Lebertransplantation: Indikation, Evaluation, Nachsorge
Hintergrund
Die AWMF S2k-Leitlinie zur Lebertransplantation (LT) bietet einen umfassenden Konsens zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Sie richtet sich an alle an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen, von der Gastroenterologie über die Chirurgie bis hin zur Intensivmedizin.
Die Lebertransplantation stellt häufig eine lebensrettende Therapieoption bei akutem oder chronischem Leberversagen dar. Neben dem operativen Eingriff erfordert sie eine lebenslange Nachsorge und ein komplexes Management von Komorbiditäten.
Ziel der Leitlinie ist es, die Behandlungsabläufe zu standardisieren und diagnostische sowie therapeutische Fallstricke aufzuzeigen. Dabei werden auch neue Therapieoptionen und Perspektiven für die Langzeitbetreuung berücksichtigt.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, bei Patienten mit akutem Leberversagen ohne klinische Blutungszeichen routinemäßig eine prophylaktische Gerinnungssubstitution durchzuführen. Bei notwendiger Substitution wird stattdessen eine differenzierte, viskoelastisch gesteuerte Gerinnungstherapie empfohlen, um den Einsatz von Blutprodukten zu minimieren und das Thromboserisiko nicht unnötig zu erhöhen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Vorstellung empfohlen, sobald der MELD-Score ≥ 15 Punkte beträgt. Auch bei einem niedrigeren MELD-Score ist eine Evaluation bei schwerwiegenden Komplikationen wie refraktärem Aszites oder hepatischer Enzephalopathie indiziert.
Die Leitlinie empfiehlt die Mailand-Kriterien als Standard für die Priorisierung. Bei Patienten außerhalb dieser Kriterien kann eine Transplantation nach erfolgreichem Downstaging in Betracht gezogen werden.
Generell wird eine sechsmonatige Abstinenz gefordert. In begründeten Ausnahmefällen, wie einer schweren, steroidrefraktären Alkoholhepatitis, kann laut Leitlinie nach strenger psychosozialer Evaluation von dieser Regel abgewichen werden.
Es wird eine Therapie basierend auf einem Calcineurininhibitor (bevorzugt Tacrolimus) empfohlen. Diese kann mit Mycophenolatmofetil (MMF) und Steroiden kombiniert werden, wobei Steroide frühzeitig ausgeschlichen werden sollten.
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie eine Steroidstoßtherapie (z. B. 500-1000 mg Methylprednisolon) über ein bis drei Tage. Bei steroidresistenten Verläufen kann die Gabe von Antithymozytenglobulin (ATG) erwogen werden.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Lebertransplantation (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Komplikationen der Leberzirrhose
S3-Leitlinie Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden
Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen
Herztransplantation im Kindes-, Jugend-, und jungen Erwachsenenalter (EMAH)
DGP S3-Leitlinie Nachsorge nach Lungentransplantation
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen