Influenza-Impfung: Verhaltensfaktoren (WHO-Leitlinie)
📋Auf einen Blick
- •Die WHO empfiehlt die systematische Erfassung verhaltensbezogener und sozialer Treiber (BeSD), um die Influenza-Impfquote zu steigern.
- •Fokusgruppen sind Gesundheitspersonal, Schwangere, ältere Erwachsene und Personen mit chronischen Erkrankungen.
- •Das BeSD-Framework umfasst vier Domänen: Denken und Fühlen, Soziale Prozesse, Motivation und Praktische Aspekte.
- •Zur Datenerhebung werden standardisierte Umfragen mit 5 Prioritätsindikatoren sowie Leitfäden für Tiefeninterviews bereitgestellt.
- •Umfragefragen und Antwortoptionen dürfen bei der lokalen Anpassung nicht verändert werden, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
Hintergrund
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt allen Ländern die Implementierung von Programmen zur saisonalen Influenza-Impfung. Um suboptimale Impfquoten zu verbessern, wurde ein evidenzbasiertes Framework zu den verhaltensbezogenen und sozialen Treibern (Behavioural and Social Drivers, BeSD) der Impfung entwickelt. Die systematische Erfassung dieser Daten dient dazu, Gründe für eine niedrige Inanspruchnahme zu verstehen, Trends zu verfolgen und zielgerichtete Interventionen zu evaluieren.
Die WHO definiert vier primäre Zielgruppen für die Influenza-Impfung:
- Gesundheitspersonal
- Schwangere Personen
- Ältere Erwachsene
- Erwachsene mit chronischen Erkrankungen
Das BeSD-Framework
Das Framework zur Untersuchung der Impfbereitschaft unterteilt sich in vier Hauptdomänen, die messbare und potenziell modifizierbare Überzeugungen und Erfahrungen abbilden:
| Domäne | Beschreibung | Konstrukte (Beispiele) |
|---|---|---|
| Denken und Fühlen | Kognitive und emotionale Reaktionen auf Krankheit und Impfung | Wahrgenommenes Risiko, Vertrauen in Impfnutzen und -sicherheit |
| Soziale Prozesse | Soziale Erfahrungen und Normen bezüglich Impfungen | Empfehlung durch Gesundheitspersonal, familiäre Normen |
| Motivation | Bereitschaft zur Impfung | Impfabsicht (Intention) |
| Praktische Aspekte | Erfahrungen bei dem Versuch, sich impfen zu lassen | Erreichbarkeit, Bezahlbarkeit, Servicequalität |
Prioritätsindikatoren
Für Kurzbefragungen oder wenn die vollständige Umfrage nicht anwendbar ist, empfiehlt die WHO mindestens die Erfassung von fünf Prioritätsindikatoren:
| Domäne | Konstrukt | Prioritätsfrage | Indikator |
|---|---|---|---|
| Denken und Fühlen | Vertrauen in den Impfnutzen | Wie wichtig ist die Influenza-Impfung für Ihre Gesundheit? | % der Befragten, die "mäßig" oder "sehr" wichtig antworten |
| Soziale Prozesse | Familiäre Normen | Denken Sie, dass die meisten Ihrer engen Familienmitglieder und Freunde möchten, dass Sie sich impfen lassen? | % der Befragten, die mit "JA" antworten |
| Motivation | Impfabsicht | Möchten Sie sich in der nächsten Grippesaison gegen Influenza impfen lassen? | % der Befragten, die sich impfen lassen möchten |
| Praktische Aspekte | Wissen über Impforte | Wissen Sie, wo Sie hingehen können, um die Influenza-Impfung zu erhalten? | % der Befragten, die mit "JA" antworten |
| Praktische Aspekte | Bezahlbarkeit | Wie einfach ist es für Sie, für die Influenza-Impfung zu bezahlen? | % der Befragten, für die es "mäßig" oder "sehr" einfach bzw. kostenlos ist |
Implementierung und Datenerhebung
Die Leitlinie stellt spezifische Umfragen (27 Fragen für Erwachsene, plus Zusatzfragen für Gesundheitspersonal und Schwangere) sowie Leitfäden für Tiefeninterviews zur Verfügung.
Wichtige Grundregeln für die Anwendung:
- Keine Änderung der Kernfragen: Um die Validität und Vergleichbarkeit zu wahren, dürfen die Fragen und Antwortoptionen (z. B. "nein/ja", "gar nicht/ein wenig/mäßig/sehr") nicht verändert werden.
- Keine "Weiß nicht"-Optionen hinzufügen: Ausnahmen gelten nur, wenn in der Population eine sehr hohe Unsicherheit zu erwarten ist.
- Vorsicht bei Einrichtungs-basierten Daten: Die Befragung von Personen, die bereits eine Gesundheitseinrichtung zur Impfung aufsuchen, führt zu einem Bias (Verzerrung hin zu bereits motivierten Personen).
- Lokale Anpassung: Die Übersetzung in lokale Sprachen sollte durch parallele Übersetzung und anschließende kognitive Interviews (8-10 Personen pro Zielgruppe) validiert werden.
💡Praxis-Tipp
Verändern Sie bei der Anpassung der WHO-Umfragen an Ihren lokalen Kontext niemals die Kernfragen oder Antwortoptionen (wie 'nein/ja' oder 'gar nicht/ein wenig/mäßig/sehr'), um die Validität und Vergleichbarkeit der Daten nicht zu gefährden.