Kariesprävention bei Kindern: SIGN-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Zweimal tägliches Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta ist die Basis der Kariesprävention.
- •Die empfohlene Fluoridkonzentration richtet sich nach Alter und Kariesrisiko (1.000 bis 2.800 ppmF).
- •Fluoridlack sollte bei allen Kindern mindestens zweimal jährlich aufgetragen werden.
- •Fissurenversiegelungen (kunststoffbasiert) werden für alle permanenten Molaren empfohlen.
- •Nach dem Putzen sollte die Zahnpasta nur ausgespuckt und nicht mit Wasser nachgespült werden.
Hintergrund
Zahnkaries ist eine vermeidbare Erkrankung. Die schottische SIGN-Leitlinie 138 fasst evidenzbasierte Interventionen für das zahnärztliche Team zusammen, um Karies bei Kindern und Jugendlichen (0-18 Jahre) zu verhindern. Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Identifikation von Risikofaktoren und die gezielte Aufklärung im Praxisalltag.
Kariesrisiko-Assessment
Die Einschätzung des individuellen Kariesrisikos ist entscheidend für die Wahl der Präventionsstrategie. Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen gelten grundsätzlich als Risikogruppe (Empfehlungsgrad D).
Folgende Faktoren sollten bei der Risikobewertung berücksichtigt werden (Empfehlungsgrad C):
| Risikofaktor | Bemerkung |
|---|---|
| Klinische Evidenz | Vorherige Karieserfahrung ist ein starker Prädiktor |
| Ernährung | Häufigkeit des Konsums zuckerhaltiger Speisen und Getränke |
| Sozialanamnese | Sozioökonomischer Status und Deprivation |
| Fluoridnutzung | Bisherige Verwendung von Fluoridprodukten |
| Plaquekontrolle | Aktueller Status der Mundhygiene |
| Speichel | Reduzierter Speichelfluss (z. B. medikamentös bedingt) |
| Medizinische Anamnese | Erkrankungen oder Behinderungen, bei denen Karies die Allgemeingesundheit gefährdet |
Zähneputzen und Fluorid-Zahnpasta
Das Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta ist die wichtigste präventive Maßnahme und sollte mindestens zweimal täglich erfolgen (Empfehlungsgrad A). Um das Risiko einer Fluorose bei Kleinkindern zu minimieren, muss die Menge der Zahnpasta überwacht werden.
Dosierung und Konzentration
Die Wahl der Fluoridkonzentration (ppmF) richtet sich nach dem Alter und dem individuellen Kariesrisiko:
| Alter | Kariesrisiko | Empfohlene Fluoridkonzentration |
|---|---|---|
| 0-18 Jahre | Standardrisiko | 1.000 bis 1.500 ppmF (Empfehlungsgrad A) |
| Bis 10 Jahre | Erhöhtes Risiko | 1.500 ppmF |
| 10-16 Jahre | Erhöhtes Risiko | 2.800 ppmF (Empfehlungsgrad A) |
Empfohlene Zahnpastamenge:
- Unter 3 Jahre: Ein Hauch (Smear) Zahnpasta (ca. 0,1 ml)
- Über 3 Jahre: Erbsengroße Menge (ca. 0,25 ml)
Putztechnik und Gewohnheiten
- Ausspucken, nicht spülen: Kinder sollten ermutigt werden, überschüssige Zahnpasta auszuspucken und nicht mit Wasser nachzuspülen (Empfehlungsgrad A).
- Zeitpunkt: Die Zähne sollten als Letztes abends vor dem Schlafengehen und zu mindestens einem weiteren Zeitpunkt am Tag geputzt werden.
- Supervision: Das Zähneputzen sollte von Erwachsenen überwacht oder unterstützt werden, bis das Kind motorisch dazu in der Lage ist (Empfehlungsgrad A).
- Beginn: Mit dem Putzen sollte begonnen werden, sobald der erste Zahn durchbricht.
Topische Fluoridierung und Versiegelung
Zusätzlich zur häuslichen Mundhygiene werden professionelle Interventionen in der Zahnarztpraxis empfohlen:
| Intervention | Zielgruppe | Empfehlung |
|---|---|---|
| Fluoridlack | Alle Kinder | Mindestens zweimal jährlich applizieren (Empfehlungsgrad A) |
| Fissurenversiegelung | Alle Kinder | Kunststoffbasierte Versiegelung der permanenten Molaren so früh wie möglich nach Durchbruch (Empfehlungsgrad A) |
Mundhygiene-Instruktionen
Kurzinterventionen in der Praxis sollten das tägliche Zähneputzen mit Fluorid-Zahnpasta fördern (Empfehlungsgrad B). Diese Interventionen sollten auf anerkannten Modellen zur Gesundheitsverhaltensänderung basieren (Empfehlungsgrad B). Eine detaillierte Sozialanamnese hilft dabei, die Beratung individuell an die Bedürfnisse der Familie anzupassen (Empfehlungsgrad C).
💡Praxis-Tipp
Raten Sie Eltern und Kindern aktiv davon ab, nach dem Zähneputzen mit Wasser zu spülen. Das bloße Ausspucken der Zahnpasta erhält die lokale Fluoridkonzentration und senkt die Kariesinzidenz signifikant.