IQWiG2018

Hepatitis-B-Screening: Nutzenbewertung laut IQWiG

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KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Hepatitis B ist eine durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) ausgelöste Leberentzündung, die akut oder chronisch verlaufen kann. Die Prävalenz in Deutschland liegt bei unter einem Prozent.

Eine chronische Infektion kann zu schweren Spätfolgen wie Leberzirrhose oder hepatozellulären Karzinomen (HCC) führen. Da die Erkrankung häufig asymptomatisch verläuft, wird theoretisch ein Nutzen durch eine Früherkennung diskutiert.

Für bestimmte Risikogruppen und Säuglinge besteht in Deutschland eine Impfempfehlung der STIKO. Durch die verfügbare Impfung wird sich die Relevanz eines allgemeinen Screenings laut Bericht langfristig voraussichtlich reduzieren.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht S16-03 untersucht den potenziellen Nutzen eines systematischen Screenings auf Hepatitis B bei asymptomatischen Personen. Der Bericht formuliert folgende zentrale Erkenntnisse:

Fehlende Evidenz zum Screening-Nutzen

Laut Bericht konnten keine vergleichenden Interventionsstudien zur Screeningkette identifiziert werden. Ebenso fehlen Studien, die einen klaren Nutzen einer Vorverlagerung der antiviralen Therapie belegen.

Daher kommt der Bericht zu dem Schluss, dass das Nutzen-Schaden-Verhältnis für ein allgemeines HBV-Screening unklar bleibt. Es wird betont, dass auch internationale Leitlinien, die ein Screening für Risikogruppen empfehlen, dies ohne ausreichende Evidenz tun.

Diagnostik und Krankheitsverlauf

Falls eine Testung erfolgt, beschreibt der Bericht ein stufenweises Vorgehen:

  • Initiale Bestimmung von HBsAg und Anti-HBc

  • Bei positivem Anti-HBc-Befund: Testung auf Anti-HBs zur Prüfung einer durchgemachten Infektion

  • Bei Nachweis von HBsAg und Anti-HBc: Quantitative Bestimmung der HBV-DNA mittels PCR

Therapieaspekte

Bezüglich der Behandlung chronischer Verläufe hält der Bericht fest, dass eine akute Hepatitis B bei Erwachsenen meist spontan ausheilt und nicht antiviral behandelt wird. Bei chronischer Hepatitis B wird grundsätzlich eine antivirale Therapie empfohlen.

Für die Behandlung der chronischen Hepatitis B beschreibt der Bericht folgende Therapieoptionen:

TherapieoptionAnti-HBe-Serokonversion (nach 1 Jahr)Verträglichkeit / NebenwirkungenAnwendungsdauer
Alpha-Interferon (PEG-IFN)ca. 30 %20-30 % unerwünschte Ereignisse (Müdigkeit, Anämie, Depression)Begrenzt (z. B. 1 Jahr)
Nukleotid- / Nukleosidanalogaca. 20 %Besser verträglichIm Regelfall dauerhaft

Sogenannte inaktive HBsAg-Träger (60 bis 85 Prozent der Infizierten) benötigen laut Bericht meist keine Therapie, da das Risiko für eine Zirrhose sehr gering ist.

Potenzielle Risiken eines Screenings

Der Bericht diskutiert mögliche negative Effekte einer Reihenuntersuchung:

  • Falsch-negative Befunde könnten zu einem erhöhten Risikoverhalten führen

  • Es besteht das Risiko von Überdiagnosen bei Personen, die lebenslang asymptomatisch geblieben wären

  • Psychologische Belastungen durch das Warten auf Testergebnisse sind möglich

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💡Praxis-Tipp

Der Bericht weist darauf hin, dass bei inaktiven HBsAg-Trägern mit normalen Leberwerten und geringer Viruslast in der Regel keine antivirale Therapie indiziert ist. Es wird hervorgehoben, dass Überdiagnosen bei einem ungerichteten Screening zu unnötigen Behandlungen führen könnten, da viele chronische Verläufe lebenslang asymptomatisch bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Laut Bericht erfolgt die Diagnostik stufenweise durch Immunoassays. Zunächst werden HBsAg und Anti-HBc bestimmt, worauf bei Auffälligkeiten weitere Tests wie die HBV-DNA-Bestimmung folgen.

Nein, der Bericht stellt fest, dass die Evidenz für ein allgemeines Screening bei asymptomatischen Personen fehlt. Das Nutzen-Schaden-Verhältnis wird aufgrund fehlender Studien als unklar bewertet.

Eine akute Infektion wird meist nicht behandelt, da sie bei Erwachsenen fast immer spontan ausheilt. Eine antivirale Therapie wird laut Bericht bei chronischen Verläufen mit hoher Viruslast und entzündlicher Lebererkrankung empfohlen.

Als inaktive Träger werden Personen bezeichnet, bei denen das HBsAg länger als sechs Monate nachweisbar ist, die aber normale Leberwerte und eine geringe Viruslast aufweisen. Bei dieser Gruppe ist laut Bericht meist keine Therapie erforderlich.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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