Grippeimpfung: Leitlinie zur Steigerung der Impfquote (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Ein Multikomponenten-Ansatz ist am effektivsten, um die Impfquote bei der Grippeimpfung zu steigern.
- •Jede Interaktion mit dem Gesundheitssystem sollte genutzt werden, um berechtigten Personen die Impfung anzubieten.
- •Elektronische Patientenakten sollten Erinnerungsfunktionen (Prompts) enthalten, um auf ungeimpfte Risikopatienten hinzuweisen.
- •Gesundheits- und Sozialpersonal mit direktem Patientenkontakt sollte vom Arbeitgeber geimpft werden.
- •Kinder ab 2 Jahren erhalten standardmäßig den Lebendimpfstoff als Nasenspray, Erwachsene den Totimpfstoff als Injektion.
Hintergrund
Die jährliche Grippewelle führt zu erheblicher Morbidität und Mortalität. Die NICE-Leitlinie empfiehlt evidenzbasierte Strategien, um die Impfquote in definierten Zielgruppen zu erhöhen. Zu den primären Zielgruppen gehören Kinder, Personen mit klinischen Risikofaktoren, Schwangere, pflegende Angehörige (Carer) sowie medizinisches Personal.
Klinische Risikogruppen
Personen mit bestimmten Vorerkrankungen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen. Sie müssen systematisch identifiziert und geimpft werden:
| Risikogruppe | Beispiele / Definition |
|---|---|
| Chronische Atemwegserkrankungen | Asthma (mit Steroidbedarf oder Exazerbationen), COPD, Bronchiektasen |
| Chronische Herzerkrankungen | Chronische Herzkrankheiten |
| Chronische Nierenerkrankungen | Stadium 3 oder höher |
| Chronische Lebererkrankungen | Chronische Lebererkrankungen (höchstes relatives Mortalitätsrisiko) |
| Chronische neurologische Erkrankungen | Parkinson, Motoneuron-Erkrankungen, Lernbehinderungen |
| Stoffwechselerkrankungen | Diabetes mellitus |
| Immunsuppression | Durch Erkrankung (z. B. HIV/AIDS) oder Therapie (Chemotherapie, hochdosierte Kortikosteroide) |
| Milzfunktionsstörungen | Asplenie, Sichelzellanämie, Zöliakie |
| Morbide Adipositas | Erwachsene mit einem BMI ≥ 40 |
Multikomponenten-Ansatz
Um die Impfquote signifikant zu steigern, wird ein Multikomponenten-Ansatz empfohlen. Dieser kombiniert Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage (Aufklärung) und des Angebots (Zugänglichkeit).
| Stufe | Maßnahme | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Sensibilisierung | Aufklärung von Personal und Patienten | Mythen ausräumen (z. B. "Impfung löst Grippe aus") |
| 2. Identifikation | Nutzung von Patientenakten und Registern | Erinnerungsfunktionen (Prompts) in der Software nutzen |
| 3. Angebot | Opportunistische und systematische Ansprache | Jede Konsultation (z. B. Rezeptabholung, Vorsorge) nutzen |
| 4. Zugang | Flexible Impfzeiten und -orte | Abend-/Wochenendtermine, Apotheken, aufsuchende Angebote |
Impfstoff-Applikation
Die Wahl des Impfstoffs richtet sich nach dem Alter und den Vorerkrankungen des Patienten:
| Zielgruppe | Impfstoff / Applikation | Ausnahmen / Bemerkung |
|---|---|---|
| Kinder (ab 2 Jahren) | Lebendimpfstoff (LAIV) als Nasenspray | Injektion bei Kontraindikationen (z. B. schwere Immunsuppression im Umfeld) |
| Erwachsene | Totimpfstoff als Injektion | Standardverfahren für alle erwachsenen Risikogruppen |
Personal im Gesundheits- und Sozialwesen
Arbeitgeber sind dafür verantwortlich, allen Mitarbeitern mit direktem Patientenkontakt die Grippeimpfung anzubieten. Dies dient dem Eigenschutz, dem Schutz der Patienten und der Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung. Es wird empfohlen, Impfangebote direkt am Arbeitsplatz (z. B. durch mobile Teams, in Kantinen oder bei Schichtwechseln) zu etablieren und eine "Full Participation Strategy" (Opt-out-Modell) zu erwägen.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie Routine- und Facharzttermine (z. B. in der Schwangerenvorsorge, bei chronischen Erkrankungen oder der Rezeptabholung) konsequent als Gelegenheit, um die Grippeimpfung aktiv anzubieten und idealerweise direkt durchzuführen.