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Fissurenversiegelung: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Fissuren- und Grübchenversiegelung (FGV) ist eine zahnflächenspezifische Maßnahme zur Kariesprävention und Arretierung nicht kavitierter Läsionen.
  • Vor der Versiegelung muss zwingend eine visuelle Kariesdiagnostik am gereinigten und getrockneten Zahn erfolgen.
  • Bevorzugt werden niedrigvisköse, methacrylatbasierte Kunststoffe in Kombination mit einer Phosphorsäure-Konditionierung.
  • Die Säureeinwirkzeit am unbehandelten Schmelz sollte mindestens 30 Sekunden betragen, bis ein kreidig-weißes Ätzmuster entsteht.
  • Bei manifesten Kavitationen oder Dentinkaries ist die FGV kontraindiziert; hier erfolgt eine minimalinvasive Füllungstherapie.
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Hintergrund

Die Fissuren- und Grübchenversiegelung (FGV) ist eine zahnflächenspezifische Präventionsmaßnahme. Sie dient dem dauerhaften Verschluss kariesanfälliger Fissuren und Grübchen mit Kunststoff, um einer Kariesinitiation vorzubeugen oder kariöse Frühstadien zu arretieren. Obwohl bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ein kontinuierlicher Kariesrückgang verzeichnet wird, konzentriert sich der Kariesbefall auf Risikogruppen und spezifische Prädilektionsstellen, insbesondere die Fissuren der bleibenden Molaren.

Diagnostik und Kariesrisiko

Vor jeder Indikationsstellung soll eine klinische Untersuchung der gereinigten und getrockneten Zähne erfolgen. Die traditionelle taktile Sondierung mit einer spitzen Sonde wird kritisch gesehen, da sie iatrogene Schmelzdefekte verursachen kann. Empfohlen wird stattdessen die visuelle Inspektion (z. B. nach ICDAS-Kriterien) unter Zuhilfenahme einer stumpfen Parodontalsonde.

DiagnostikmethodeBewertung / Empfehlung
Visuelle InspektionMethode der Wahl am gereinigten, getrockneten Zahn.
SondierungNur mit stumpfer Sonde (z. B. CPI-Sonde) zum drucklosen Abtasten. Spitze Sonden vermeiden!
BissflügelröntgenNur zur erweiterten Diagnostik bei Verdacht auf versteckte Läsionen oder zur Ausdehnungsbestimmung. Keine routinemäßige Anfertigung vor FGV.

Zusätzlich sollte eine patientenbezogene Kariesrisiko-Einschätzung durchgeführt werden, um den Einsatz der FGV auf Individuen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko zu priorisieren.

Indikationen und Kontraindikationen

Die Entscheidung zur Versiegelung oder Füllungstherapie richtet sich nach dem klinischen Befund der Fissur und dem individuellen Kariesrisiko.

BefundKariesrisikoTherapieentscheidung
Gesunde FissurNiedrigFGV restriktiv einsetzbar (Fokus auf Basisprophylaxe)
Gesunde FissurErhöhtFGV indiziert
Nicht kavitierte LäsionUnabhängig vom RisikoFGV indiziert (zur Arretierung)
Kavitation / DentinkariesUnabhängig vom RisikoKontraindiziert (minimalinvasive Füllungstherapie)

Weitere Indikationen:

  • Fissuren an hypomineralisierten Zähnen (MIH)
  • Patienten mit Behinderungen oder eingeschränkter Mundhygienefähigkeit
  • Reparatur partiell verloren gegangener Versiegelungen

Relative Kontraindikationen:

  • Zähne kurz vor der Exfoliation
  • Unvollständiger Zahndurchbruch (hier ggf. temporäre Prä-Versiegelung mit Glasionomerzement)

Klinisches Vorgehen und Materialien

Zur Qualitätssicherung müssen alle Arbeitsschritte sorgfältig ausgeführt werden. Eine Vierhand-Technik wird empfohlen, da sie eine konsequente Einhaltung der Trockenlegung ermöglicht.

ArbeitsschrittEmpfehlung laut Leitlinie
TrockenlegungRelative Trockenlegung mit vierhändigem Arbeiten ist der absoluten Trockenlegung gleichwertig.
KonditionierungSoll mit ~35-37%iger Phosphorsäure erfolgen.
EinwirkzeitSollte am unbehandelten Zahnschmelz mindestens 30 Sekunden betragen. Ziel: kreidig-weiße Oberfläche.
MaterialwahlBevorzugt niedrigvisköse, methacrylatbasierte Versiegelungskunststoffe.
ApplikationSparsam und möglichst blasenfrei, um Überschüsse, okklusale Vorkontakte und Retentionsverluste zu vermeiden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf die spitze Sonde zur Kariesdiagnostik in Fissuren, um iatrogene Schmelzdefekte zu vermeiden. Nutzen Sie stattdessen eine stumpfe Parodontalsonde (z.B. CPI-Sonde) am gereinigten und getrockneten Zahn.

Häufig gestellte Fragen

Niedrigvisköse, methacrylatbasierte Kunststoffe in Verbindung mit einer Phosphorsäure-Konditionierung zeigen die besten Retentionsraten und werden bevorzugt empfohlen.
Die Einwirkzeit am unbehandelten Zahnschmelz sollte mindestens 30 Sekunden betragen, bis eine kreidig-weiße Oberfläche entsteht.
Ja, die Versiegelung ist hier explizit indiziert, um die Kariesprogression zu arretieren.
Nein, die relative Trockenlegung mit vierhändigem Arbeiten zeigt gleichwertige Retentionsraten und wird empfohlen.
Hier kann eine temporäre Prä-Versiegelung mit Glasionomerzement (GIZ) erfolgen, bis eine adäquate Trockenlegung für eine definitive Versiegelung möglich ist.

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