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Hepatitis-B-Leitlinie: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die initiale Diagnostik erfolgt mittels HBsAg und Anti-HBc; bei HBsAg-Positivität ist zwingend auf eine HDV-Koinfektion zu testen.
  • Patienten mit Leberzirrhose und nachweisbarer HBV-DNA sollen unabhängig von der Viruslast antiviral behandelt werden.
  • Bei Schwangeren mit einer Viruslast >200.000 IU/ml ist eine antivirale Therapie zur Verhinderung der vertikalen Transmission indiziert.
  • Eine HCC-Surveillance (Ultraschall alle 6 Monate) wird besonders bei Zirrhose und Hochrisikopatienten empfohlen.
  • Als antivirale Primärtherapie werden die Nukleos(t)idanaloga Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) bevorzugt.
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Hintergrund

Die Hepatitis-B-Virus-Infektion (HBV) ist eine potenziell lebensbedrohliche Lebererkrankung, die zu Leberzirrhose und hepatozellulärem Karzinom (HCC) führen kann. Die aktuelle Leitlinie definiert klare Standards für die Diagnostik, Überwachung und antivirale Therapie, um die Morbidität und Mortalität zu senken.

Diagnostik und Screening

Zur initialen Diagnostik einer HBV-Infektion soll HBsAg und in der Regel Anti-HBc bestimmt werden. Ein generelles HBsAg-Screening wird zudem für alle Schwangeren empfohlen.

IndikationsgruppeBeispiele für Risikopersonen
Klinischer VerdachtErhöhte Leberwerte, klinische Zeichen einer Hepatitis
VorerkrankungenLeberzirrhose, HCC, Dialysepatienten, HIV/HCV-Koinfektion
ImmunsuppressionVor/während Chemotherapie, Rituximab-Gabe, Organtransplantation
Erhöhtes ExpositionsrisikoMigranten aus Hochendemiegebieten, medizinisches Personal, i.v. Drogenkonsumenten, Haushaltsangehörige von Infizierten

Stufenschema der serologischen Diagnostik

VerdachtsdiagnoseInitiale MarkerBestätigung / Weiterer Verlauf
Akute HBV-InfektionHBsAg, Anti-HBcAnti-HBc-IgM, HBeAg, Anti-HBe, HBV-DNA (quantitativ)
Chronische HBV-InfektionHBsAg, Anti-HBcHBeAg, Anti-HBe, HBV-DNA (quantitativ), ggf. HBsAg (quantitativ)

Wichtig: Bei allen HBsAg-positiven Patienten soll zwingend eine Hepatitis-Delta-Virus (HDV)-Diagnostik (Anti-HDV, bei Positivität HDV-RNA) erfolgen, da eine Koinfektion mit einer hohen Morbidität einhergeht.

HCC-Surveillance

Patienten mit chronischer HBV-Infektion haben ein erhöhtes Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom. Bei erhöhtem Risiko sollte mindestens alle 6 Monate ein abdomineller Ultraschall durch einen erfahrenen Untersucher durchgeführt werden. Eine zusätzliche AFP-Bestimmung ist optional.

HCC-RisikoPatientenprofilEmpfehlung zur Surveillance
HochLeberzirrhoseUltraschall alle 6 Monate (dringend empfohlen)
Mäßig hochAusgeprägte Fibrose, hohe Viruslast, positive FamilienanamneseUltraschall alle 6 Monate (empfohlen)
NiedrigKeine/wenig Fibrose, normale ALT, HBV-DNA <2000 IU/mlIntervall kann auf 12 Monate verlängert werden

Therapieindikationen

Die Indikation zur antiviralen Therapie richtet sich nach dem klinischen Verlauf, der Viruslast und dem Ausmaß der Leberschädigung.

KrankheitsstadiumTherapieindikationBemerkung
Akute Hepatitis BIn der Regel keine TherapieAusnahme: Schwere/fulminante Verläufe mit eingeschränkter Lebersynthese
Chronische Hepatitis BHBV-DNA ≥ 2000 IU/ml UND erhöhte ALT UND Fibrose-/ZirrhoserisikoBei unklarer Indikation ggf. Leberbiopsie oder Elastografie
LeberzirrhoseJeder HBV-DNA-NachweisUnabhängig von der Höhe der Virämie
HCCBei positiver HBV-DNATherapie mit Nukleos(t)idanaloga empfohlen
SchwangerschaftHBV-DNA > 200.000 IU/mlTherapie (z.B. Tenofovir) zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung

Therapieziele und Medikamentenauswahl

Das langfristige Therapieziel ist der Verlust des HBsAg (funktionelle Heilung). Bei Patienten ohne Zirrhose soll eine dauerhafte Suppression der HBV-DNA auf <2000 IU/ml (idealerweise unter die Nachweisgrenze) erreicht werden. Bei Zirrhose muss die HBV-DNA zwingend unterhalb der Nachweisgrenze liegen.

Als Primärtherapie stehen zur Verfügung:

  • Nukleos(t)idanaloga (NA): Hier sollen Entecavir (ETV) oder Tenofovir (TDF oder TAF) bevorzugt werden. Die Auswahl richtet sich nach Komorbiditäten (z.B. Niereninsuffizienz, Knochendichteminderung).
  • PEG-Interferon alfa: Zeitlich begrenzte Therapie, Eignung muss individuell geprüft werden (Hinweis: Präparat geht mittelfristig vom Markt).

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei jedem neu diagnostizierten HBsAg-positiven Patienten zwingend an den Ausschluss einer Hepatitis-D-Koinfektion (Anti-HDV), da diese leicht übersehen wird und mit einer hohen Morbidität einhergeht.

Häufig gestellte Fragen

Aufgrund der hohen Spontanheilungsrate (95-99 %) besteht in der Regel keine Indikation. Eine Ausnahme bilden schwere oder fulminante Verläufe mit eingeschränkter Lebersynthese.
Eine Therapie ist indiziert bei einer HBV-DNA ≥ 2000 IU/ml, wenn gleichzeitig die Transaminasen (ALT) wiederholt erhöht sind und ein Risiko für eine Leberzirrhose oder ein HCC besteht.
Ja, Patienten mit Leberzirrhose sollen bei jedem Nachweis von HBV-DNA unabhängig von der Höhe der Virämie antiviral behandelt werden.
Tenofovir, Lamivudin und Telbivudin gelten als sicher. Eine Therapie wird insbesondere ab einer Viruslast >200.000 IU/ml empfohlen, um eine Übertragung auf das Kind zu verhindern.
Bei Patienten mit erhöhtem Risiko (z.B. bei Leberzirrhose) sollte mindestens alle 6 Monate ein abdomineller Ultraschall durchgeführt werden. Die zusätzliche Bestimmung von AFP ist optional.

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