Vitamin-D- und B12-Screening bei Älteren: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Ein Vitamin-D- oder Vitamin-B12-Mangel wird häufig als Ursache für diverse altersassoziierte Beschwerden diskutiert. Mit zunehmendem Alter sinkt beispielsweise die Fähigkeit der Haut zur Vitamin-D-Synthese, weshalb eine Unterversorgung in dieser Patientengruppe oft vermutet wird.
In der Praxis stellt sich oft die Frage, ob ältere Menschen von einer regelmäßigen, anlasslosen Überprüfung dieser Blutwerte profitieren. Einheitliche, international anerkannte Grenzwerte für einen Mangel existieren für beide Vitamine jedoch nicht.
Der vorliegende HTA-Bericht des IQWiG untersucht den Nutzen einer solchen Screeningkette. Dabei wird die laborchemische Bestimmung mit anschließender Vitaminsubstitution bei asymptomatischen Personen ab 50 Jahren hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte bewertet.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen zum anlasslosen Screening:
Diagnostische Grenzwerte
Der Bericht weist darauf hin, dass es für beide Vitamine keine international einheitlich anerkannten Schwellenwerte für einen Mangel gibt. In der Praxis und in Studien werden unterschiedliche Referenzwerte herangezogen:
| Parameter | Häufig diskutierter Grenzwert | Anmerkung laut Bericht |
|---|---|---|
| Vitamin B12 | < 200 pg/ml | Kein allgemein akzeptierter Referenzwert |
| Vitamin D | 20 ng/ml (50 nmol/l) | Wird von einigen Fachgesellschaften als ausreichend angesehen |
| Vitamin D | 30 ng/ml (75 nmol/l) | Wird von anderen Fachgesellschaften als Mindestwert empfohlen |
Fehlender Nutzennachweis für das Screening
Laut Bericht gibt es keine direkten Screeningstudien, die einen Nutzen der gesamten Screeningkette belegen. Daher wurde die indirekte Evidenz zur Vitaminsubstitution bei asymptomatischen Personen mit nachgewiesenem Mangel ausgewertet.
Ergebnisse zu Vitamin D
Die Auswertung von 33 randomisiert-kontrollierten Studien zur Vitamin-D-Substitution bei symptomlosen Personen zeigt keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen.
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Keine Prävention von Frakturen oder Stürzen
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Keine Reduktion der Gesamtmortalität
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Keine Verhinderung von Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Infektionen
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Keine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität oder körperlichen Funktion
Ergebnisse zu Vitamin B12
Für die Vitamin-B12-Substitution bei symptomlosem Mangel konnten lediglich zwei Studien identifiziert werden. Auch hier ergab sich kein Anhaltspunkt für einen Nutzen hinsichtlich der kognitiven Funktion.
Fazit für die Praxis
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein regelmäßiges Screening auf Vitamin-D- oder Vitamin-B12-Mangel bei asymptomatischen Personen ab 50 Jahren nicht zu befürworten ist. Es gibt keinen Grund für eine anlassfreie Überprüfung dieser Blutwerte in dieser Bevölkerungsgruppe.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Irrglaube im klinischen Alltag ist, dass ältere, asymptomatische Menschen routinemäßig von einer Vitamin-D- oder B12-Gabe profitieren. Der IQWiG-Bericht betont jedoch, dass eine anlasslose Laborbestimmung mit anschließender Substitution bei symptomfreien Personen ab 50 Jahren keinen nachweisbaren gesundheitlichen Vorteil bietet. Es wird daher empfohlen, auf ein ungerichtetes Screening zu verzichten.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht wird ein anlassloses Screening auf Vitamin D bei symptomfreien Personen ab 50 Jahren nicht empfohlen. Es konnte kein Nutzen für die Prävention von Frakturen, Stürzen oder anderen Erkrankungen nachgewiesen werden.
Der Bericht hält fest, dass es keinen international einheitlich akzeptierten Referenzwert für einen Vitamin-B12-Mangel gibt. In der Praxis wird bei Erwachsenen häufig ein Wert von unter 200 pg/ml als zu niedrig angesehen.
Die Auswertung der vorliegenden Studien durch das IQWiG ergab keinen Anhaltspunkt dafür, dass eine Vitamin-D-Substitution bei symptomlosen älteren Menschen Stürze oder Frakturen verhindert.
Eine regelmäßige, nicht anlassbezogene Screeninguntersuchung auf einen niedrigen Vitamin-D- oder Vitamin-B12-Spiegel ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Gesundheitsökonomie-Analyse des Berichts zeigt zudem, dass ein solches Screening mangels klinischem Nutzen nicht kosteneffektiv ist.
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Quelle: IQWiG HT20-04: Blutwerte: Profitieren ältere Personen von einer regelmäßigen Bestimmung der Vitamin B12- und Vitamin D-Werte im Blut? (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.