COPD-Exazerbation: Antibiotika-Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Nicht jede akute COPD-Exazerbation erfordert Antibiotika, da viele durch Viren oder Umweltfaktoren ausgelöst werden.
- •Entscheidend für die Indikation sind Sputumveränderungen (Farbe, Menge, Zähigkeit) sowie der klinische Schweregrad.
- •Die Standard-Therapiedauer für unkomplizierte orale Antibiotikagaben beträgt 5 Tage.
- •Mittel der ersten Wahl sind Amoxicillin, Doxycyclin oder Clarithromycin.
- •Intravenöse Antibiotika sollten nach 48 Stunden überprüft und möglichst auf eine orale Therapie umgestellt werden.
Hintergrund
Eine akute Exazerbation der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist definiert als eine anhaltende Verschlechterung der Symptome über die normalen Tagesschwankungen hinaus. Auslöser sind vielfältig und umfassen häufig virale Infektionen oder Umweltfaktoren (z. B. Rauchen). Nur etwa die Hälfte aller Exazerbationen wird durch bakterielle Infektionen verursacht.
Zur klinischen Einteilung der Exazerbation werden häufig die drei Kardinalsymptome nach Anthonisen herangezogen:
| Symptom | Beschreibung |
|---|---|
| 1 | Zunehmende Atemnot (Dyspnoe) |
| 2 | Erhöhtes Sputumvolumen |
| 3 | Eitriges Sputum (Purulenz) |
(Typ 1 = alle 3 Symptome; Typ 2 = 2 Symptome; Typ 3 = 1 Kardinalsymptom + Nebensymptome)
Indikationsstellung für Antibiotika
Ein Antibiotikum sollte bei einer akuten COPD-Exazerbation nur nach individueller Abwägung erwogen werden. Folgende Faktoren sind zu berücksichtigen:
- Schweregrad der Symptome, insbesondere Veränderungen der Sputumfarbe sowie Zunahme von Volumen oder Zähigkeit.
- Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung.
- Bisherige Exazerbations- und Hospitalisierungsanamnese sowie das Risiko für Komplikationen.
- Vorherige Sputumkulturen und Resistenztestungen.
- Das Risiko einer Antibiotikaresistenz durch wiederholte Therapien.
Wichtig: Wenn eine Sputumkultur angelegt wurde und die Ergebnisse vorliegen, sollte das Antibiotikum nur dann gewechselt werden, wenn die Bakterien resistent sind und sich die Symptome noch nicht gebessert haben. Es sollte stets ein möglichst schmalspektriges Antibiotikum gewählt werden.
Orale Antibiotikatherapie
Orale Antibiotika sind die erste Wahl, sofern der Patient Medikamente oral einnehmen kann und der Schweregrad keine intravenöse Therapie erfordert. Die empfohlene Therapiedauer beträgt 5 Tage.
| Stufe | Wirkstoff | Dosierung | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 1. Wahl | Amoxicillin | 500 mg 3x täglich | Standardtherapie |
| 1. Wahl | Doxycyclin | 200 mg an Tag 1, dann 100 mg 1x täglich | 5 Tage Gesamtdauer |
| 1. Wahl | Clarithromycin | 500 mg 2x täglich | Standardtherapie |
| Alternative | Amoxicillin/Clavulansäure | 500/125 mg 3x täglich | Bei hohem Risiko für Therapieversagen |
| Alternative | Cotrimoxazol | 960 mg 2x täglich | Nur bei nachgewiesener Sensibilität |
| Alternative | Levofloxacin | 500 mg 1x täglich | Nur wenn andere Mittel ungeeignet sind (Sicherheitshinweise beachten!) |
Hinweis zu Fluorchinolonen (Levofloxacin): Aufgrund des Risikos für schwerwiegende, potenziell irreversible Nebenwirkungen an Sehnen, Muskeln und Nervensystem dürfen diese nur verschrieben werden, wenn andere empfohlene Antibiotika ungeeignet sind.
Intravenöse Antibiotikatherapie
Intravenöse Antibiotika sind indiziert, wenn der Patient keine oralen Medikamente einnehmen kann oder systemisch schwer erkrankt ist. Die i.v.-Therapie muss nach 48 Stunden überprüft werden, um nach Möglichkeit auf orale Antibiotika umzustellen (Step-down).
| Wirkstoff | Dosierung (Erwachsene) |
|---|---|
| Amoxicillin | 500 mg 3x täglich |
| Amoxicillin/Clavulansäure | 1,2 g 3x täglich |
| Clarithromycin | 500 mg 2x täglich |
| Cotrimoxazol | 960 mg 2x täglich |
| Piperacillin/Tazobactam | 4,5 g 3x täglich |
(Bei fehlendem Ansprechen auf die 1. Wahl i.v. sollte ein lokaler Mikrobiologe konsultiert und die Therapie nach Antibiogramm gesteuert werden.)
Patientenaufklärung und Reevaluation
Patienten, die ein Antibiotikum erhalten, müssen darüber aufgeklärt werden, dass:
- Nebenwirkungen wie Diarrhö auftreten können.
- die Symptome nach Abschluss der 5-tägigen Kur möglicherweise noch nicht vollständig abgeklungen sind.
- sie umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen müssen, wenn sich die Symptome rasch verschlechtern, nach 2 bis 3 Tagen nicht bessern oder sie sich systemisch sehr krank fühlen.
Auch Patienten, die kein Antibiotikum erhalten, müssen angewiesen werden, sich bei rascher Verschlechterung (insbesondere bei Sputumveränderungen) sofort wieder vorzustellen.
💡Praxis-Tipp
Überprüfen Sie intravenöse Antibiotikagaben konsequent nach 48 Stunden und stellen Sie, wenn klinisch möglich, auf eine orale Therapie um. Wechseln Sie ein empirisch angesetztes Antibiotikum bei Vorliegen des Antibiogramms nur, wenn der Erreger resistent ist UND der Patient klinisch nicht profitiert.