Mycophenolat: Kontrazeption bei Frauen und Männern
Hintergrund
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) haben 2017 aktualisierte Empfehlungen zur Kontrazeption unter einer Therapie mit Mycophenolat veröffentlicht.
Mycophenolat (Mycophenolatmofetil oder Mycophenolsäure) ist ein Immunsuppressivum. Es wird in Kombination mit anderen Arzneimitteln zur Vorbeugung von Abstoßungsreaktionen nach einer Herz-, Leber- oder Nierentransplantation eingesetzt.
Nach einer Exposition in der Schwangerschaft erhöhen mycophenolathaltige Arzneimittel das Risiko für kongenitale Missbildungen und Fehlgeburten signifikant. Die aktualisierten Empfehlungen basieren auf einer Neubewertung der verfügbaren klinischen und nicht-klinischen Daten.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Aspekt der aktualisierten Empfehlung ist die Erleichterung der Kontrazeptionsvorgaben. Bei männlichen Patienten reicht es nun aus, wenn nur ein Partner verhütet (für 90 Tage nach Therapieende). Bei weiblichen Patientinnen ist eine doppelte Verhütung zwar weiterhin empfohlen, aber nicht mehr zwingend vorgeschrieben.
Häufig gestellte Fragen
Laut BfArM muss eine zuverlässige Verhütungsmaßnahme für mindestens 90 Tage nach Beendigung der Behandlung fortgeführt werden. Dabei ist es ausreichend, wenn entweder der Patient oder seine Partnerin verhütet.
Nein, eine zweite Form der Kontrazeption wird zwar weiterhin empfohlen, ist aber gemäß der aktualisierten Richtlinie nicht mehr verpflichtend. Es muss jedoch zwingend mindestens eine zuverlässige Methode angewendet werden.
Der Wirkstoff ist bei Frauen im gebärfähigen Alter grundsätzlich kontraindiziert. Eine Verordnung wird nur dann als zulässig erachtet, wenn keine therapeutischen Alternativen zur Verhinderung einer Transplantatabstoßung existieren.
Es wird empfohlen, dass Frauen bis mindestens sechs Wochen nach Beendigung der Mycophenolat-Therapie eine zuverlässige Form der Kontrazeption anwenden. Auch vor und während der Behandlung ist eine Verhütung zwingend erforderlich.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Mycophenolat: Aktualisierte Empfehlungen zu kontrazeptiven Maßnahmen bei Frauen und Männern (BfArM, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Mycophenolat (z.B. CellCept®): Verschärfung der Warnungen um die Anwendung in der Schwangerschaft zu verhindern
AkdÄ: Mycophenolatmofetil (MMF) und Mycophenolsäure-haltige
Rote-Hand-Brief zu mycophenolatmofetil-(MMF)/mycophenolsäurehaltigen Arzneimitteln (MPA): Angepasste Empfehlungen zur Kontrazeption
Rote-Hand-Brief zu Myfortic® (Mycophenolat): Schwerwiegendes Risiko für Teratogenität – verschärfte Hinweise zur Schwangerschaftsverhütung für Frauen und Männer
Rote-Hand-Brief zu CellCept® (Mycophenolatmofetil): Schwerwiegendes Risiko für Teratogenität – verschärfte Hinweise zur Schwangerschaftsverhütung für Frauen und Männer
Rote-Hand-Brief zu Mycophenolatemofetil (CellCept®): Neue Risikohinweise auf schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen [progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML)]
AkdÄ: Information des BfArM zu Chlorhexidin: Anhaltende Hornhautverletzungen und erhebliche Sehbehinderungen
AkdÄ: Änderung der Fach- und Gebrauchsinformationen aufgrund von PSUR Single Assessment-Verfahren
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen