er aufgrund einer Beeinträchtigung von Geist oder Gehirn relevante Informationen für eine spezifische Entscheidung nicht verstehen, behalten, abwägen oder kommunizieren kann.
Ja, eine unvernünftige Entscheidung allein ist laut Leitlinie kein Beweis für eine fehlende mentale Kapazität.
Ein freiwilliger Prozess zur Planung zukünftiger Pflege- und Behandlungsbedürfnisse für den Fall eines späteren Kapazitätsverlusts.
Der identifizierte Entscheidungsträger (z.B. der behandelnde Arzt oder ein gerichtlich bestellter Betreuer) muss die Entscheidung im besten Interesse ('Best Interests') des Patienten treffen.

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