IQWiG2022

Vitamin-D- und B12-Screening bei Älteren: IQWiG-Bericht

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Ein Vitamin-D- oder Vitamin-B12-Mangel wird häufig als Ursache für diverse altersassoziierte Beschwerden diskutiert. Mit zunehmendem Alter sinkt beispielsweise die Fähigkeit der Haut zur Vitamin-D-Synthese, weshalb eine Unterversorgung in dieser Patientengruppe oft vermutet wird.

In der Praxis stellt sich oft die Frage, ob ältere Menschen von einer regelmäßigen, anlasslosen Überprüfung dieser Blutwerte profitieren. Einheitliche, international anerkannte Grenzwerte für einen Mangel existieren für beide Vitamine jedoch nicht.

Der vorliegende HTA-Bericht des IQWiG untersucht den Nutzen einer solchen Screeningkette. Dabei wird die laborchemische Bestimmung mit anschließender Vitaminsubstitution bei asymptomatischen Personen ab 50 Jahren hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte bewertet.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen zum anlasslosen Screening:

Diagnostische Grenzwerte

Der Bericht weist darauf hin, dass es für beide Vitamine keine international einheitlich anerkannten Schwellenwerte für einen Mangel gibt. In der Praxis und in Studien werden unterschiedliche Referenzwerte herangezogen:

ParameterHäufig diskutierter GrenzwertAnmerkung laut Bericht
Vitamin B12< 200 pg/mlKein allgemein akzeptierter Referenzwert
Vitamin D20 ng/ml (50 nmol/l)Wird von einigen Fachgesellschaften als ausreichend angesehen
Vitamin D30 ng/ml (75 nmol/l)Wird von anderen Fachgesellschaften als Mindestwert empfohlen

Fehlender Nutzennachweis für das Screening

Laut Bericht gibt es keine direkten Screeningstudien, die einen Nutzen der gesamten Screeningkette belegen. Daher wurde die indirekte Evidenz zur Vitaminsubstitution bei asymptomatischen Personen mit nachgewiesenem Mangel ausgewertet.

Ergebnisse zu Vitamin D

Die Auswertung von 33 randomisiert-kontrollierten Studien zur Vitamin-D-Substitution bei symptomlosen Personen zeigt keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen.

  • Keine Prävention von Frakturen oder Stürzen

  • Keine Reduktion der Gesamtmortalität

  • Keine Verhinderung von Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Infektionen

  • Keine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität oder körperlichen Funktion

Ergebnisse zu Vitamin B12

Für die Vitamin-B12-Substitution bei symptomlosem Mangel konnten lediglich zwei Studien identifiziert werden. Auch hier ergab sich kein Anhaltspunkt für einen Nutzen hinsichtlich der kognitiven Funktion.

Fazit für die Praxis

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein regelmäßiges Screening auf Vitamin-D- oder Vitamin-B12-Mangel bei asymptomatischen Personen ab 50 Jahren nicht zu befürworten ist. Es gibt keinen Grund für eine anlassfreie Überprüfung dieser Blutwerte in dieser Bevölkerungsgruppe.

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💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Irrglaube im klinischen Alltag ist, dass ältere, asymptomatische Menschen routinemäßig von einer Vitamin-D- oder B12-Gabe profitieren. Der IQWiG-Bericht betont jedoch, dass eine anlasslose Laborbestimmung mit anschließender Substitution bei symptomfreien Personen ab 50 Jahren keinen nachweisbaren gesundheitlichen Vorteil bietet. Es wird daher empfohlen, auf ein ungerichtetes Screening zu verzichten.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht wird ein anlassloses Screening auf Vitamin D bei symptomfreien Personen ab 50 Jahren nicht empfohlen. Es konnte kein Nutzen für die Prävention von Frakturen, Stürzen oder anderen Erkrankungen nachgewiesen werden.

Der Bericht hält fest, dass es keinen international einheitlich akzeptierten Referenzwert für einen Vitamin-B12-Mangel gibt. In der Praxis wird bei Erwachsenen häufig ein Wert von unter 200 pg/ml als zu niedrig angesehen.

Die Auswertung der vorliegenden Studien durch das IQWiG ergab keinen Anhaltspunkt dafür, dass eine Vitamin-D-Substitution bei symptomlosen älteren Menschen Stürze oder Frakturen verhindert.

Eine regelmäßige, nicht anlassbezogene Screeninguntersuchung auf einen niedrigen Vitamin-D- oder Vitamin-B12-Spiegel ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Gesundheitsökonomie-Analyse des Berichts zeigt zudem, dass ein solches Screening mangels klinischem Nutzen nicht kosteneffektiv ist.

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Quelle: IQWiG HT20-04: Blutwerte: Profitieren ältere Personen von einer regelmäßigen Bestimmung der Vitamin B12- und Vitamin D-Werte im Blut? (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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