COPD-Leitlinie: Diagnostik & Therapie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Diagnosestellung bei Patienten >35 Jahre mit Risikofaktoren (Rauchen) und typischen Symptomen mittels Post-Bronchodilatator-Spirometrie (FEV1/FVC < 0,7).
- •Die Schweregradeinteilung erfolgt anhand der FEV1-Minderung und der MRC-Dyspnoe-Skala.
- •Basis der medikamentösen Dauertherapie sind kurzwirksame Bronchodilatatoren (SABA/SAMA), gefolgt von LAMA+LABA oder LABA+ICS bei asthmatischer Komponente.
- •Eine prophylaktische Antibiose mit Azithromycin kann bei Nichtrauchern mit häufigen Exazerbationen erwogen werden.
- •Bei akuten Exazerbationen werden 30 mg Prednisolon oral für 5 Tage empfohlen.
Hintergrund
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) erfordert eine strukturierte Diagnostik und ein stadiengerechtes Management. Die Diagnose basiert auf der klinischen Präsentation und wird durch die Spirometrie gesichert.
Diagnostik
Verdacht auf COPD: Bei Patienten über 35 Jahren mit Risikofaktoren (meist Rauchen) und mindestens einem der folgenden Symptome:
- Belastungsdyspnoe
- Chronischer Husten
- Regelmäßige Sputumproduktion
- Häufige winterliche "Bronchitis"
- Giemen
Spirometrie: Zur Bestätigung der Diagnose muss eine Post-Bronchodilatator-Spirometrie durchgeführt werden. Ein FEV1/FVC-Quotient von < 0,7 sichert die Diagnose.
Klassifikationssysteme
Die Schwere der Atemnot wird mit der MRC-Dyspnoe-Skala beurteilt:
| Grad | Grad der Atemnot |
|---|---|
| 1 | Atemnot nur bei starker körperlicher Anstrengung |
| 2 | Atemnot beim schnellen Gehen oder leichten Anstiegen |
| 3 | Geht langsamer als Gleichaltrige oder muss beim Gehen anhalten |
| 4 | Muss nach ca. 100 Metern oder wenigen Minuten anhalten |
| 5 | Zu kurzatmig, um das Haus zu verlassen, oder beim An-/Ausziehen |
Die Schweregrad-Einteilung der Atemwegsobstruktion erfolgt anhand des FEV1-Wertes:
| Schweregrad | FEV1 % des Sollwerts | FEV1/FVC |
|---|---|---|
| Mild | ≥ 80% | < 0,7 |
| Moderat | 50–79% | < 0,7 |
| Schwer | 30–49% | < 0,7 |
| Sehr schwer | < 30% | < 0,7 |
Differenzialdiagnose: COPD vs. Asthma
| Klinisches Merkmal | COPD | Asthma |
|---|---|---|
| Raucher oder Ex-Raucher | Fast alle | Möglicherweise |
| Symptome unter 35 Jahren | Selten | Häufig |
| Chronisch produktiver Husten | Häufig | Selten |
| Atemnot | Persistierend und progredient | Variabel |
| Nächtliches Erwachen mit Atemnot | Selten | Häufig |
| Tag-zu-Tag-Variabilität | Selten | Häufig |
Therapie der stabilen COPD
Jeder rauchende Patient muss bei jeder Gelegenheit zur Raucherentwöhnung beraten werden.
Inhalationstherapie (Stufenschema):
- Initiale Therapie: Kurzwirksame Bronchodilatatoren (SABA oder SAMA) nach Bedarf.
- LAMA + LABA: Bei anhaltender Atemnot oder Exazerbationen trotz SABA/SAMA.
- LABA + ICS: Bei asthmatischen Merkmalen oder Hinweisen auf Steroid-Ansprechen.
- Triple-Therapie (LAMA + LABA + ICS): Bei schweren Exazerbationen (Krankenhausaufenthalt), ≥2 moderaten Exazerbationen pro Jahr oder stark eingeschränkter Lebensqualität unter dualer Therapie.
Orale prophylaktische Antibiose: Erwägen Sie Azithromycin (i.d.R. 250 mg 3x wöchentlich) bei Patienten, die:
- Nicht rauchen
- Optimal therapiert sind
- Weiterhin häufige (≥4/Jahr) oder schwere Exazerbationen mit Sputumproduktion haben. Vor Therapiebeginn: EKG (QT-Zeit) und Leberwerte kontrollieren.
Langzeitsauerstofftherapie (LTOT)
Eine LTOT ist indiziert bei stabilen Patienten unter optimaler Therapie mit:
- PaO2 < 7,3 kPa
- PaO2 7,3–8,0 kPa plus sekundäre Polyzythämie, periphere Ödeme oder pulmonale Hypertonie.
Wichtig: Bieten Sie Rauchern keine LTOT an (Brandgefahr). Die Sauerstoffgabe sollte für mindestens 15 Stunden pro Tag erfolgen.
Exazerbationsmanagement
Eine Exazerbation ist eine akute, anhaltende Verschlechterung der Symptome über die normale Tag-zu-Tag-Schwankung hinaus.
- Systemische Kortikosteroide: 30 mg Prednisolon oral für 5 Tage (bei Fehlen von Kontraindikationen).
- Antibiotika: Bei purulentem Sputum oder klinischen Zeichen einer bakteriellen Infektion.
- Nicht-invasive Beatmung (NIV): Therapie der Wahl bei persistierender hyperkapnischer respiratorischer Insuffizienz trotz optimaler medikamentöser Therapie.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie vor der Verordnung einer Langzeitsauerstofftherapie (LTOT) immer eine strukturierte Risikobewertung durch. Verschreiben Sie Rauchern aufgrund der Brandgefahr niemals eine LTOT.