ARFID & Fütterstörungen medikamentös: IQWiG Evidenzbericht
Hintergrund
Der vorliegende IQWiG-Evidenzbericht dient der Weiterentwicklung der interdisziplinären S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Er untersucht spezifisch die Effekte medikamentöser Interventionen bei der vermeidend-restriktiven Ernährungsstörung (ARFID).
Ebenso werden Fütterstörungen im frühen Kindesalter nach DSM- oder ICD-Kriterien beleuchtet. Ziel des Berichts ist der Vergleich medikamentöser Ansätze mit jeglichen anderen Interventionen oder Placebo.
Die systematische Recherche identifizierte lediglich eine einzige randomisierte kontrollierte Studie (RCT), die den Wirkstoff Megestrol untersuchte. Die Gesamtevidenz zu diesem Thema wird als sehr gering eingestuft.
Empfehlungen
Die Ergebnisse des Berichts fassen die aktuelle Studienlage zu medikamentösen Interventionen bei ARFID zusammen.
Studienlage zu Megestrol
Laut Bericht konnte lediglich eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) zum Wirkstoff Megestrol identifiziert werden. Es zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied im Vergleich zu Placebo hinsichtlich der untersuchten Endpunkte.
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wird für alle Ergebnisse als sehr niedrig eingestuft. Zu folgenden Endpunkten lagen laut Bericht keine verwertbaren Daten vor:
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Remission der Essstörung
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BMI- oder Körpergewichtsperzentile
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Essverhalten
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Gesundheitsbezogene Lebensqualität (Gesamtscores)
Klinische Endpunkte
Der Bericht hält fest, dass in der untersuchten Studie weder unter Megestrol noch unter Placebo Todesfälle auftraten. Auch bezüglich schwerwiegender unerwünschter Ereignisse (Nebenwirkungen) ergab sich kein signifikanter Unterschied.
Hinsichtlich der Mangelernährung konnte ebenfalls kein Vorteil für die medikamentöse Therapie nachgewiesen werden. Dies wurde in der Studie als Anteil der Kinder definiert, die eine orale Energiezufuhr von mindestens 90 Prozent erreichten.
Dosierung
Der Evidenzbericht zitiert ein Dosierungsschema aus der eingeschlossenen Studie zu Megestrol. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Wirkstoff in Deutschland für diese Indikation nicht zugelassen ist.
| Medikament | Dosierung | Dauer und Schema | Begleittherapie |
|---|---|---|---|
| Megestrol | 3 mg/kg (zweimal täglich) | Gesamtdauer 4 Wochen (Woche 10-11: Gesamtdosis, Woche 12: 66 % der Dosis, Woche 13: 33 % der Dosis bis zum Ausschleichen) | Ernährungsbasierte Verhaltensintervention (iKanEat) über 24 Wochen |
Kontraindikationen
Der Bericht listet folgende Ausschlusskriterien der untersuchten Megestrol-Studie auf, die in der Praxis als Kontraindikationen für diesen spezifischen Therapieansatz gewertet wurden:
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Einnahme von oralen oder inhalativen Steroiden
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Laufende intensive Verhaltenstherapie im Bereich Ernährung (mehr als eine Sitzung pro Monat)
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Elternteil mit bekannter schwerwiegender Entwicklungsverzögerung oder kognitiver Beeinträchtigung
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht betont ausdrücklich, dass der untersuchte Wirkstoff Megestrol in Deutschland nicht zur Behandlung von Kindern mit ARFID oder Fütterstörungen zugelassen ist. Es wird darauf hingewiesen, dass die aktuelle Evidenzlage keine statistisch signifikanten Vorteile gegenüber Placebo belegt. Die medikamentöse Therapie stellt somit aktuell keinen evidenzbasierten Standard dar.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist der in Studien untersuchte Wirkstoff Megestrol in Deutschland nicht für ARFID oder Fütterstörungen zugelassen. Die Evidenzdarstellung erfolgte lediglich auf expliziten Wunsch der Leitliniengruppe.
Der Evidenzbericht zeigt keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Megestrol und Placebo. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird aufgrund geringer Patientenzahlen als sehr niedrig eingestuft.
In der vom IQWiG eingeschlossenen Studie ergab sich kein signifikanter Unterschied bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen zwischen der Megestrol- und der Placebogruppe. Detaillierte Langzeitdaten fehlen jedoch aufgrund der sehr schwachen Studienlage.
Gemäß dem Bericht liegen aktuell keine verwertbaren Ergebnisse vor, die eine Verbesserung des Essverhaltens oder der Lebensqualität durch medikamentöse Interventionen belegen. Die einzige identifizierte Studie lieferte hierzu keine vollständigen Daten.
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Quelle: IQWiG V25-05: Evidenzrecherche zur S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen (IQWiG, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.