Multiple Sklerose (MS): Diagnostik und Immuntherapie
Hintergrund
Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste autoimmun vermittelte Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jungen Erwachsenen. Neben der MS umfasst die aktuelle S2k-Leitlinie der DGN auch verwandte Krankheitsbilder wie die Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierte Erkrankungen (MOGAD).
Klinisch wird die MS traditionell in schubförmig remittierende (RRMS), sekundär progrediente (SPMS) und primär progrediente (PPMS) Verlaufsformen unterteilt. NMOSD und MOGAD gelten als eigenständige Entitäten, die sich pathophysiologisch abgrenzen lassen und spezifische therapeutische Strategien erfordern.
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer frühzeitigen Diagnosestellung sowie einer an die Krankheitsaktivität angepassten Immuntherapie. Zudem wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der Lebensstilmodifikationen und eine strukturierte symptomatische Therapie integriert.
💡Praxis-Tipp
Ein wesentlicher Hinweis der Leitlinie betrifft das Absetzen von S1P-Rezeptor-Modulatoren (wie Fingolimod) oder Natalizumab, beispielsweise bei Kinderwunsch. Es wird davor gewarnt, dass nach Beendigung dieser Therapien ein schwerer Rebound-Effekt mit überschießender Krankheitsaktivität auftreten kann. Daher wird in solchen Fällen eine überbrückende alternative Therapie (z. B. mit CD20-Antikörpern) empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist aktuell kein Medikament für das RIS zugelassen. Es kann jedoch off-label eine Therapie mit Teriflunomid oder Dimethylfumarat erwogen werden, wenn Faktoren wie eine hohe Läsionslast oder intrathekale Antikörpersynthese ein hohes Risiko für eine klinische Manifestation nahelegen.
Die Leitlinie empfiehlt für die PPMS nach aktueller Studienlage ausschließlich den Einsatz von CD20-Antikörpern (Ocrelizumab, Rituximab off-label). Bei Personen über 50 Jahren sollte die Indikation jedoch sehr streng gestellt werden, insbesondere wenn keine entzündliche MRT-Aktivität vorliegt.
Bei Personen, die unter einer Therapie der Wirksamkeitskategorie 1 über mindestens fünf Jahre keine Krankheitsaktivität zeigen, kann laut Leitlinie auf Wunsch eine Therapiepause erwogen werden. Bei höherwirksamen Therapien (Kategorie 2 und 3) kann derzeit keine allgemeine Empfehlung zur Beendigung gegeben werden.
Es wird primär zu nicht-medikamentösen Maßnahmen wie Energiemanagement, kognitiver Verhaltenstherapie und Ausdauertraining geraten. Für eine medikamentöse Therapie der Fatigue (z. B. mit Amantadin) gibt es laut Leitlinie keine hinreichende Evidenz.
Die Leitlinie hält den Einsatz von Beta-Interferonen und Glatirameracetat während der Stillzeit nach Risiko-Nutzen-Abwägung für möglich. Auch die Gabe von monoklonalen Antikörpern kann während der Stillperiode erfolgen, sollte jedoch idealerweise erst 1-2 Wochen postpartal begonnen werden.
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Quelle: S2k-Leitlinie Multiple Sklerose (AWMF 030-050, 2025) (AWMF / DGN, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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