Kariesprävention: Fluoridierung und Ernährungslenkung
Hintergrund
Die AWMF-S3-Leitlinie zur Kariesprävention bei bleibenden Zähnen definiert grundlegende Maßnahmen zur Gesunderhaltung des primär kariesfreien oder sanierten Gebisses. Zahnkaries entsteht durch das Zusammenwirken eines kariogenen, dysbiotischen Biofilms und bestimmter Nahrungsbestandteile, insbesondere niedermolekularer Kohlenhydrate.
Ein Ungleichgewicht in der Biofilmzusammensetzung und -aktivität führt zu einer Demineralisation der Zahnhartsubstanz. Durch geeignete Präventionsmaßnahmen können kariöse Läsionen vermieden oder in ihrer Progression aufgehalten werden.
Die Kariesprävention umfasst die Kontrolle des mikrobiellen Biofilms, eine zahngesunde Ernährung, die Förderung von Speichelschutzmechanismen sowie den gezielten Einsatz von Fluoridierungsmaßnahmen.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie kann die früher gängige Empfehlung, mit dem Zähneputzen nach dem Konsum säurehaltiger Speisen zu warten, wissenschaftlich nicht mehr aufrechterhalten werden. Es wird stattdessen betont, dass ein Verschieben des Putzzeitpunktes die Gefahr birgt, die Reinigung komplett auszulassen. Aus kariologischer Sicht wird ein Zähneputzen direkt nach den Mahlzeiten als biologisch plausibel und sinnvoll eingestuft.
Häufig gestellte Fragen
Bei Patienten mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen kann laut Leitlinie der Einsatz einer hochkonzentrierten Zahnpasta mit 5000 ppm Fluorid erwogen werden. Zusätzlich wird in diesen Fällen die professionelle Anwendung von Chlorhexidin-Lacken empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt bei Kindern und Jugendlichen standardmäßig eine mindestens zweimal jährliche Applikation eines Fluoridlackes. Bei einem stark erhöhten Kariesrisiko sollte die Frequenz auf viermal pro Jahr erhöht werden.
Es wird als biologisch plausibel eingestuft, dass eine regelmäßige Interdentalraumreinigung kariesprotektiv wirkt. Die Leitlinie empfiehlt daher, mehrmals wöchentlich Hilfsmittel wie Zahnseide oder Interdentalbürsten zu verwenden.
Zuckeraustauschstoffe wie Xylit oder Erythrit sind nicht kariogen, da sie von oralen Mikroorganismen kaum zu Säuren verstoffwechselt werden. Laut Leitlinie gibt es jedoch keinen ausreichenden Beweis für eine direkte kariespräventive Wirkung von Xylit, abgesehen vom speichelstimulierenden Effekt beim Kaugummikauen.
Die Leitlinie stellt klar, dass die Empfehlung, nach säurehaltigen Mahlzeiten mit dem Putzen zu warten, nicht mehr aufrechterhalten wird. Es wird empfohlen, die Zähne direkt nach den Mahlzeiten zu reinigen, um Biofilm und Speisereste zügig zu entfernen.
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Quelle: Kariesprävention bei bleibenden Zähnen - grundlegende Empfehlungen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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