IQWiG2020

Physiotherapie bei HWS-Syndrom: IQWiG-Bericht

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-HTA-Bericht HT18-02 untersucht den Einfluss von Behandlungsdauer, -häufigkeit und -frequenz einer Physiotherapie auf den Behandlungserfolg beim Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom). Nackenschmerzen betreffen jährlich rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Europa.

Zur Behandlung werden im Rahmen des Heilmittelkatalogs verschiedene Maßnahmen der physikalischen Therapie verordnet. Bislang gibt es zur Dauer einer einzelnen Einheit sowie zur Verteilung der Einheiten meist nur Richtwerte oder Empfehlungen.

Ziel des Berichts war es, den patientenrelevanten Nutzen, die Kosteneffektivität sowie ethische, rechtliche und organisatorische Aspekte einer variierenden Therapieintensität zu bewerten.

Empfehlungen

Der Bericht fasst die Evidenz zur Therapieintensität beim HWS-Syndrom zusammen:

Evidenzlage zum therapeutischen Nutzen

Laut Bericht ergaben sich keine Anhaltspunkte für einen unterschiedlichen Nutzen durch eine variierende Behandlungsdauer, -häufigkeit oder -frequenz. Dies betrifft die Endpunkte Schmerz, Beschwerden bei alltäglichen Aktivitäten sowie Stress.

Es wird betont, dass die eingeschlossenen Studien ausschließlich chronische Verläufe untersuchten und ein hohes Verzerrungspotenzial aufwiesen. Für akute oder subakute HWS-Syndrome konnten keine Studien identifiziert werden.

Die Datenlage zu den verschiedenen Endpunkten wird wie folgt klassifiziert:

Endpunkt-KategorieUntersuchte ParameterEvidenz für Nutzenunterschiede
Patientenrelevante EndpunkteSchmerz, Alltagsbeschwerden, StressKeine Anhaltspunkte vorhanden
Unverwertbare DatenLebensqualität, unerwünschte EreignisseKeine Bewertung möglich
Nicht untersuchte EndpunkteMortalität, neurologische SymptomeKeine Bewertung möglich

Untersuchte Interventionen

Die Evidenzbewertung basiert auf drei Studien, die folgende Maßnahmen untersuchten:

  • Massagetherapie

  • Kombination aus Massage- und Wärmetherapie

  • Aktive Krankengymnastik im Bewegungsbad als Gruppentherapie

Der Bericht merkt an, dass diese Maßnahmen die aktuelle deutsche Versorgungspraxis kaum widerspiegeln. In der Praxis bilden die allgemeine Krankengymnastik als Einzeltherapie und die Manuelle Therapie die Schwerpunkte.

Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen

Hinsichtlich der Verordnungspraxis hebt der Bericht folgende Aspekte hervor:

  • Eigenmächtige Änderungen der verschriebenen Behandlungsfrequenz durch Physiotherapeuten ohne ärztliche Rücksprache können rechtliche Konsequenzen haben.

  • Nicht-therapeutische Zeiten (wie Umkleiden oder Dokumentation) verkürzen in der Praxis oft die eigentliche Behandlungszeit.

  • Eine Erhöhung der Therapiedauer oder -häufigkeit führt zu proportional steigenden Kosten und höheren Zuzahlungen für die Betroffenen.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Der Bericht warnt davor, dass eigenmächtige Abweichungen von der ärztlich verordneten Behandlungshäufigkeit oder -frequenz durch Physiotherapeuten zivil- und strafrechtliche Konsequenzen haben können. Dies gilt insbesondere, falls die Änderung zu einer Verschlimmerung des Krankheitsbildes führt. Anpassungen sollten daher immer in ärztlicher Rücksprache erfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht gibt es aktuell keine ausreichende Evidenz, die einen Zusatznutzen durch eine längere Behandlungsdauer belegt. Die vorliegenden Studien zeigten keine signifikanten Unterschiede bezüglich Schmerz oder Alltagsfunktion.

Es wurden Studien zur Massagetherapie, einer Kombination aus Massage und Wärme sowie zu aktiver Krankengymnastik im Bewegungsbad ausgewertet. Der Bericht bemängelt jedoch, dass dies nicht der aktuellen deutschen Versorgungspraxis entspricht.

Gemäß den im Bericht zitierten rechtlichen Rahmenbedingungen dürfen Änderungen an der verschriebenen Frequenz grundsätzlich nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vorgenommen werden. Ausnahmen bilden spezifische Regelungen wie die Blankoverordnungen.

Nein, der Bericht konnte keine Studien identifizieren, die den Einfluss von Dauer und Häufigkeit der Physiotherapie bei akutem oder subakutem Halswirbelsäulensyndrom untersuchten. Die verfügbare Evidenz beschränkt sich auf chronische Beschwerden.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: IQWiG HT18-02: Halswirbelsäulensyndrom: Einfluss von Behandlungsdauer und -häufigkeiten einer Physiotherapie auf den Behandlungserfolg (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien