Trauma-Assessment: ABCDE-Schema und Primary Survey
Hintergrund
Traumata gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen bei jungen Menschen. In den USA sind sie die führende Todesursache bei jungen Erwachsenen und für zehn Prozent aller Todesfälle verantwortlich.
Zu den häufigsten tödlichen Komplikationen bei Trauma-Opfern zählen Blutungen, Herz-Lungen-Stillstand und Multiorganversagen.
Die StatPearls-Leitlinie betont, dass die Beurteilung von Traumapatienten ein organisiertes und systematisches Vorgehen erfordert. Ziel ist es, unmittelbare Lebensbedrohungen schnell zu identifizieren und die betroffene Person zu stabilisieren.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Trauma Assessment:
Vorbereitung und Teamorganisation
Laut Leitlinie beginnt die Beurteilung bereits vor Eintreffen der betroffenen Person durch die Informationssammlung des Rettungsdienstes. Es wird empfohlen, das Schockraumteam frühzeitig zusammenzustellen und die benötigte Ausrüstung vorzubereiten.
Die Leitlinie fordert die klare Zuweisung von Rollen, einschließlich einer eindeutigen Teamleitung. Diese Person sollte die Entscheidungsfindung steuern und eine geschlossene Kommunikation ("closed-loop communication") sicherstellen.
Primary Survey (ABCDE-Schema)
Es wird empfohlen, die primäre Beurteilung strikt nach dem ABCDE-Schema durchzuführen:
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Airway (Atemwege): Die Durchgängigkeit der Atemwege ist zu prüfen. Bei Bewusstlosigkeit oder fehlenden Schutzreflexen wird eine sofortige Intubation unter manueller In-line-Stabilisierung der Halswirbelsäule empfohlen.
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Breathing (Belüftung): Der Brustkorb ist auf Verletzungen, paradoxe Atembewegungen und verminderte Atemgeräusche zu untersuchen. Bei Anzeichen eines Spannungspneumothorax wird eine sofortige Nadeldekompression oder Thoraxdrainage empfohlen.
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Circulation (Kreislauf): Die Blutungskontrolle hat höchste Priorität. Bei massiven Blutungen der Extremitäten wird die Anlage eines Tourniquets empfohlen.
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Disability (Neurologie): Das Bewusstsein ist mittels Glasgow Coma Scale (GCS) zu beurteilen. Bei einem GCS-Wert von 8 oder weniger wird eine definitive Atemwegssicherung empfohlen.
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Exposure (Entkleidung): Die vollständige Entkleidung zur Untersuchung wird gefordert, wobei gleichzeitig auf einen strikten Wärmeerhalt zur Vermeidung einer Hypothermie geachtet werden muss.
Volumentherapie und Diagnostik
Zur Kreislaufstabilisierung wird die frühzeitige Anlage von zwei großlumigen peripheren Zugängen oder eines intraossären Zugangs empfohlen. Bei anhaltendem Volumenbedarf und Blutungsverdacht bevorzugt die Leitlinie die Gabe von Blutprodukten in einem Verhältnis von 1:1:1 (Erythrozytenkonzentrat : Plasma : Thrombozyten).
Die Sonographie (FAST- oder eFAST-Untersuchung) wird als primäres Diagnostikum zur Erkennung intraabdomineller Blutungen, eines Pneumothorax oder einer Herzbeuteltamponade empfohlen.
Secondary Survey
Sobald eine hämodynamische Stabilität erreicht ist und keine sofortige Operation ansteht, wird die Durchführung des Secondary Surveys empfohlen. Dieser umfasst eine detaillierte Anamnese zum Unfallhergang sowie eine vollständige körperliche Untersuchung von Kopf bis Fuß.
Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder CT-Scans werden gemäß Leitlinie nur bei hämodynamisch stabilen Personen empfohlen. Instabile Personen dürfen den Schockraum für diese Untersuchungen nicht verlassen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor folgenden Vorgehensweisen im Rahmen des Trauma Assessments:
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Fortsetzen der Untersuchungsschritte bei klinischer Verschlechterung (stattdessen wird ein sofortiger Neustart des ABCDE-Schemas gefordert).
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Ablenkung durch offensichtliche, aber nicht unmittelbar lebensbedrohliche Verletzungen (z. B. offene Frakturen oder Verbrennungen).
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Transport von hämodynamisch instabilen Personen aus dem Schockraum in die radiologische Diagnostik (z. B. CT).
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Anlage eines Blasenkatheters ohne vorherige urologische Abklärung, wenn Blut am Meatus urethrae sichtbar ist.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, sich bei der Erstversorgung nicht von offensichtlichen, dramatisch aussehenden Verletzungen wie offenen Frakturen oder Verbrennungen ablenken zu lassen. Es wird betont, dass bei jeder klinischen Verschlechterung der betroffenen Person die aktuelle Untersuchung sofort abgebrochen und das ABCDE-Schema wieder von vorne begonnen werden muss. Zudem warnt die Leitlinie ausdrücklich davor, hämodynamisch instabile Personen für bildgebende Diagnostik wie CT-Scans aus dem Schockraum zu verlegen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie können initial isotone kristalloide Lösungen verabreicht werden. Bei anhaltendem Volumenbedarf und Blutungsverdacht wird jedoch die Gabe von Blutprodukten in einem Verhältnis von 1:1:1 (Erythrozyten, Plasma, Thrombozyten) empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt eine sofortige Intubation, wenn die betroffene Person bewusstlos ist, die Atemwege nicht selbstständig schützen kann oder einen Glasgow Coma Scale (GCS) von 8 oder weniger aufweist. Dabei muss die Halswirbelsäule immobilisiert bleiben.
Nein, die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, hämodynamisch instabile Personen für bildgebende Untersuchungen wie CT-Scans aus dem Schockraum zu verlegen.
Es wird empfohlen, die Person zur vollständigen Untersuchung komplett zu entkleiden. Gleichzeitig betont die Leitlinie die Wichtigkeit des Wärmeerhalts, da eine Hypothermie zu einem Multiorganversagen führen kann.
Die Leitlinie empfiehlt zunächst den Versuch einer Blutungskontrolle durch direkten Druck. Bei arteriellen Blutungen an einer Extremität wird die Anlage eines Tourniquets empfohlen.
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Quelle: StatPearls: Trauma Assessment (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
StatPearls: Trauma Care Principles
StatPearls: Trauma Primary Survey
StatPearls: Polytraumatized Patient
StatPearls: Trauma Secondary Survey
StatPearls: EMS Chest Injury
StatPearls: Blunt Force Trauma
StatPearls: Physiology, Trauma
StatPearls: Waddell Triad
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