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NICEA2023Pneumologie

COPD-Leitlinie: Diagnostik & Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Verdacht auf COPD besteht bei Personen über 35 Jahren mit Risikofaktoren (Rauchen) und typischen Symptomen wie Belastungsdyspnoe oder chronischem Husten.
  • Die Diagnose wird durch eine Post-Bronchodilatator-Spirometrie mit einer FEV1/FVC-Ratio von unter 0,7 gesichert.
  • Die initiale Erhaltungstherapie erfolgt mit LAMA+LABA; bei asthmatischen Merkmalen wird LABA+ICS bevorzugt.
  • Bei akuten Exazerbationen werden 30 mg Prednisolon oral für 5 Tage empfohlen.
  • Eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT) ist nur bei Nichtrauchern mit schwerer Hypoxämie indiziert.
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Hintergrund

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) erfordert eine frühzeitige Diagnose, um Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Patienten länger gesund zu halten. Die Diagnose basiert auf der klinischen Präsentation und wird durch die Spirometrie gestützt.

Diagnostik und Symptome

Ein Verdacht auf COPD besteht bei Personen über 35 Jahren, die Risikofaktoren (meist Rauchen oder eine Raucheranamnese) aufweisen und mindestens eines der folgenden Symptome zeigen:

  • Belastungsdyspnoe
  • Chronischer Husten
  • Regelmäßige Sputumproduktion
  • Häufige winterliche "Bronchitis"
  • Giemen (Wheeze)

Zur Graduierung der Atemnot sollte die Medical Research Council (MRC) Dyspnoe-Skala verwendet werden:

GradGrad der Atemnot
1Nicht beeinträchtigt, außer bei starker körperlicher Anstrengung
2Kurzatmigkeit beim Beeilen ebenerdig oder beim leichten Bergaufgehen
3Geht wegen Atemnot langsamer als Gleichaltrige oder muss im eigenen Tempo anhalten
4Muss nach ca. 100 Metern oder wenigen Minuten auf ebener Strecke anhalten
5Zu atemlos, um das Haus zu verlassen, oder atemlos beim An- und Ausziehen

Spirometrie und Schweregradeinteilung

Zur Bestätigung der Diagnose ist eine Post-Bronchodilatator-Spirometrie erforderlich. Eine FEV1/FVC-Ratio von < 0,7 bestätigt die Atemwegsobstruktion.

Schweregrad (NICE)FEV1/FVCFEV1 % vom Sollwert
Mild< 0,7≥ 80 %
Moderat< 0,750–79 %
Schwer< 0,730–49 %
Sehr schwer< 0,7< 30 %

Abgrenzung zum Asthma

Die Unterscheidung zwischen COPD und Asthma ist essenziell für die Therapieplanung. Folgende klinische Merkmale helfen bei der Differenzierung:

Klinisches MerkmalCOPDAsthma
Raucher oder Ex-RaucherFast alleMöglicherweise
Symptome unter 35 JahrenSeltenHäufig
Chronisch produktiver HustenHäufigUngewöhnlich
AtemnotPersistierend und progredientVariabel
Nächtliches Erwachen mit Atemnot/GiemenUngewöhnlichHäufig
Signifikante Tag-zu-Tag-VariabilitätUngewöhnlichHäufig

Medikamentöse Erhaltungstherapie

Die Basis der pharmakologischen Behandlung bilden inhalative Bronchodilatatoren. Die Auswahl der Inhalatoren sollte Symptomverbesserung, Patientenpräferenz und Fehleranfälligkeit berücksichtigen.

StufeTherapieIndikation / Bemerkung
InitialtherapieSABA oder SAMABei Bedarf zur Linderung von Atemnot und Belastungseinschränkung
Duale Therapie (ohne Asthma-Merkmale)LAMA + LABABei anhaltender Atemnot oder Exazerbationen trotz kurzwirksamer Bronchodilatatoren
Duale Therapie (mit Asthma-Merkmalen)LABA + ICSBei asthmatischen Merkmalen oder Hinweisen auf Steroid-Ansprechen
TripeltherapieLAMA + LABA + ICSBei anhaltender Einschränkung der Lebensqualität oder schweren/häufigen Exazerbationen unter dualer Therapie

Hinweis: Orale Kortikosteroide werden als Langzeittherapie nicht routinemäßig empfohlen.

Prophylaktische Antibiotikatherapie

Eine Dauertherapie mit Azithromycin (üblicherweise 250 mg dreimal wöchentlich) kann erwogen werden, wenn Patienten:

  • Nicht rauchen
  • Trotz optimierter Inhalationstherapie häufige (≥ 4/Jahr) oder schwere Exazerbationen mit Sputumproduktion haben
  • Vorab auf andere Infektionsursachen, Bronchiektasen und ein verlängertes QT-Intervall (EKG) untersucht wurden

Sauerstofftherapie (LTOT)

Eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT) von mindestens 15 Stunden pro Tag wird für Patienten evaluiert, die nicht rauchen und stabile Blutgaswerte aufweisen:

  • PaO2 < 7,3 kPa
  • PaO2 7,3–8,0 kPa in Kombination mit sekundärer Polyzythämie, peripheren Ödemen oder pulmonaler Hypertonie

Wichtig: Bieten Sie Rauchern keine LTOT an, wenn sie trotz Angeboten zur Raucherentwöhnung weiter rauchen (Brand- und Verbrennungsgefahr).

Management von Exazerbationen

Eine Exazerbation ist eine akute, anhaltende Verschlechterung der Symptome über die normale Tag-zu-Tag-Schwankung hinaus (verstärkte Atemnot, Husten, Sputummenge oder -farbe).

Pharmakologische Akuttherapie

  • Systemische Kortikosteroide: Bei fehlenden Kontraindikationen 30 mg Prednisolon oral täglich für 5 Tage.
  • Bronchodilatatoren: Dosissteigerung kurzwirksamer Bronchodilatatoren (via Dosieraerosol oder Vernebler).
  • Sauerstoff: Zielgerichtete Sauerstoffgabe nach individueller Sättigung. Bei hyperkapnischen Patienten sollten Vernebler mit Druckluft statt Sauerstoff betrieben werden.

Beatmung

Die nicht-invasive Beatmung (NIV) ist die Therapie der Wahl bei persistierendem hyperkapnischem Beatmungsversagen während einer Exazerbation trotz optimaler medikamentöser Therapie.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie keine oralen Kortikosteroid-Reversibilitätstests zur Indikationsstellung von ICS. Bestimmen Sie bei Exazerbationen die Sauerstoffsättigung, aber seien Sie sich bewusst, dass Pulsoxymeter bei dunkler Hautfarbe Werte überschätzen können.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten über 35 Jahren mit Risikofaktoren (Rauchen) und Symptomen wie Belastungsdyspnoe, chronischem Husten oder Giemen, gesichert durch eine Post-Bronchodilatator FEV1/FVC-Ratio < 0,7.
Neben einer intensivierten Bronchodilatator-Therapie werden 30 mg Prednisolon oral für 5 Tage empfohlen.
Azithromycin (z.B. 250 mg 3x/Woche) kann bei Nichtrauchern mit optimierter Inhalationstherapie und weiterhin häufigen oder schweren Exazerbationen erwogen werden.
Ein PaO2 < 7,3 kPa oder 7,3-8,0 kPa mit sekundärer Polyzythämie, peripheren Ödemen oder pulmonaler Hypertonie. Der Patient darf nicht rauchen und muss den Sauerstoff mindestens 15 Stunden täglich nutzen.

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