ClariMedClariMed

Kariesprävention bei bleibenden Zähnen: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Zähne sollen mindestens zweimal täglich für mindestens zwei Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta (mind. 1000 ppm) geputzt werden.
  • Die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz wird als Basisprophylaxe empfohlen.
  • Der Anteil an freien Zuckern sollte unter 10 %, idealerweise unter 5 % der Gesamtenergiezufuhr liegen.
  • Bei erhöhtem Wurzelkariesrisiko wird eine hochkonzentrierte Fluoridzahnpasta (5000 ppm) empfohlen.
  • Zuckerfreier Kaugummi nach den Mahlzeiten trägt durch Speichelstimulation zur Kariesprophylaxe bei.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Zahnkaries ist eine lokalisierte Erkrankung, die durch das Zusammenwirken eines kariogenen, mikrobiellen Biofilms und bestimmter Nahrungsbestandteile (insbesondere niedermolekularer Kohlenhydrate) entsteht. Die Kariesprävention zielt darauf ab, kariöse Läsionen zu vermeiden (Primärprophylaxe) oder deren Progression aufzuhalten (Sekundärprophylaxe).

Mechanische Biofilmentfernung

Die mechanische Reinigung ist essenziell zur Reduktion des pathogenen Biofilms.

  • Empfehlungsgrad A: Die Zähne sollen mindestens zweimal am Tag mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta gereinigt werden.
  • Empfehlungsgrad B: Eine Mindest-Bürstdauer von zwei Minuten sollte nicht unterschritten werden.
  • Empfehlungsgrad B: Es sollte eine individuell geeignete Systematik vermittelt werden, um alle Zahnflächen zu erreichen.
  • Starker Konsens: Elektrische Zahnbürsten können zur Verbesserung der Biofilmreduktion empfohlen werden.
  • Empfehlungsgrad B: Eine regelmäßige Interdentalraumreinigung (Zahnseide, Interdentalbürsten) sollte mehrmals wöchentlich durchgeführt werden.

Fluoridierungsmaßnahmen

Fluorid ist der wichtigste Eckpfeiler der Kariesprophylaxe. Die Gesamtfluoridaufnahme sollte 0,05-0,07 mg/kg Körpergewicht pro Tag nicht überschreiten.

MaßnahmeKonzentration / DosisIndikation / AnwendungEmpfehlungsgrad
Zahnpasta (Basis)Mind. 1000 ppmAb Durchbruch der bleibenden Zähne, mind. 2x täglichA
Zahnpasta (Hochdosis)5000 ppmDauerhaft bei Wurzelkariesrisiko; erwägenswert bei festsitzender KFOA
Fluoridlack-Mind. 2x jährlich bei Kindern/Jugendlichen (öfter bei Hochrisiko); Erwachsene mit WurzelkariesrisikoA
FluoridgelMeist 1,25 %Wöchentlich (häuslich) oder 2-4x jährlich (professionell) bei Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen mit Wurzelkariesrisiko0 / A
SpeisesalzFluoridiertGrundsätzliche Basismaßnahme (trinkwasserabhängig)Starker Konsens
Mundspüllösung0,05 % - 0,2 % NaFKinder/Jugendliche ab 6 Jahren mit erhöhtem Kariesrisiko (z.B. KFO); Erwachsene zur WurzelkariespräventionA / B

Ernährungsempfehlungen

Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Aufnahme von freien Zuckern und der Kariesentstehung.

  • Empfehlungsgrad A: Der Anteil von freien Zuckern an der Gesamtenergiezufuhr soll 10 % nicht überschreiten (idealerweise Reduktion auf unter 5 %).
  • Empfehlungsgrad A: Zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten und Getränke mit Zuckerzusatz sollen vermieden werden.
  • Empfehlungsgrad A: Die Zuckeraufnahme vor dem Zubettgehen (nach der Mundhygiene) soll vermieden werden.
  • Empfehlungsgrad A: Der Verzehr von Lebensmitteln mit prozessierter Stärke soll vermieden werden.

Chemische Biofilmbeeinflussung

Zusätzliche chemische Wirkstoffe zeigen in der Breite keinen Zusatznutzen zur Fluoridierung, haben aber spezifische Indikationen.

WirkstoffIndikationEmpfehlungsgrad
Chlorhexidin (CHX)-LackMind. 1 % CHX. Professionelle Anwendung bei festsitzenden KFO-Apparaturen oder im freiliegenden Wurzelbereich.0

Speichelstimulation

Ausreichend Speichel (0,5 – 1 Liter pro Tag) ist ein Grundpfeiler der Mundgesundheit, da er Säuren neutralisiert und remineralisierend wirkt.

  • Starker Konsens: Regelmäßiges Kauen von zuckerfreiem Kaugummi (insbesondere nach den Mahlzeiten) trägt zur Kariesprophylaxe bei und wird empfohlen.

Prophylaxeprogramme

  • Empfehlungsgrad A: Kindern und Jugendlichen soll ein bedarfs- und risikoorientiertes strukturiertes Prophylaxeprogramm angeboten werden.
  • Empfehlungsgrad B: Die Motivierung und Instruktion zur Kariesprävention sollten lebenslang erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Empfehlen Sie Hochrisikopatienten (z.B. mit freiliegenden Zahnhälsen oder festsitzenden Zahnspangen) gezielt hochkonzentrierte Fluoridzahnpasta (5000 ppm) und applizieren Sie in der Praxis regelmäßig Fluorid- oder CHX-Lacke.

Häufig gestellte Fragen

Die Zähne sollten mindestens zweimal täglich für mindestens zwei Minuten mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt werden.
Ab dem Durchbruch der bleibenden Zähne wird eine Zahnpasta mit mindestens 1000 ppm Fluorid empfohlen.
Zur Prävention von Wurzeloberflächenkaries bei Erwachsenen und erwägenswert bei Patienten mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen.
Der Anteil an freien Zuckern sollte 10 % der Gesamtenergiezufuhr nicht überschreiten, idealerweise sollte er auf unter 5 % reduziert werden.
Ja, regelmäßiges Kauen von zuckerfreiem Kaugummi, insbesondere nach den Mahlzeiten, stimuliert den Speichelfluss und trägt zur Kariesprophylaxe bei.

Verwandte Leitlinien