Epcoritamab bei follikulärem Lymphom: IQWiG-Bewertung
Hintergrund
Die IQWiG-Dossierbewertung A24-95 befasst sich mit dem Wirkstoff Epcoritamab. Dieser wird als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Personen mit rezidivierendem oder refraktärem follikulären Lymphom (FL) nach mindestens zwei Linien einer systemischen Therapie angewendet.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) legte als zweckmäßige Vergleichstherapie eine patientenindividuelle Behandlung fest. Diese umfasst unter anderem Bendamustin in Kombination mit Obinutuzumab, gefolgt von einer Obinutuzumab-Erhaltungstherapie.
Für die Bewertung reichte der pharmazeutische Unternehmer Daten aus der einarmigen Studie GCT3013-01 ein. Da diese keinen direkten Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie ermöglicht, konnte kein Zusatznutzen abgeleitet werden.
Empfehlungen
Bewertung des Zusatznutzens
Laut Bericht ergibt sich für Epcoritamab im bewerteten Anwendungsgebiet kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Ein Zusatznutzen gilt somit gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie als nicht belegt.
Der pharmazeutische Unternehmer beanspruchte selbst keinen Zusatznutzen. Die vorgelegten Daten der einarmigen Studie GCT3013-01 wurden als ungeeignet für einen direkten Vergleich eingestuft.
Anforderungen an die Anwendung
Die Fachinformation formuliert strenge Vorgaben für eine qualitätsgesicherte Anwendung:
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Die Therapie darf nur unter Aufsicht von in der Krebstherapie erfahrenem ärztlichen Personal erfolgen.
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Vor der ersten Gabe in Zyklus 1 muss mindestens eine Dosis Tocilizumab zur Behandlung eines möglichen Zytokinfreisetzungssyndroms (CRS) verfügbar sein.
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Eine zusätzliche Dosis Tocilizumab sollte innerhalb von 8 Stunden nach der ersten Gabe bereitstehen.
Prophylaktische Maßnahmen
Zur Vermeidung schwerer Nebenwirkungen werden folgende Begleittherapien dringend empfohlen:
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Eine Prophylaxe gegen Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie und Herpes-Virus-Infektionen, insbesondere bei gleichzeitiger Steroidgabe.
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Eine ausreichende Hydrierung mit 2 bis 3 Litern Flüssigkeit 24 Stunden vor und nach der Anwendung.
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Die intravenöse Gabe von 500 ml isotonischer Flüssigkeit am Tag der Verabreichung.
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Bei erhöhtem Risiko für ein Tumorlysesyndrom wird eine harnsäuresenkende Vorbeugung angeraten.
Dosierung
Epcoritamab (Tepkinly) wird ausschließlich als subkutane Injektion verabreicht. Die Behandlung erfolgt in 28-tägigen Zyklen nach einem dreistufigen Aufdosierungsschema.
Dosierungsschema
| Zyklus | Tag | Dosis |
|---|---|---|
| Zyklus 1 | Tag 1 | 0,16 mg |
| Zyklus 1 | Tag 8 | 0,8 mg |
| Zyklus 1 | Tag 15 und 22 | 48 mg |
| Zyklus 2 bis 3 | Tag 1, 8, 15 und 22 | 48 mg |
| Zyklus 4 bis 9 | Tag 1 und 15 | 48 mg |
| Ab Zyklus 10 | Tag 1 | 48 mg |
Die Therapie wird bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder dem Auftreten einer inakzeptablen Toxizität fortgeführt.
Obligatorische Vormedikation
Zur Reduktion des Risikos für ein Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) ist eine Prämedikation an spezifischen Tagen zwingend erforderlich (Zyklus 1: Tag 1, 8, 15, 22 sowie Zyklus 2: Tag 1).
| Medikamentenklasse | Wirkstoff und Dosis |
|---|---|
| Corticosteroide | Prednisolon 100 mg (IV/PO) oder Dexamethason 15 mg |
| Antihistaminika | Diphenhydramin 50 mg (IV/PO) oder Äquivalent |
| Antipyretika | Paracetamol 500 bis 1000 mg (PO) |
Bei älteren Personen (ab 65 Jahren) sowie bei leichter bis mittelschwerer Nieren- oder leichter Leberinsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Kontraindikationen
Laut Fachinformation besteht eine absolute Kontraindikation bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
Zudem dürfen während der Behandlung mit Epcoritamab keine Lebendimpfstoffe oder attenuierten Lebendimpfstoffe verabreicht werden. Die Anwendung bei klinisch bedeutsamen aktiven systemischen Infektionen ist zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Aspekt der Therapie mit Epcoritamab ist das hohe Risiko für ein Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) und neurotoxische Ereignisse (ICANS), insbesondere im ersten Behandlungszyklus. Es wird dringend angeraten, blutdrucksenkende Medikamente 24 Stunden vor jeder Verabreichung abzusetzen und eine strikte intravenöse sowie orale Hydrierung der behandelten Personen sicherzustellen. Zudem ist die sofortige Verfügbarkeit von Tocilizumab vor Therapiebeginn eine zwingende Voraussetzung.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Epcoritamab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Der Hersteller legte lediglich einarmige Studiendaten vor, die keinen direkten Vergleich zulassen.
Das Medikament wird ausschließlich als subkutane Injektion appliziert, vorzugsweise in den unteren Bauchbereich oder den Oberschenkel. Es wird ein regelmäßiger Wechsel der Injektionsstelle empfohlen.
Zur Prophylaxe eines Zytokinfreisetzungssyndroms wird eine Kombination aus Corticosteroiden, Antihistaminika und Antipyretika verabreicht. Diese Prämedikation ist an allen Behandlungstagen im ersten Zyklus sowie am ersten Tag des zweiten Zyklus erforderlich.
Wenn bestimmte Zeitintervalle zwischen den Dosen überschritten werden, ist laut Fachinformation ein erneuter Initialzyklus erforderlich. Dies betrifft beispielsweise eine Pause von mehr als 8 Tagen zwischen der ersten und zweiten Zwischendosis.
Die Gabe von Lebendimpfstoffen oder attenuierten Lebendimpfstoffen ist während der Therapie kontraindiziert. Es liegen keine Studien zur Sicherheit bei Personen vor, die Lebendimpfstoffe erhalten haben.
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Quelle: IQWiG A24-95: Epcoritamab (follikuläres Lymphom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.