IQWiG2018

Fluoridlack bei Karies im Milchgebiss: IQWiG Rapid Report

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KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Frühkindliche Karies stellt ein relevantes Problem dar, wobei die Prävalenz bei dreijährigen Kindern in Deutschland zwischen 10,5 und 16,6 Prozent liegt. Initiale Kariesläsionen sind auf den Zahnschmelz begrenzt und können durch Remineralisationsvorgänge in eine inaktive Form überführt werden.

Fluoride reduzieren die Säurelöslichkeit des Schmelzes und bilden ein Reservoir auf der Zahnoberfläche. Bei einem Säureangriff werden Fluoridionen freigesetzt, was die Einlagerung von stabilem Fluoridhydroxylapatit fördert und das Fortschreiten der Karies verhindert.

Die Verwendung von Fluoridlack bietet bei Kleinkindern den Vorteil, dass ein Ausspucken nicht erforderlich ist, da der Lack durch Speichelkontakt aushärtet. Zudem werden durch die hohe Dosierung über einen längeren Zeitraum kontinuierlich Fluoridionen freigesetzt.

Empfehlungen

Der IQWiG Rapid Report N17-03 untersucht den Nutzen der Applikation von Fluoridlack im Milchgebiss im Vergleich zur üblichen Versorgung ohne spezifische Fluoridierungsmaßnahmen.

Kariesprävention und Wirksamkeit

Für den Endpunkt Karies zeigt der Bericht einen Hinweis auf einen höheren Nutzen für die Applikation von Fluoridlack. Dies gilt sowohl für Kinder mit als auch ohne bestehende (initial-)kariöse Läsionen im Milchgebiss.

Der Bericht fasst die Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten wie folgt zusammen:

EndpunktNutzenableitung laut IQWiGDatenlage
KariesHinweis auf höheren NutzenSignifikanter Effekt zugunsten von Fluoridlack
Vorzeitiger ZahnverlustKein Anhaltspunkt für Nutzen/SchadenNicht gleichgerichtete Effekte
ZahnschmerzenKein Anhaltspunkt für Nutzen/SchadenUnzureichende Datenlage
Unerwünschte EreignisseKein Anhaltspunkt für Nutzen/SchadenWenige Ereignisse berichtet

Bezüglich der Anwendungshäufigkeit und Konzentration liefert der Bericht folgende Erkenntnisse aus den eingeschlossenen Studien:

  • In den meisten Studien kam ein Fluoridlack mit einer Konzentration von 5 Prozent zum Einsatz

  • Die Applikation erfolgte überwiegend halbjährlich

  • Abhängig vom individuellen Kariesrisiko wird allgemein eine Anwendungsfrequenz von zwei- bis viermal jährlich empfohlen

Einflussfaktoren

Der Bericht untersuchte zudem mögliche Faktoren, die die Wirksamkeit der Behandlung beeinflussen könnten. Es konnte jedoch keine relevante Effektmodifikation festgestellt werden.

Demnach zeigten unter anderem folgende Faktoren keinen signifikanten Einfluss auf das Ergebnis:

  • Alter und Geschlecht der Kinder

  • Mundgesundheit zu Studienbeginn

  • Applikationsfrequenz und Konzentration des Lacks

  • Zusätzlich angebotene Präventivmaßnahmen oder das sozioökonomische Setting

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💡Praxis-Tipp

Der IQWiG-Bericht hebt hervor, dass die Anwendung von Fluoridlack bei Kleinkindern besonders vorteilhaft ist, da keine aktive Mitarbeit wie das Ausspucken erforderlich ist. Der Lack härtet bei Speichelzutritt selbstständig aus und setzt über mehrere Tage kontinuierlich Fluoridionen frei. Es wird betont, dass der präventive Nutzen unabhängig davon besteht, ob bereits initiale Kariesläsionen vorhanden sind oder nicht.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem IQWiG-Bericht erfolgte die Applikation in den meisten untersuchten Studien halbjährlich. Abhängig vom individuellen Kariesrisiko wird allgemein eine Anwendungsfrequenz von zwei- bis viermal pro Jahr empfohlen.

Der Bericht stellt fest, dass ein Hinweis auf einen höheren Nutzen der Fluoridlackapplikation besteht. Dies gilt ausdrücklich sowohl für kariesfreie Kinder als auch für Kinder, die bereits (initial-)kariöse Läsionen aufweisen.

In der überwiegenden Anzahl der vom IQWiG ausgewerteten Studien wurde ein Fluoridlack mit einer Konzentration von 5 Prozent Fluorid verwendet. Vereinzelt kamen auch Lacke mit 0,1 oder 0,5 Prozent zum Einsatz.

Für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse konnte der Bericht keinen Anhaltspunkt für einen höheren Schaden durch die Behandlung ableiten. Insgesamt wurden in den Studien nur sehr wenige unerwünschte Ereignisse berichtet.

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Quelle: IQWiG N17-03: Bewertung einer Fluoridlackapplikation im Milchgebiss zur Verhinderung des Voranschreitens und des Entstehens von Initialkaries bzw. neuer Kariesläsionen - Rapid Report (IQWiG, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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